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Freitag, 20. April 2018

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Weihnachtsrätsel: Opfer und Heldinnen

In unserem literarischen Weihnachtsrätsel geht es in diesem Jahr um berühmte Frauengestalten der Weltliteratur

Von Frank Pommer

Die großen Frauenfiguren der Literatur suchen wir in diesem literarischen Rätsel. Erfunden, erdacht, erdichtet von Männern. Vielleicht werden sie deshalb so häufig als Opferfiguren geschildert. Jedoch nicht immer. Es gibt auch ironisch-humoristische Texte. Und wundervolle, warme Frauen-Porträts. Literarische Denkmäler für die Ewigkeit. Lassen Sie uns auf Spurensuche gehen. Es geht, so viel sei verraten, um nichts weniger als Weltliteratur.

Einer der großen französischen Romane des 19. Jahrhunderts. 1856 in einer zensierten Version erstmals veröffentlicht. Ein Sittenbild, das sich um ein heikles, ein heißes Thema dreht: den Ehebruch der Hauptfigur. Verheiratet mit einem eher langweiligen Landarzt, sucht diese Trost in fremden Armen und Betten. Ablenkung durch Sex, aber auch durch Luxus. Immer mehr verschuldet sie sich, hält ihren Lebenswandel aber vor ihrem Mann geheim. Bis die Bombe platzt, die Gläubiger ihr Geld zurückfordern. Letzter Ausweg Giftschrank. Die Heldin stirbt an einer Arsen-Vergiftung. Ein fürchterlicher Tod nach langem Kampf. Auch wenn der gesuchte Autor sich immer dagegen gewehrt hat, dem Realismus zugeordnet zu werden, sein Roman ist ein brillantes Beispiel für diese Literaturepoche. Dies nicht nur wegen der unfassbar detaillierten und genauen Erzählweise, sondern noch viel mehr wegen seiner Erzählhaltung. Er macht sich als Autor gleichsam unsichtbar. Wir realisieren das Geschehen nicht als erzählte Fiktion, sondern als eine Art Dokumentation. Mit tragischem Ausgang.Wie heißt der Autor? Von seinem Vornamen brauchen wir den ersten (11), von seinem Nachnamen den zweiten Buchstaben (20). Vom ersten Wort des Titels suchen wir den ersten Buchstaben (8).

Ehebruch aus Langeweile

Und nun das deutschsprachige Pendant zu unserem ersten gesuchten Buch. Ein Gesellschaftsroman, in den 1890er Jahren erstmals erschienen. Das Thema ist das gleiche: Ehebruch. Aus Langeweile. Daraus resultierend die Katastrophe. Weniger dramatisch, aber immer noch ausweglos.Die Szenarien sind ähnlich, die viel zu jung mit einem deutlich älteren Mann verheiratete Titelheldin zieht aufs Land, wo sie so ziemlich sich selbst überlassen ist. Während ihr Mann an seiner Karriere arbeitet, langweilt sie sich zu Tode. Das ändert sich, als ein schneidiger Offizier auftaucht, mit dem ihr Mann einst zusammen beim preußischen Militär gedient hat. Er macht ihr ganz unverhohlen den Hof, sie widersteht zunächst, erliegt schließlich seinem Charme. Jahre später, die Eheleute leben mittlerweile in der Stadt, und unsere Heldin ist regelrecht aufgeblüht, entdeckt ihr Mann die Briefe ihres Liebhabers. Er fordert diesen zum Duell, tötet ihn, lässt sich scheiden und unterzeichnet damit auch das Todesurteil seiner Frau.Der gesuchte Autor sieht seine Heldin viel mehr als Opfer denn als Ehebrecherin. Wie heißt der Autor? Vom Vornamen brauchen wir den zweiten (3), vom Nachnamen den vierten Buchstaben (10). Vom zweiten Wort des Titels suchen wir den letzten Buchstaben (23).

Die russische Variante

Und noch eine weitere Variation über das Thema Ehebruch, dieses Mal in russischer Sprache. Keine Frage, Weltliteratur auch in diesem Fall, ebenso wie die vorangegangenen Bücher mehrfach verfilmt. Die Männer des 19. Jahrhunderts müssen ziemlich verunsichert gewesen sein, wenn sie das Thema Ehebruch dermaßen umgetrieben hat. Die Frauen wiederum allesamt in unglücklichen Beziehungen gelebt haben. Die Ehe als Gefängnis, aus dem auch die gesuchte Heldin dieses Buches ausbricht, indem sie sich in die Arme eines Grafen flüchtet.Wir lernen viel über gesellschaftliche Normen und Werte in der Gesellschaft des zaristischen Russlands. Lernen viel über einen unseligen Ehrbegriff der Männer. Und wir müssen wieder einmal den Untergang der Heldin beobachten, die zunächst in Wahnvorstellungen verfällt und schließlich Selbstmord begeht.Wie heißt der Autor dieses auch im Umfang wahrhaft gewaltigen Werkes? Vom Nachnamen brauchen wir den vierten (1) und letzten (9), vom zweiten Wort des Titels den ersten Buchstaben (6).

Raus aus der Opferrolle

Nun aber heraus aus dem bürgerlichen 19. Jahrhundert, heraus auch mit der Heldin aus der Opferrolle. Das nächste Buch, vergangenes Jahr auf Deutsch erschienen, gehört zu den wundervollsten Frauen-Porträts der zeitgenössischen Literatur. Geschrieben voller Wärme, Sympathie, ja Zuneigung für die Titelfigur, die es in den 1970er Jahren schwer hat in einer erzkonservativen irischen Gesellschaft. Ihren Mann hat sie viel zu früh verloren, zwei fast erwachsene Töchter sind, wie man so schön sagt, aus dem Gröbsten heraus. Doch ihre Söhne brauchen sie.Und für diese lernt sie, wie eine Löwin zu kämpfen. Und sie findet zu sich selbst, lernt, sich aus den Zwängen einer Gesellschaft zu befreien, für die es unmöglich scheint, dass eine Frau in der Lage sein soll, ihr Leben alleine, ohne einen starken Mann an ihrer Seite, zu meistern. Unsere Heldin beweist das Gegenteil. Mit dieser Figur gelingt dem gesuchten Autor zugleich auch ein wunderschönes Porträt der eigenen Mutter. Wie heißt der Autor? Wir suchen den ersten Buchstaben des Vornamens (2), den letzten des Nachnamens (5). Vom Nachnamen seiner Heldin brauchen wir den zweiten Buchstaben (4).

Gigant des deutschen Romans

Und wieder so ein Großschriftsteller. Ein Gigant des deutschen Romans. Bewunderer von Wagner war er wie von Nietzsche. Nobelpreisträger sowieso. Und Goethe-Verehrer. Böswillig könnte man sagen, er sah in sich so etwas wie die Wiedergeburt des deutschen Dichterfürsten schlechthin. Vielleicht lässt er ihn deshalb auch in diesem Roman auftreten. Mehr als das. Der gealterte Weimarer Geheimrat begegnet hier seiner großen Jugendliebe wieder, die ihn einst zu einem Sensationserfolg verholfen hat.Goethe kommt nicht so wirklich gut weg in dem Buch. Kühl wirkt er, berechnend. Immer darauf bedacht, im rechten Lichte zu strahlen. Die Frau jedoch, die ihn einst wohl auch geliebt hatte, zeigt die Größe, die man sich von dem Großmeister der deutschen Literatur gewünscht hätte. Sie akzeptiert ihre gemeinsame Vergangenheit als Teil ihres Lebens. Als wertvolle Erinnerung, die immer einen Platz in ihrem Herzen haben wird.Vom Vornamen des gesuchten Autors brauchen wir den ersten (15) und zweiten Buchstaben (17), vom ersten Wort des Buchtitels den zweiten Buchstaben (16).

Die Kindsmörderin

Nun verlassen wir erst einmal die Ebene des Erzählerischen und wenden uns der Theaterbühne zu. Gesucht wird ein Schauspiel, das 1903 in Berlin uraufgeführt wurde. Ein sperriges, weil durchgängig in schlesischem Dialekt gehaltenes Stück. Durchaus nicht leicht zu lesen. Der gesuchte Autor ist auch in diesem Werk Anwalt des kleinen Mannes. Also eigentlich der kleinen Frau. Hatte das Schicksal seiner Hauptfigur, deren Namen wir auch suchen, sprichwörtlich vor Augen.Die Kindsmörderin. Ein beliebtes Motiv in der Literatur. Und ein beklagenswertes Schicksal in einer Gesellschaft, in der sich die Reichen alles erlauben können, die Armen aber mit Leib und Seele dafür bezahlen müssen, dass sie eine ungerechte Weltordnung dorthin gestellt hat, wo sie ihr Leben fristen müssen. Ganz unten. Freiwild, vor allem die Mädchen und jungen Frauen für die Offiziere und schneidigen reichen Grundbesitzer. Auch unsere Heldin wird so zum Opfer. Und am Ende zur Täterin. Zur Mörderin an einem Kind, das sie nicht hätte empfangen dürfen und dessen schiere Existenz ihr Leben in existenzielle Verzweiflung verwandelt. Keine Hoffnung, kein Ausweg. Keine Erlösung.Der gesuchte Autor ist ein Meister des Naturalismus. Seine Stücke sind Milieuschilderungen. Quasi Reportagen oder Dokumentationen, für die unser Autor ebenfalls mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Es ist fast schon schmerzlich, wie er die Ausweglosigkeit, die Verzweiflung seiner für unser Rätsel gesuchten Heldin bis ins kleinste psychologische Detail ausleuchtet. Das macht das Stück, das so gestrig wirkt, so zeitlos modern.Wie heißt der gesuchte Autor? Von seinem Vornamen suchen wir den zweiten (7), von seinem Nachnamen den vorletzten Buchstaben (18). Vom Vornamen seiner unglückseligen Heldin, deren Namen dem Stück auch den Titel leiht, suchen wir den dritten Buchstaben (14).

Es wird drastischer

Wir kommen noch mal nach Frankreich zurück. Der Realismus hat mittlerweile die nächste Stufe gestartet und ist zum Naturalismus mutiert. Das hat auch inhaltliche Konsequenzen. Es wird drastischer, direkter. Es geht auch nicht mehr nur um den Ehebruch der bürgerlichen Ehefrau. Unser gesuchter Autor wirft einen ziemlich ungeschönten Blick auf die Pariser Gesellschaft im Zweiten Kaiserreich.Es ist eine vergnügungssüchtige Gesellschaft. Sex in seiner käuflichsten Form ist eine Selbstverständlichkeit. Dirnen, Huren, Prostituierte sind die Heldinnen unseres Autors. Auch seine Titelfigur geht diesem Gewerbe nach. Und ist in ihrer vermeintlichen Gefallenheit moralisch all ihren dekadenten Kunden aus dem Bürgertum überlegen.Wie heißt der Autor? Von seinem Vornamen suchen wir den ersten (12) und dritten Buchstaben (21).

Es geht um das Soldatenglück

Zum Abschluss nochmals ein Theatertext. Eine bürgerliche Komödie mit gutem Ausgang. Gott sei Dank. Also eigentlich geht es viel um die Ehre in diesem Stück, und um das Soldatenglück. Um zwei Menschen, die füreinander geschaffen sind, aber nicht so wirklich zusammenkommen können. Er ist gerade unehrenhaft – und unschuldig – aus königlich-preußischem Dienst entlassen worden, sie hat gerade eine immense Erbschaft angetreten. Er, der Major, kann da natürlich sein Eheversprechen nicht halten. Ein Mann ist schließlich ein Mann. Und mittellos in eine Ehe zu gehen, widerspricht dem Ehrenkodex. Wenn die Braut so reich ist. Wie sähe das denn aus?Es braucht viel weibliche List, um das Ganze zu einem guten Ausgang zu bringen. Und auch Ehre und Unschuld der etwas störrisch-hitzigen männlichen Hauptfigur werden wieder hergestellt. Unsere Sympathien aber gelten der weiblichen Hauptfigur.Wie heißt diese, die dem Lustspiel auch den Titel gab? Von ihrem Vornamen brauchen wir den zweiten Buchstaben (13). Und vom Nachnamen des Autors suchen wir den zweiten (19) und dritten (22) Buchstaben.

Nun sollten alle Spuren zu unserem diesjährigen Lösungsspruch gelegt sein. Viel Spaß und vor allem viel Erfolg beim Rätseln!
Ihre RHEINPFALZ-Kulturredaktion

Die Preise: Lesestoff für Rätselfans

Teilnahmeschluss ist Freitag, 16. Januar 2018.

Zu gewinnen gibt es:

1. Preis: Ross King: "Florenz: Die Gemälde und Fresken. 1250-1743." Ein prachtvoller Bildband zur Kunst in einer der schönsten Städte der Welt.

2. Preis: Peter Bialobrzeski: "Die zweite Heimat." Eine Fotoreise durch Deutschland, die auch durch die Pfalz führt.

3. - 7. Preis: Robert Menasse: "Die Hauptstadt". Der Gewinner des diesjährigen Buchpreises erzählt quasi aus dem Inneren der EU-Bürokratie. Was wie eine bitterböse Satire auf Brüssel wirkt, ist letztlich aber ein flammendes Plädoyer für Europa.

8. - 12. Preis: Uwe Timm: "Ikarien". Deutschland im Jahr 1945. Ein amerikanischer Offizier soll versuchen, zu verstehen, wie die Nazi-Gräuel möglich waren. Er forscht nach Spuren, die Alfred Ploetz, der Erfinder der Eugenik, hinterlassen hat. Natürlich findet er auch die Liebe – zu einer jungen deutschen Frau. Und er entdeckt einen Geheimbund, die "Ikarier", der an eine bessere Welt glaubte.

13. - 20. Preis Michael Braun (Herausgeber): "Der Lyrik-Taschenkalender 2018". Mit Lyrik durch das Jahr. Jeden Tag ein neues Gedicht.