Panorama Blaulicht-Filmer lauern auf Einsätze von Polizei und Feuerwehr
«MÜNCHEN.» Sie sind unterwegs in ganz Deutschland, um Feuerwehr- oder Polizeifahrzeuge im Einsatz zu filmen: Blaulicht-Fans wie Lukas Zeidler oder Paul Frenzel. Von Gaffern distanzieren sie sich entschieden. Die Feuerwehr beobachtet das Hobby trotzdem wachsam.
Manchmal dauert es Stunden, bis der richtige Moment gekommen ist. Manchmal bleibt er auch ganz aus. Freude und Frust liegen dicht beieinander, wenn Lukas Zeidler mit seiner Kamera unterwegs ist. Immer bereit, draufzuhalten und neues Material einzufangen. Neues Material, das sind Aufnahmen von Feuerwehr- und Polizeifahrzeugen im Einsatz. Der 22-Jährige aus dem Raum München filmt sie meist beim Ausrücken aus der Wache, wenn sie mit Blaulicht und Martinshorn über die Straße brausen – nur nicht dort, wo es tatsächlich brennt. Er sei kein Gaffer und wolle die Feuerwehrleute keinesfalls bei der Arbeit behindern, betont er. Mehr als 40.000 Menschen haben seinen Kanal „Firescue112“ auf der Video-Plattform Youtube abonniert. Er hat damit ein vergleichsweise großes Publikum – und verdient mit seinem Hobby deshalb auch Geld. „Die Höhe des Einkommens liegt in etwa bei dem eines Nebenjobs“, sagt Zeidler. Doch auch seine Konkurrenz kann sich sehen lassen. Bei Youtube finden sich Videos von Polizei- und Feuerwehrfahrzeugen aus dem gesamten Bundesgebiet. Der Kanal „EnjoyFirefighting“ zählt knapp 30.000 Abonnenten und sammelt Videos aus verschiedenen deutschen Städten, aber auch aus dem norwegischen Oslo, der dänischen Hauptstadt Kopenhagen und den USA. Den Kanal pflegt der 26-jährige Rettungsassistent Paul Frenzel, der in Freising bei München lebt. Daneben gibt es noch zahlreiche kleinere Kanäle. Lukas Zeidler arbeitet mit seinem Patenonkel aus Lüneburg zusammen. Seit kurzer Zeit erhält er weitere Hilfe von einem Gleichgesinnten aus Nordrhein-Westfalen. „Die Szene ist deutlich gewachsen“, ist sein Eindruck. Das sagt auch Paul Frenzel: „Es gibt mittlerweile viele neue Filmer, sodass man schon den Überblick verliert.“
Lieber für Blaulicht engagieren als zu filmen
Leute wie die beiden jungen Männer sind Jan Saurer von der Münchner Feuerwehr schon mehrfach aufgefallen. Ein Problem sieht er in den Hobby-Filmern nicht. „Wir sind deswegen nicht eingeschränkt“, sagt er. „Ich sehe das eher als Wertschätzung für unseren Job.“ Ähnlich sieht es der Deutsche Feuerwehrverband. „Wenn sich die Leute auf Kreuzungen oder gegenüber von Wachen stellen, sehe ich kein Problem dabei“, sagt Sprecherin Silvia Darmstädter. Sie müssten aber darauf achten, dass keine Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Und: „Es wäre uns lieber, wenn sich Leute mit Begeisterung für Blaulicht engagieren würden.“ Zeidler tut das. Seit rund zehn Jahren ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Dort wuchs auch seine Faszination für Einsatzfahrzeuge und deren Technik. Während Mitschüler nachmittags Computer spielten, schaute sich Zeidler Youtube-Videos von Feuerwehrwagen an. „Das würde ich auch ganz gerne mal machen“, habe er sich damals gedacht. Vor sechs Jahren stand er erstmals vor einer Wache in München, um zu filmen. Mittlerweile sei er meist nach Feierabend und samstags mit der Kamera unterwegs. „Manchmal nehme ich mir auch einen Tag frei, weil unter der Woche mehr los ist.“ Allerdings gibt es auch Tage, an denen gar nichts passiert. Einmal sei er samstags nach Ingolstadt gefahren – schließlich wolle er seinem Publikum etwas bieten, und dazu gehörten auch Aufnahmen aus anderen Städten. Nach acht Stunden vor Ort habe er immer noch nichts im Kasten gehabt. „Man kann auch sagen, das Hobby ist eine Anleitung zum Frustriertwerden.“ Dennoch weiß er: Im nächsten Moment könne etwas passieren. Das bedeute nicht, dass er ständig darauf hoffe, dass sich irgendwo eine Katastrophe ereignet. „Im Idealfall bekommen wir viel zu filmen, aber nichts passiert.“ Natürlich gebe es unter den Blaulicht-Filmern auch schwarze Schafe. Leute, die selbst falsche Alarme bei der Feuerwehr auslösten, um etwas vor die Kamera zu bekommen, sagt Frenzel. „Davon distanziere ich mich klar.“