Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Donnerstag, 18. April 2019 Drucken

Kultur

Schlanke Nixen, dünne Handlung

Vor 30 Jahren tauchen die Baywatch-Helden auf dem Bildschirm auf

Von Michael Ossenkopp

Frauen in roten Badeanzügen und Lieutenant Mitch mit Fönwelle: David Hasselhoff mit Tracy Bingham (rechts) und Donna D’Errico (vorne) bei einem Fotoshooting zum Dreh einer Staffel im Jahr 2000.

Frauen in roten Badeanzügen und Lieutenant Mitch mit Fönwelle: David Hasselhoff mit Tracy Bingham (rechts) und Donna D’Errico (vorne) bei einem Fotoshooting zum Dreh einer Staffel im Jahr 2000. ( Foto: DPA)

Kaum eine TV-Serie hat die 1990er Jahre so geprägt wie Baywatch. Weltweit schwammen die Lebensretter aus Malibu auf einer riesigen Erfolgswelle. Ihren Premierenauftritt im US-Fernsehen feierten sie am 23. April 1989. Ein Remake der Strandsoap schaffte es 2017 sogar in die Kinos.

Mehr als eine Milliarde Menschen in 144 Ländern waren Woche für Woche dabei, wenn der föngewellte Lieutenant Mitch Buchannon und seine vollbusigen Assistentinnen ins Meer hüpften und todesmutig gegen mannshohe Wellen, Haie und Ganoven kämpften. Dabei war der große Erfolg der Serie zunächst überhaupt nicht absehbar. In Amerika floppte die erste Staffel und wurde abgesetzt. Doch David Hasselhoff wollte das Konzept mit den knackigen Wassernixen in knappen roten Badeanzügen nicht aufgeben. So produzierte der Hauptdarsteller die Folgen ohne Unterstützung großer Studios einfach selbst. Playboy-Model Pamela Anderson alias C. J. Parker und die anderen Strandschönheiten brauchten weder viele Requisiten noch versierte Schauspielkunst, um TV-Geschichte zu schreiben.

Muskelbepackte Rettungsschwimmer und weibliche Körper mit perfekt geformten Rundungen passten 1989 genau zum Aufkommen des allgemeinen Fitness- und Gesundheitstrends. Ähnlich schlank wie die Darsteller waren leider meist auch die Handlungsstränge der einzelnen Episoden. Im gleißenden Sonnenlicht mit der Rettungsboje im Schlepptau ins Wasser rennen, videoclipartig möglichst in Zeitlupe, und einer ertrinkenden Person mit Mund-zu-Mund-Beatmung das Leben retten. Das war der filmische Alltag am Strand von Los Angeles. Die Besetzungsliste wechselte mit den Jahren ständig, Erika Eleniak, Yasmine Bleeth, Gena Lee Nolin, Donna D’Erico, Carmen Electra und Tracy Bingham sind nur einige der auf- und untergegangenen Sternchen über dem Baywatch-Ozean. Im Gegensatz zu vielen ihrer früheren Kolleginnen, die in der Versenkung verschwanden, stieg Pamela Anderson zum Sexsymbol auf und ist bis heute in der Regenbogenpresse präsent. Ob durch Brustvergrößerungen, Prügeleien mit Verflossenen, Scheidungen oder neue Affären – die mittlerweile 51-Jährige weiß sich immer noch medienwirksam in Szene zu setzen.

Hasselhoff war schon vor Baywatch ein gefeierter Serienstar. Seit 1973 spielte er sechs Jahre lang in der erfolgreichen Seifenoper „The Young And The Restless“. In den 1980ern wurde auch das deutsche Publikum auf ihn aufmerksam, als „Knight Rider“ Hasselhoff mit seinem Superschlitten „KITT“ am 29. August 1985 auf Sendung ging. Dabei spielte er den Ex-Polizisten Michael Arthur Long, dem vom Philanthropen Wilton Knight eine neue Identität und das High-Tech Auto K.I.T.T. (Knight Industries Two Thousand) zur Verfügung gestellt wurde, um gegen das Unrecht zu kämpfen. Daneben machte er sich im deutschsprachigen Raum vor allem als Musiker einen Namen. Sein von Jack White produzierter Hit „Looking for Freedom“ stürmte 1989 die Charts, der Titel hielt sich bei uns acht Wochen auf Platz 1. Beim Konzert am Silvestertag auf der Berliner Mauer sang er seinen von Spöttern als „Trällerhymne“ bezeichneten Song vor 500.000 Zuschauern. Hasselhoff sah das als seinen Beitrag zum Fall der Mauer.

In den 1990ern war die „lebende Badehose“ der Star, der am häufigsten auf dem Cover der „Bravo“ zu sehen war. 1996 bekam er einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood. Insgesamt erhielt Hasselhoff weltweit 45 Gold- und Platinauszeichnungen. Er hat deutsche Vorfahren, die aus der Nähe von Bremen stammen. Sein Vermögen wird auf mehr als 100 Millionen Dollar geschätzt. Doch der Ruhm forderte seinen Preis. Jahrelang stand der heute 66-Jährige meist nur noch mit Eheproblemen, Alkoholexzessen und Aufenthalten in Entzugskliniken im Rampenlicht.

In Deutschland wurde Baywatch zunächst in der ARD gezeigt, Wiederholungen liefen später bei Sat.1, Kabel 1 und Das Vierte. Erst 2001 fiel nach 241 Folgen – inklusive der Ableger-Serien Baywatch Nights und Baywatch Hawaii – die letzte Drehklappe. Lange Zeit war ein Kino-Remake im Gespräch, das schließlich 2017 realisiert wurde. In der Serien-Adaption für die große Leinwand übernahm Dwayne Johnson („Fast & Furious 5 - 9“) den Part von Mitch, Teenieschwarm Zac Efrron („High School Musical 1 – 3“; „Bad Neighbors“) spielte den ehemaligen Olympia-Schwimmer Matt. Kinogänger waren nicht so begeistert wie die TV-Serienfans, dennoch sollen die Macher um Filmproduzent Beau Flynn unter dem Titel „Baywatch 2“ eine Fortsetzung planen. Hauptdarsteller Johnson schließt ein Sequel jedoch kategorisch aus: „Baywatch 2 – das wird niemals passieren.“

Pfalz-Ticker