Kunst
Einbruch, Streiks und schlechtes Ticketsystem: Was im Louvre-Museum alles schief läuft
Die Frauen kennen sich nicht, aber in der Warteschlange vor dem Louvre kommen sie ins Gespräch. Sie diskutieren über die unterschiedlichen Tarife, die sie bezahlen: 32 Euro für die Amerikanerin, 22 Euro für die Deutsche. Wenn sie wiederum eine geführte Tour mit einer kleinen Gruppe machen wollen, sind es pro Person 28 Euro allein für den Eintritt, der Preis für die Führung kommt noch hinzu. Das Ticket müssen sie in dem Fall vom Tour-Guide kaufen lassen. „Wer soll sich da noch auskennen?“, fragt die Deutsche kopfschüttelnd. „Weil wir keine EU-Bürger sind, werden wir diskriminiert“, ärgert sich die Frau aus den USA.
Seit Januar bestehen diese Tarifunterschiede je nach Nationalität. Angesichts des Finanzierungsbedarfs gelte es, „innovativ zu sein“, rechtfertigte sie die damalige Kulturministerin Rachida Dati. Das größte Museum der Welt, das jährlich rund neun Millionen Touristen besuchen, braucht Geld für die Renovierung der abgenutzten Säle, in denen es wiederholt zu Wasserschäden und kürzlich zu einer Überflutung kam, für einen besseren Schutz der Kunstwerke und Sicherheitseinrichtungen, darunter moderne Kameras.
Streik der Mitarbeiter
Im Oktober 2025 stahlen Diebe bei einem spektakulären Einbruch Kronjuwelen im Wert von 88 Millionen Euro. Mehrere Täter wurden gefasst, die Beute bleibt verschwunden. Im März flog wiederum ein jahrelanges Ticketbetrugssystem durch chinesische Touristenführer auf, die mutmaßlich Komplizen unter Angestellten des Museums hatten. Geschätzter Gesamtschaden: mehr als zehn Millionen Euro.
Zu Beginn des Jahres streikten viele der gut 2000 Angestellten für bessere Arbeitsbedingungen. Regelmäßig bleiben Säle geschlossen, weil es an Personal fehlt. Im Februar geriet die bisherige Direktorin Laurence des Cars so stark in Bedrängnis, dass sie kündigte. Ihr Nachfolger Christopher Leribault soll nun die vielen Probleme lösen.
Probleme für Tour-Guides
Dem Streik der Louvre-Mitarbeiter schlossen sich einige der selbstständig arbeitenden Tour-Guides an, denn auch sie geraten zunehmend unter Druck. „Ich habe seit Jahresbeginn fast keine italienischen Kleingruppen mehr: Es wird zu teuer und kompliziert“, klagt Vittoria Ramodelli. Die Italienerin führt seit Jahren Touristen durch kulturhistorische Stätten in Paris. Doch ein neues Buchungssystem macht Probleme, das selbstständige Museumsführer gegenüber großen Reiseagenturen benachteilige.
„Für uns fällt jetzt pro Gruppe ein sogenanntes Rederecht von 20 Euro an – wir bezahlen, um arbeiten zu können“, erklärt Priscilla Achcar, die ebenfalls betroffen ist. „Auf Buchungsplattformen werden theoretisch Zeitfenster freigeschaltet, doch faktisch sind vor allem am Vormittag fast nie welche frei.“ Sie müsse vorab eine bestimmte Anzahl an Tickets kaufen, ohne die Gruppengröße zu kennen. Interessierte, die schon eine Eintrittskarte haben, darf sie nicht mehr annehmen, weil der Kauf über sie laufen muss.
„Bei uns Guides herrscht Panik, viele denken über einen Jobwechsel nach“, sagt die Brasilianerin. Wie Ramodelli engagiert sie sich in einer Gewerkschaft, um mit der Museumsleitung verhandeln zu können. „Aber unser Eindruck ist, dass der Louvre weniger kleine Führungen möchte, weil sie länger bleiben.“ Bevorzugt würden größere Reisegruppen, die die wichtigsten Sehenswürdigkeiten rasch abhaken. Die Kunst- und Kulturvermittlung, eine der Hauptaufgaben eines Museums, verliere an Priorität gegenüber kommerziellen Interessen.
Ein Denkmal für Macron
Es gibt noch einen Grund, warum der Louvre Geld braucht: Präsident Emmanuel Macron hat vor einem Jahr das Großprojekt „Neue Renaissance“ lanciert. Geplant ist unter anderem ein zweiter Eingang neben der Glaspyramide, um diese zu entlasten. Im Sommer staut sich dort die Hitze, der Lärmpegel ist permanent hoch. Außerdem soll für die viel besuchte Mona Lisa von Leonardo da Vinci ein eigener Raum mit extra Zugang entstehen.
Das Projekt ist umstritten, auch weil der französische Rechnungshof von Kosten in Höhe von 1,2 Milliarden Euro ausgeht und den „fragilen Finanzierungsplan“ kritisiert. Durch die Fokussierung auf „sichtbare, attraktive Projekte“ würden dringend notwendige Sanierungen vernachlässigt.
Der Louvre hat für Macron eine besondere Bedeutung: Hier hielt er am Abend seiner Wahl 2017 eine feierliche Rede. Mit dem Umbau, davon sind Beobachter überzeugt, will er sich ein Denkmal setzen, so wie es vor ihm Georges Pompidou mit dem nach ihm benannten Museum oder Jacques Chirac mit dem Museum Quai Branly getan haben.