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Wirtschaft

BASF-Hauptversammlung: Hambrechts Hexeneinmaleins

Von Jürgen Eustachi

Martin Brudermüller (links) arbeitete zwölf Jahre lang im BASF-Vorstand mit Konzernchef Kurt Bock zusammen. Heute übernimmt der Chemiker Brudermüller den Posten des Vorstandsvorsitzenden vom Betriebswirt Bock.

Martin Brudermüller (links) arbeitete zwölf Jahre lang im BASF-Vorstand mit Konzernchef Kurt Bock zusammen. Heute übernimmt der Chemiker Brudermüller den Posten des Vorstandsvorsitzenden vom Betriebswirt Bock. ( Foto: BASF)

Jürgen Hambrecht

Jürgen Hambrecht (Foto: dpa)

Wenn am Freitag um 10 Uhr die Hauptversammlung der BASF im Mannheimer Rosengarten beginnt, dann läuft der Countdown für die Ablösung von Kurt Bock durch Martin Brudermüller als Vorstandsvorsitzender des Chemiekonzerns. Die Planung des Aufsichtsratschefs Jürgen Hambrecht für die Besetzung von Spitzenpositionen gleicht einer Zauberformel.

«Ludwigshafen». „Du musst verstehn! Aus Eins mach’ Zehn. Und Zwei lass gehn. Und Drei mach’ gleich. So bist Du reich.“ Die maßgeblich vom Aufsichtsrats-Chef der BASF betriebene personelle Entwicklung des Vorstands und des Aufsichtsrats erinnert gelegentlich an obigen Auszug aus dem Hexeneinmaleins in Goethes Faust I.

Um halbwegs zu verstehen, sollte man sich die Altersstruktur der beiden Führungsgremien ansehen. Und bedenken, dass die Anzahl der Vorstandsmitglieder immer wieder verändert wird. In den vergangenen Jahrzehnten zählte die oberste Führungsebene bis zu 13 Köpfe. Seit 1999 hatte der Vorstand meistens acht Mitglieder. Zu Beginn der heutigen Hauptversammlung sind es ebenfalls acht. Mit Ablauf der Veranstaltung sind es dann nur noch sieben. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Kurt Bock (59), der das Unternehmen sieben Jahre lang führte, scheidet aus. Seinen Posten übernimmt der bisherige Stellvertreter Martin Brudermüller (56).

Keine offizielle Begründung für offene Planstelle im Vorstand

 

Aber Bocks „Planstelle“ im Vorstand wird vorerst nicht wieder besetzt. Eine offizielle Begründung dafür gibt es nicht. Doch ein naheliegender Grund könnte die geplante Fusion des in der Kasseler BASF-Tochter Wintershall AG konzentrierten Öl- und Gasgeschäfts mit dem bisherigen Konkurrenten Dea Deutsche Erdöl AG, Hamburg, und der anschließende Börsengang des neuen Unternehmens sein. Durch die bereits vollzogene Trennung vom Erdgas-Handelsgeschäft und die geplante Ausgliederung der Öl- und Gasförderung wird ein ganzes Geschäftssegment mit einer Umsatzgrößenordnung von 15 Milliarden Euro aus dem BASF-Konzern herausgelöst. Grund genug, den Vorstand zu verkleinern.

Der Nächste, der planmäßig aus dem Vorstand ausscheiden wird, ist voraussichtlich der Chef des Nordamerika-Geschäfts, der US-Amerikaner Wayne T. Smith. Sein Vertrag läuft bis zum Frühjahr 2020. Dann wird er 60 Jahre alt sein.

Von Vertragslaufzeiten und "Abkühlungsphasen"

 

Der Aufsichtsrat unter Leitung des früheren BASF-Chefs Jürgen Hambrecht (71) hat Brudermüller und den neuen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden, Finanzchef Hans-Ulrich Engel (59), mit Fünfjahresverträgen ausgestattet, die ab Freitag bis zur Hauptversammlung im Jahr 2023 laufen. Doch es ist nahezu ausgeschlossen, dass beide Spitzenleute im Vorstand – der Vorsitzende und sein Stellvertreter, der gleichzeitig den wichtigen Posten des Finanzchefs hat – gleichzeitig ausgetauscht werden. Beim Aktionärstreffen in fünf Jahren wird Brudermüller, der am Samstag Geburtstag hat, gerade noch 61 oder gerade schon 62 Jahre alt sein. Sein Vertrag wird dann wahrscheinlich um zwei oder drei Jahre verlängert. Denn fünf Jahre wären eine ungewöhnlich kurze Amtszeit für einen BASF-Chef.

Wird die gleiche Vorgehensweise wie bei Kurt Bock gewählt, dann wird Brudermüller einen weiteren Fünfjahresvertrag bekommen. Den wird er dann aber nicht voll erfüllen, sondern den Vorstandsvorsitz nach zwei oder drei Jahren vorzeitig abgeben und in die gesetzlich vorgeschriebene mindestens zweijährige „Abkühlungsphase“ gehen, um anschließend den Aufsichtsratsvorsitz von Bock zu übernehmen.

Verträge verlängern, aber nicht erfüllen

 

Kurt Bocks sieben Jahre an der Konzernspitze waren schon ungewöhnlich kurz. Hambrecht war acht Jahre lang Vorstandsvorsitzender, und dessen Vorgänger Jürgen Strube (78) führte den Konzern 13 Jahre lang. Jetzt kommt Hambrechts Hexeneinmaleins ins Spiel. Dass Bock im Alter von 59 Jahren sein Amt abgibt, obwohl sein Vertrag ab 2016 bis zum Frühjahr 2021 verlängert worden war, hat einen Hauptgrund: das Alter von Jürgen Hambrecht.

Dessen Mandat läuft noch bis zum Frühjahr 2019. Er wird dann 72 sein. Und nach einer goldenen Regel der BASF sollen Aufsichtsratsmitglieder ab einem Alter von 70 Jahren nicht mehr für einen Sitz in dem Gremium kandidieren. Hambrecht wird sich nächstes Jahr aber erneut in den Aufsichtsrat wählen lassen und damit der erste sein, der gegen die goldene Altersregel der BASF verstößt. Er wird den Posten des Aufsichtsratschefs im Frühjahr 2020 an Bock übergeben. Damit Hambrechts Regelverstoß auf ein Jahr begrenzt und damit nicht allzu groß wird, muss Bock jetzt den Vorstandsvorsitz abgeben und seine gesetzliche zweijährige Abkühlungsphase antreten. Wenn bei der BASF Vorstandsverträge um fünf Jahre verlängert werden, heißt das also nicht unbedingt, dass diese Verträge auch erfüllt werden. Nicht nur Bock hört vorzeitig auf. Auch der Vertrag des früheren Vorstandsmitglieds Harald Schwager (57) war von Hambrecht ab 2016 um fünf Jahre verlängert. Aus den scheinbaren fünf Jahren wurde aber nur ein Jahr.

Platz geräumt für jungen Hoffnungsträger

 

Aus Fünf mach Eins. „Und Zehn ist keins. Das ist das Hexeneinmaleins.“ Schwager musste den Platz räumen, damit der junge Hoffnungsträger und frühere Chef des BASF-Unternehmensbereichs Coatings (Lacke, Farben und Beschichtungen), Markus Kamieth (47), in den Vorstand aufrücken konnte. „Und Zwei lass gehn.“ Das Vorgehen in den Fällen Schwager und Bock erinnert stark an die Hexenküche in Faust I. 

 

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