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Zeitgeschehen

Warum die Pfalz schuld an der kurzen Adventszeit ist

Hier wurde entschieden, wie lange die Adventszeit ist: Kloster Limburg. (Foto: dpa)

Wie lang ist die Adventszeit? Diese Frage wurde im Mittelalter intensiv diskutiert – bis im Kloster Limburg im heutigen Gebiet der Pfalz eine weitreichende Entscheidung getroffen wurde.

Auch wenn es nicht jeder weiß: der 3. Dezember 1038 ist ein wichtiges Datum für alle, die gern Advent und Weihnachten feiern. Im Kloster Limburg bei Bad Dürkheim in der heutigen Pfalz wurde damals festgelegt, dass der erste der vier Adventssonntage immer zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember liegen muss – damit der zeitliche Abstand bis zum Heiligen Abend am 24. Dezember stimmt. «Auf diese Art und Weise kommt man dann immer schön auf unser Weihnachtsfest», sagt der Historiker Jürgen Keddigkeit.

 

Das Kloster sei damit «Schauplatz einer ganz bedeutenden, für die lateinische Kirche wichtigen Entscheidung gewesen», sagt Pfarrer Mathias Köller vom Speyerer Bistumsarchiv. Denn bis dahin stand nur die Zahl der Adventssonntage fest, zum Datum war nichts gesagt. Das sorgte für Diskussionen über die Länge der Adventszeit, in der sich die Christen auf das Fest der Geburt Jesu vorbereiten.

Der Bischof war sein Onkel

 

Untrennbar verbunden mit der Festlegung ist der Name Kaiser Konrads II. (990 bis 1039). Er hatte am Sonntag, dem 26. November 1038 auf dem Weg von Burgund nach Goslar in Straßburg Halt gemacht, wo sein Onkel Wilhelm Bischof war. Der wollte an jenem Tag mit der Ankunft des Kaisers auch die Ankunft des Herrn und den ersten Advent feiern. Doch er hatte nicht mit Konrad II. gerechnet. «Der Kaiser und seine Umgebung waren damit nicht einverstanden», schreibt der Historiker Herwig Wolfram in seinem Buch «Konrad II.». Denn sonst hätte es bis zum 24. fünf Adventssonntage gegeben - einen mehr als von Papst Gregor dem Großen (590-604) vorgegeben.

 

Eine Woche später zog Konrad einen Schlussstrich unter den sogenannten Adventsstreit. Am 3. Dezember feierte er zusammen mit seiner Frau Gisela und mehreren Bischöfen im Kloster Limburg den ersten Advent. Zugleich ließ er die Datums-Spanne regeln. Zwar seien weder Konrad noch seine Frau in dieser Frage sachverständig gewesen, sagt Wolfram. Aber der Herrscher habe die Pflicht gehabt, «in Fragen der öffentlichen Disziplin und allgemeinen Ordnung Klarheit zu schaffen». Zudem habe seine Entscheidung in Einklang mit einer guten Tradition gestanden.

 

 



 

Im laufenden Jahr ist die am 3. Dezember beginnende Adventszeit so kurz wie möglich: der letzte Adventssonntag fällt auf den 24. Dezember.

Für Keddigkeit, den Projektleiter des Pfälzischen Klosterlexikons, ist die Adventsregelung auch interessant, weil letztlich nicht die Kirche, «sondern der liebe Kaiser» darüber entschieden habe. Pfarrer Köller sieht das anders. Die Bischöfe hätten entschieden, wenn auch unter starkem Einfluss von Konrad II., sagt er. Nach seiner Ansicht hat das Kloster im elften Jahrhundert kirchengeschichtlich einen hohen Rang gehabt. Das sei heute aber weitgehend vergessen.

Nicht nur der Rang war groß, auch die Kirche und die Klosteranlage konnten und können sich sehen lassen – obwohl sie schon lange zerstört sind. Wegen ihrer Größe beeindrucken sie auch als Ruinen. Sie entstanden an der Stelle einer einstigen salischen Gaugrafenburg, deren Steine laut Keddigkeit zum Bau des 1025 gegründeten «Riesenklosters» verwendet wurden. Seine Kirche war Keddigkeit zufolge nach dem Speyerer Dom die zweitgrößte der Pfalz: Das Langhaus maß 46,50 mal 26,68 Meter, das Querhaus 38,14 Meter. Kurzzeitig wurde die Anlage «Hauskloster» der Salier, bis die sich Speyer zuwandten, wo auf Konrads Initiative der Dom gebaut wurde.

Steinbruch und Ausflugsort

Die Tage des Klosters waren 1504 gezählt, als Graf Emich von Leinigen die Anlage in Brand setzte. Der Klostervogt habe «aus purer Angst» gehandelt, das Kloster an die Kurfürsten von der Pfalz zu verlieren, sagt Keddigkeit. Ein richtiger Wiederaufbau kam nicht mehr zustande. «Seit Mitte des 17. Jahrhunderts ist das Ding Steinbruch und seitdem ein beliebter Ausflugsort», sagt der Historiker.

In der warmen Jahreszeit wird die Ruine als Aufführungsort für Theater, Konzerte und Opern genutzt. In der Krypta kann man sich trauen lassen. Der Verein «Aktion Limburg», der sich um den Erhalt der Anlage kümmert, bietet Führungen für Gruppen an. «Da ist natürlich auch der Advent ein Stichwort», sagt der Vorsitzende Rolf Jochum. Eine Hinweistafel gibt es derzeit nicht - wegen eines Brandes in der Klosterschänke ist der Dokumentationsbereich ausgeräumt. Aber wenn das Restaurant wieder eröffnet wird, soll es Führungen zum Advent geben, die mit einem Essen verbunden sind. |dpa

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