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Zeitgeschehen

Rosenmontagszüge: Volle Breitseite gegen Berliner Politik

Von Yuriko Wahl-Immel

In Mainz hat Frankreichs Präsident Macron einen Auftritt als Napoleon.

In Mainz hat Frankreichs Präsident Macron einen Auftritt als Napoleon. ( Foto: REUTERS)

In Düsseldorf dreht sich SPD-Chef Schulz durch den Fleischwolf.

In Düsseldorf dreht sich SPD-Chef Schulz durch den Fleischwolf. ( Foto: REUTERS)

Die großen Umzüge nehmen Schulz und Merkel aufs Korn – Kutschunfall mit Verletzten in Köln

«Mainz/Köln/Düsseldorf.» Die Bundesrepublik steht vor einer „Großen Kollision“ und wird auch im Jahr 2111 noch mit Angela Merkel zu tun haben. Solche Szenarien entstammen allerdings nur einigen närrischen Fantasien. Zu sehen bei den großen Rosenmontagszügen.

Als wäre es nicht schon heftig genug – jetzt schlagen auch noch die Narren aus den Karnevalshochburgen zu. Bei den Rosenmontagszügen in Köln, Düsseldorf und Mainz vor jeweils mehreren Hunderttausend Zuschauern werden Angela Merkel, der Nur-Noch-Ganz-Kurz-SPD-Chef Martin Schulz, die Groko-Quälerei und die Selbstdemontage der Sozialdemokraten verspottet. Nach den tollen Tagen im politischen Berlin kommt das jecke Echo aus dem Rheinland.

Merkel tanzt zu "Staying Alive"

Von Schulz bleibt nicht viel übrig – in Düsseldorf dreht der einstige SPD-Superstar sich selbst als Pappkamerad mit letzter Kraft durch den Fleischwolf. Und Merkel? Da sind sich die Wagenbauer einig – die Bundeskanzlerin schafft sie alle.

Die Kölner lassen Merkel im engen roten Blazer als Discoqueen auftreten – ihre Melodie: „Staying Alive“ („Am Leben bleiben“). Noch bevor ein CDU-Parteitag und die SPD-Mitglieder demnächst im realen Leben entscheiden, sind die Karnevalisten sicher: Deutschland steht wieder vor einer „Großen Kollision“ – äh: großen Koalition. Dabei schaukeln Merkel und Schulz frontal aufeinander zu. Dass Schulz gar nicht mehr mitschaukeln darf, ahnten die Wagenbauer nicht. Sein Absturz kam zu schnell.

Schulz als Rohrkrepierer

Rund 200 Kilometer entfernt blickt der Mainzer Carneval-Verein schon in die Zukunft. Ins Jahr 2111. Deutschland wird von einem „lebenden Fossil“ regiert, einer moosgrünen Uraltschildkröte – die „Merkel-Raute“ verrät sie. Und auf einem anderem Wagen streift sich die CDU-Regierungschefin mal wieder den alten Groko-Frack über. Auch in Mainz bleibt Schulz nicht verschont: Ein Persiflagewagen sieht ihn als Rohrkrepierer.

Die Motive in Düsseldorf des Wagenbauers Jacques Tilly gelten als besonders provokant. SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles, die die Sozialdemokraten bald auch als Parteichefin retten soll, dürfte ihr satirisches Konterfei nicht charmant finden: Breiter als hoch, in roten Boxhandschuhen kommt sie daher – die Narren orakeln: „Genossen, das ENDE ist NAHles!“. FDP-Chef Christian Lindner flieht vor Regierungsverantwortung – „von tollen Posen zu vollen Hosen“, reimt das Tilly-Team.

Der "Brexit", eine Missgeburt

In den Zügen wird zudem Dampf abgelassen gegen den „Dieselsumpf“. Die #MeToo-Debatte ist ebenfalls Thema – etwa in Köln, dort aber sehr brav: Zwei Männer im Schweinekostüm hecheln einer Frau hinterher. Comedian Guido Cantz, WDR-Zugkommentator, formuliert da deutlich frecher: „Nicht jeder, der mit dem Schwanz wedelt, ist ein Regisseur.“

Auch die Mächtigen fernab der Narren-Hauptstädte sind zum Höhepunkt des Straßenkarnevals nicht sicher vor Häme: Ein nackter US-Präsident Donald Trump wird von einem russischen Bären namens „Russlands Affäre“ plattgemacht. Die britische Premierministerin Theresa May bringt die Missgeburt „Brexit“ zur Welt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist als Napoleon zu sehen. Und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un stemmt – mit leicht debilem Lächeln – eine Atomrakete in die Höhe.

Pferde durchgegangen

In Köln wurde der Zug von einem Unglück überschattet: Dort gingen die Pferde einer Kutsche durch. Der Kutschführer, drei weitere Personen aus der Kutsche und eine Zuschauerin wurden nach Polizeiangaben „leicht bis mittelschwer“ verletzt. Alle fünf kamen ins Krankenhaus. |dpa

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