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Samstag, 26. Januar 2019 Drucken

Kindernachrichten

Mit ausgemusterten Dingen anderen helfen

Von Brigitte Schmalenberg

In der Kleiderkammer werden die Sachen sorgfältig sortiert: Hier ist eine Box mit Kindermützen. (Foto: Schmalenberg)

Die Lichtblick-Helfer dekorieren den Haushaltswarenladen. (Foto: Schmalenberg)

Schränke und Stühle, Tische und Betten: All das gibt es im Möbellager. (Foto: Schmalenberg)

Nils Nager unterwegs: Gebrauchte Kleidung und ausgediente Möbel hält der Neustadter Verein Lichtblick für Bedürftige bereit

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Bevor sich der Frühling in der Natur bemerkbar macht, fegt schon ein frischer Wind durch unseren Biberbau. Vor allem Mama Nagute und Papa Nagbert werden erstaunlich aktiv, durchforsten die Kleiderschränke nach Klamotten, die nicht mehr passen, die Garage und den Dachboden nach Gegenständen, die niemand mehr nutzt, und unsere Biberkinderbuden nach Spielzeug, für das wir zu alt geworden sind.

Dieses Mal war die Aufräumaktion besonders gründlich, denn Papa Nagbert hat damit eine ganz spezielle Idee verbunden. „Es ist doch schade, wenn die Dinge bei uns nur im Weg sind, von anderen Leuten aber dringend gebraucht werden“, erklärt er uns und weiht uns in seinen Plan ein: „Es gibt nämlich viele Menschen, die nicht so gemütlich wohnen wie wir und sich über den Schrank, die Matratze, den Radio, das Geschirr und die Töpfe, das Fahrrad und die warme Kleidung freuen“, zeigt er auf all die Gegenstände, die wir beim Stöbern zusammengetragen haben. „Kennst du denn jemanden, der genau das braucht?“, frage ich ein bisschen verwundert. „Na ja“, sagt Papa Nagbert, „für eine einzelne Person ist dieses Sammelsurium vielleicht nicht so sinnvoll. Aber in Neustadt gibt es eine soziale Einrichtung, die sich um viele Menschen in Not kümmert und gerne Spenden entgegennimmt. Sie hat den schönen Namen Lichtblick. Vergangene Woche habe ich zufällig ihren Leiter, Hans Eber-Huber getroffen, der mir von seiner Arbeit erzählt hat. Das hat mich so beeindruckt, dass ich ihm versprochen habe, auch einen Beitrag zu leisten. Und deshalb dürft ihr jetzt mitkommen, wenn wir unsere Sachen dort abgeben.“ „Warte mal“, rufe ich spontan und hole noch meine zu klein gewordenen Inlineskates unter meinem Bett hervor, denn darüber freut sich bestimmt ein anderes Kind.

Dann sind wir auch schon auf dem Weg in die Amalienstraße 3 in Neustadt, wo die Tagesbegegnungsstätte Lichtblick ihren Hauptsitz hat. Das riesige Haus ist ziemlich verschachtelt gebaut. Der Eingang befindet sich unscheinbar in einem schmalen Gang. Dort treffen wir uns mit Hans Eber-Huber, der uns herzlich begrüßt. „Hmmm, hier duftet es aber gut!“, erschnüffelt Nessy gleich den Pfannkuchenduft mit ihrer Bibernase. „Ja, da wird schon das Mittagessen vorbereitet“, pflichtet ihr der Lichtblickchef bei und erklärt, dass hier jeden Tag viele alleinstehende Menschen ohne Einkommen satt werden. „Manche haben nicht mal eine eigene Wohnung. Die können dann dieses Haus als ihre persönliche Postadresse nutzen“, sagt der Sozialarbeiter. „Ach, deshalb stehen da so wahnsinnig viele Namen neben der Klingel“, geht mir ein Licht auf. „Verteilen wir an all diese Leute jetzt unsere Sachen?“, will Nals voller Tatendrang wissen. Aber da lernen wir, dass all die Spenden nicht einfach verteilt, sondern in verschiedenen Einrichtungen, die wie Geschäfte funktionieren, für einen Minipreis zum Verkauf angeboten werden. So können die Bedürftigen als Kunden selbst auswählen, was sie brauchen und was ihnen gefällt. „Kommt mit“, lädt uns Hans Eber-Huber ein und führt uns eine Treppe hinauf ins obere Stockwerk.

Hier ist die „Kleiderkammer“, wie wir sofort erkennen. Wir staunen über die vielen Zimmer mit den sorgfältig sortierten Waren. Mehrere Lichtblick-Mitarbeiter kümmern sich hier um die Kleiderspenden, verteilen sie in die Regale und bedienen die Kunden, die ihre neuen Lieblingsteile in einer Umkleidekabine probieren können. Auch unsere Kiste mit den warmen Wintermänteln und Decken nehmen sie dankbar entgegen. Der Schrank und die Matratze, die wir noch auf dem Hänger haben, werden im Möbellager im hintersten Teil des Lichtblick-Hauses ausgeladen. Sie kommen in die Ausstellungshalle, wo sich gerade einige Männer und eine Frau nach einem neuen Küchenschrank und Stühlen umschauen.

„Ich bin mir sicher, dass euere Sachen binnen einer Woche einen neuen Besitzer haben“, sagt der Mitarbeiter dankbar. „Wohin aber mit Oma Nagutes Geschirr und den Töpfen?“, überlegt Nessy, während sie den Blick über die Sofas und Schränke gleiten lässt. „Für Haushaltswaren haben wir letztes Jahr ein ganz eigenes Geschäft eingerichtet“, berichtet der Lichtblick-Leiter stolz. So marschieren wir 100 Meter die Straße entlang zu einem hübschen Laden mit großem, liebevoll dekoriertem Schaufenster. Hier findet man wirklich alles, was man braucht: Kaffeemaschinen und Toaster, Teller, Tassen und Gläser, Lampen, Blumenvasen und Kerzenständer, Tischdecken, Gemälde und auch ein paar Spielsachen. Sogar Mama Naglinde und Papa Nagbert staunen über die vielen schönen Sachen, die alle von ihren bisherigen Besitzern nicht mehr gebraucht werden. „Vieles kommt von Haushaltsauflösungen, wenn alte Menschen ins Seniorenheim ziehen oder sterben. Die Erben haben ja selbst voll bestückte Haushalte und sind froh, wenn wir die Dinge dann abholen und an Bedürftige vermitteln“, erklärt uns Herr Eber-Huber.

Manche „Erbstücke“, vor allem Fahrräder müssen allerdings auch wieder auf Vordermann gebracht werden. Dafür gibt es im Lichtblick ein Extra-Team. Wie in der Kleiderkammer, dem Möbellager und dem Hausratladen arbeiten auch für den Zweirad-Laden angestellte Sozialarbeiter, ehrenamtliche Helfer und die Bedürftigen selbst Hand in Hand, damit die wieder flott gemachten Drahtesel zu wertvollen Alltagsbegleitern für mittellose Menschen werden.