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Politik

Ein Leuchten gegen den Hass

Hintergrund: Beginn des jüdischen Chanukka-Festes in Berlin

Von Astrid Dornbrach

Vor ein paar Tagen brannte an der Stelle noch die israelische Fahne, wurden Rufe laut: „Tötet die Juden“ oder „Kindermörder“. Gestern jedoch war der Platz vor dem Brandenburger Tor, an der US-Botschaft, ein Ort des Friedens und der Freude.

Fernab hasserfüllter Demonstrationen und ohne Störungen weihte Rabbiner Yehuda Teichtal, der Vorsitzende des Chabad Jüdischen Bildungszentrums in Berlin und Gemeinderabbiner der Jüdischen Gemeinde der Hauptstadt, die Chanukkia ein, leuchtendes Symbol des jüdischen Fests des Lichts. Eine weitere Demonstration palästinensischer Gegner Israels am gleichen Tag und Ort war verboten worden und wurde an den Berliner Hauptbahnhof verlegt.

Teichtal zeigte angesichts der Drohungen Gottvertrauen: Ohne jede Absperrung, ohne sichtbaren Schutz durch Sicherheitskräfte, fuhr der Rabbiner mit dem Kran nach oben und segnete den zehn Meter hohen Leuchter mit einem Psalm König Davids.

Mit dem Anzünden der Chanukkia begannen die achttägigen Feierlichkeiten von Chanukka, auch „Fest der Einweihung“ genannt. Rund 11.000 Mitglieder umfasst die jüdische Gemeinde der Hauptstadt

Gegen Antisemitismus, Rassismus und Gewalt fand Teichtal klare Worte: „Ausgrenzung und Hass haben hier in Deutschland keinen Platz. Wir sind alle ein Teil der Gesellschaft und sollten uns als solchen begreifen und einander mit Respekt begegnen.“ Wichtig sei es, diese Botschaft von einer der „dunkelsten Stellen der deutschen Geschichte“ aus zu verbreiten. „Wo wir jetzt stehen, hingen einst die Hakenkreuz-Fahnen.“ Deshalb sei die Botschaft von Chanukka eine universelle: „Es ist der Sieg des Lichts über die Dunkelheit. Wir sind bereit, gemeinsam die Welt zu beleuchten.“ In der ursprünglichen Bedeutung siegte auch beim Ursprung des Fests das Licht buchstäblich über die Dunkelheit: Es erinnert an den Aufstand der Makkabäer gegen die syrische Herrschaft im 2. Jahrhundert vor Christus und die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem. Eine Überlieferung besagt, dass der Leuchter im Tempel nicht erlöschen durfte. Doch in ihrem Heiligtum fanden die Juden nur noch einen Krug geweihtes Öl vor. Wundersamerweise ließ dies den Leuchter acht Tage brennen

Rabbiner Teichtal steht dem Austausch mit anderen Religionen positiv und offen gegenüber, wie er sagt: „Ich begrüße den interreligiösen Dialog und glaube an seine Wirkung.“

Am ersten Erleuchten der Chanukkia nahmen unter anderem der Berliner Bürgermeister Michael Müller und Justizminister Heiko Maas sowie der neue israelische Botschafter, Jeremy Issacharoff, teil.

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