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Donnerstag, 06. Dezember 2018 Drucken

Kultur

Zum 70. von Westernhagen: Lass uns leben

Von Frank Pommer

Westernhagen Geburtstag

Wagte als Erster dreckigen Rock auf Deutsch: Marius (Müller-)Westernhagen. (Foto: dpa)

Um Gottes willen: Marius wird heute 70 Jahre alt. Das lässt Schlimmes vermuten bezüglich des eigenen Lebensalters.

Das letzte, was man von Marius Müller-Westernhagen, also von Westernhagen, oder eben nur von Marius, wie ihn die Fans noch immer nur nennen, hörte, war: Er gibt seine sieben Echos zurück, weil ihm der Streit um die antisemitischen Texte von Farid Bang und Kollegah, die mit ihren überproblematischen Songs ebenfalls zu Echo-Siegern gekürt werden sollten, gegen den Strich gingen. Der Echo-Preis ist längst Geschichte. Und Marius? Ein Stück weit auch.

Er war einmal der absolute Super-Star des deutschen Pop-Rock. In den 1990er Jahren füllte er die Fußballstadien dieser Republik. 100.000 Zuschauer waren möglich, weil man selbstredend den Rasen mit nutzte. Westernhagen war der deutsche Megastar. Lange vor der Erfindung von Helene Fischer. Und sein Song „Freiheit“, der zwar ganz anders gemeint war, wurde zu Recht zur inoffiziellen Hymne des wiedervereinten Deutschlands.

Westernhagen hat die Gosse salonfähig gemacht

Doch der mittlerweile AfD-kontaminierte Osten der Republik, der in dieser Zeit vielleicht das größte Marius-Fanpotenzial hatte, glaubt nicht mehr an die Euphorie der Wiedervereinigung. Und entfremdete sich immer mehr von einem Musiker, der doch genauso wie Herbert Grönemeyer oder Udo Lindenberg, mit dem er zeitweise in einer Hamburger WG gelebt hat, immer schon einer der Mahner für ein weltoffenes Deutschland war.

Westernhagen hat die Gosse salonfähig gemacht. „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ ist vielleicht der erste vollendete deutsche Rock-Song. Da mag Udo Lindenberg für sich beanspruchen, der Pionier zu sein, die Rose gebührt dann doch eher Westernhagen. Er war der Erste, der wirklich schmutzigen, also dreckigen Rock auf Deutsch wagte. Udo war der Wegbereiter, aber eher anschmeichelnd. Im super-coolen Moonwalk, bevor der noch überhaupt erfunden war. Aber der richtig böse Junge war Marius, dem man lange Jahre seinen Song „Ladykiller“ (wie natürlich auch „Sexy“) abgekauft hat: „Es gibt keine Frau hier, die ich nicht getröstet hab’“. Und zum Partybeschluss dröhnt dann noch „Dicke“ durch die Anlage. Und wenn nichts mehr geht, noch einen Whisky. „Johnny Walker“. Super, Marius!

Der Mann ist also 70. Mittlerweile. Das Idol lebt, auch wenn das Alter an ihm nicht vorbei geht.

Schließlich ist der von den Toten auferstandene Udo Lindenberg gerade wieder so etwas von angesagt. Oder eben der – natürlich jüngere – Herbert Grönemeyer. Der hat gerade ein neues Album vorgelegt. Besser als fast alles. Marius, also bitte, lass uns leben!

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