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Südwest

Überhaupt kein Elfenbeinturm

Das „Deutsche Hasenmuseum“ in Eppelheim ist europaweit das einzige seiner Art – Über 3500 Exponate gesammelt

Von Anna Warczok

 

„Ohne Sammeln kann man nicht leben“, findet Museumsstifter Josef Walch, der hier an dem – nach seinen Angaben wohl weltweit einzigen – „Hasen-Schach“ steht. (Fotos: KUNZ)

Eppelheimer Wahrzeichen: der Wasserturm. ( Fotos: KUNZ)

EPPELHEIM. Seit über 100 Jahren gilt der Eppelheimer Wasserturm als das prägende Wahrzeichen der Stadt im Rhein-Neckar-Kreis. Seit einigen Jahren zieht das Gebäude nun jedoch auch Besucher an, die sich in erster Linie nicht für seine imposante Höhe von fast 50 Metern interessieren: In seinem Innern beherbergt der Turm ein Museum, das in ganz Europa einmalig ist – das „Deutsche Hasenmuseum“.

 

Rund 600 Exponate rund um das hoppelnde Leitmotiv drängen sich im Erdgeschoss auf engem Raum: Ein altes Werbeschild des Augsburger Bierherstellers „Hasen Bräu“ hängt an den Wänden, daneben alte Werbeplakate, auf denen der Hase die Hauptrolle spielt. Andere Wände schmücken Hasen-Aquarelle, und über dem Eingang hängt das Bild eines der weltweit bekanntesten Vertreter des lupus europaeus: eine Reproduktion von Albrecht Dürers Feldhasen.

„Das Gemälde habe ich zweimal im Original gesehen“, erzählt Josef Walch, Stifter des Museums, Hasen-Experte und Sammler aus Leidenschaft. In der Ausstellung ist nichts beschriftet. „Das funktioniert hier alles über Erzählungen“, sagt Walch. Seit 15 Jahren sammelt der emeritierte Kunstprofessor, der bis 2012 an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle tätig war, alles, was auch nur im Entferntesten an das Tier erinnert. Über 3500 Objekte sind es mittlerweile, sie stammen aus vielen Teilen der Welt.

In fast allen Kulturen, erklärt Walch, spiele der Hase eine wichtige Rolle, sei es als Glücksbringer, Symbol der Fruchtbarkeit, oder als Gottheit, wie es im Alten Ägypten der Fall war. Das ostasiatische Horoskop kennt das Tier als eigenes Sternzeichen. Im Jahr des Hasen, erzählt Walch, sei er einmal nach China gereist. „Ich brauchte damals eine riesengroße Reisetasche, um alles transportieren zu können, was ich dort zum Thema fand“, erinnert er sich.

Doch Walch sammelt Hasenobjekte nicht nur, weil es so viele davon gibt; seine Faszination hat auch einen eher persönlichen Grund: Er ist Bewunderer des Aktionskünstlers Joseph Beuys, den er auch persönlich kannte. „Für Beuys war der Hase ein Lichtbringer, ein Friedenssymbol“, sagt Walch über die Beziehung des Künstlers zu dem Tier, das eine Hauptrolle in dessen Aktion „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ von 1965 spielte.

Seit 2009 ist das Hasenmuseum im Wasserturm untergebracht. Seitdem steht dort Kitsch neben Kunst: Wertvolle Rosenthal-Porzellanhasen und Steiff-Handpuppen aus Plüsch sind ebenso vertreten wie eine Kollektion von Playmobil-Häschenfiguren oder ein PEZ-Süßwarenspender mit Bugs-Bunny-Kopf. Walch, der selbst in Schwetzingen wohnt, entschied, seine Sammlung der Stadt Eppelheim zu schenken, weil deren Bewohner geschichtlich betrachtet in besonderer Weise mit dem Tier verbunden sind: Seit dem 19. Jahrhundert tragen die Eppelheimer in der Region den Spitznamen „Stallhasen“. Viele Einheimische hielten die Tiere früher in ihren Gärten.

Die Sammlung des Museums vergrößert sich – vor allem dank Walch – ständig. Bei Internetauktionen oder durch Zufall erbeutet der Kunstprofessor oft Neues. Er bekomme aber auch viel geschenkt. „Mittlerweile sage ich den Leuten immer, dass sie mir bloß keine Hasen zum Geburtstag schenken sollen“, erklärt er schmunzelnd. „Außer, es handelt sich um etwas Außergewöhnliches.“

Aus dem Bestand des ehemals einzigen Konkurrenten des Hasenmuseums, seinem Pendant im schweizerischen Bubikon, erstand Walch rund 500 Objekte. „Ich konnte so ein paar Lücken in der Sammlung schließen“. Das Schweizer Museum machte 2014 seine Türen dicht. Ein solches Schicksal droht dem Eppelheimer Museum derzeit bei Weitem nicht. Die Verantwortlichen haben ganz andere Probleme. „Der Wasserturm ist zwar schön, aber viel zu klein“, bemängelt Verena Fabrizi vom städtischen Kulturamt, das für das Hasenmuseum zuständig ist. „Wir suchen dringend neue Räume, aber das ist nicht so einfach.“

Die kuriose Sammlung zieht laut Fabrizi viele Besucher an. Manche haben einen ganz persönlichen Bezug zum Thema: „Ein Mann hat seiner Ehefrau einmal zum Geburtstag einen Besuch im Hasenmuseum geschenkt, weil er sie immer Hasi nannte“, erzählt Fabrizi. Und: „Es kamen auch schon Leute, die mit Nachnamen Hase hießen.“

Mittlerweile ist der Hase in Eppelheim nicht nur im Museum anzutreffen. Im Café neben dem Museum zwinkert den Gast ein Hasengesicht auf dem Cappuccino-Milchschaum an. Und an Ostermontag, erzählt Fabrizi, bringt der Osterhase in Eppelheim keine Eier, sondern versteckt überall in der Stadt goldfarbene „Hasentaler“, eine „Währung“ im Wert von einem Euro, mit der man in Eppelheim in teilnehmenden Geschäften bezahlen kann.

 

Info

—Das Museum ist geöffnet am ersten Freitag im Monat von 14 bis 17 Uhr. Für Gruppen ab sechs Personen auch nach Absprache. Der Eintritt ist frei.

—Am Ostermontag ist das Hasenmuseum von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

—Internet: www.eppelheim.de (Rubriken „Leben in Eppelheim“, „Kultur“).