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Kultur

Händels „Jephta“ in Wiesbaden: Ratlosigkeit allenthalben

Von Bernd Zegowitz

Anna Alàs i Jové hat als Storgè vergeblich gekämpft.

Anna Alàs i Jové hat als Storgè vergeblich gekämpft. ( Foto: Karl & Monika Forster )

Händels Opern sind anstrengend. Nach drei Stunden und der 27. Da-Capo-Arie werden die ersten Ermüdungserscheinungen fühlbar. Man freut sich auf die Rezitative, weil man nur an diesen den Fortgang der Handlung festmachen kann, bevor nach vier Stunden ein erlösender Schlusschor der Sache ein Ende bereitet. Die Oratorien sind anders: bunter, offener, freier – nicht unbedingt kürzer. Von formalen Fesseln befreit, kann sich Händel musikalisch austoben, große Chorpassagen und kleine Ensembles schreiben und einer dramatischen Handlung folgen.

So wie in seinem letzten szenischen Oratorium „Jephta“, das jetzt am Staatstheater Wiesbaden in einer Inszenierung Achim Freyers Premiere hatte. Uraufgeführt wurde das Stück 1752 am Royal Theatre in Londons Covent Garden, also einem Opernhaus, und die Handlung ist eine durchaus theatralische. Händels Librettist verarbeitet eine alttestamentarische Geschichte um ein Menschenopfer, das es in der Literatur und in der Oper öfters gibt. Aber natürlich ist Achim Freyer kein Geschichtenerzähler, sondern ein Bildererfinder, das hat er mit seinen Inszenierungen auch in Mannheim bewiesen, und er bleibt sich mit seinen mittlerweile 83 Jahren treu. Und wie immer ist er sein eigener Bühnen- und Kostümbildner.

Auf weißem Bühnenhintergrund sind gemalte schwarze, verkohlte Holzstämme zu erkennen, die in unterschiedlichsten Formen mit Tierkörpern, Menschenteilen oder Trümmern assoziiert werden können. Die Protagonisten sind ausgestellt auf Podesten, die sie selten verlassen und ihre Bewegungen einschränken. Individuelles wird durch Kostüme und janusköpfige Masken eingeschränkt. Die Farben schwarz, weiß und rot dominieren. Freyer schafft teils anrührende, teils irritierende Bilder. Letztere überwiegen. Die Janusköpfigkeit der Figuren erschließt sich nicht, die Handlung schwebt ins Irgendwo. Freyer kürzt das Stück nämlich ziemlich radikal, wenn er die zweite Hälfte des dritten Teils nahezu komplett weglässt. Es gibt keinen Engel, keine Erlösung, nur eine allgemeine Verstörung. Hinter mehreren Gazevorhängen verschwindet das versammelte, orientierungslos umherirrende Volk, die Musik wird immer leiser, bis sie verklingt.

Das ist musikalisch von Konrad Junghänel und dem Orchester des hessischen Staatstheaters zwar wunderbar umgesetzt, doch szenisch unbefriedigend, ebenso wie die vom Dirigenten verordnete Phase der Stille nach dem musikalischen Schluss. Junghänels Dirigat wirkt insgesamt lebendig und frisch, auch wenn manches akzentuierter, manches rabiater hätte kommen können. Spannend ist vor allem der zweite Teil des Abends, wenn Händel formal variiert, verstärkt Ensembles und Chöre einbaut, die von Albert Horne sehr exakt einstudiert wurden. Mirko Roschkowski singt einen kernigen Jephta, Terry Wey einen verzweifelnden Hamor, Anna Alàs i Jové eine kämpferische Storgè. Freyer lässt das Volk ratlos auf der Bühne zurück. Wir sind es auch.

 

Termine

Hessisches Staatstheater Wiesbaden; Karten: 0611/132325; vorverkauf@staatstheater-wiesbaden.de; nächste Vorstellungen: 10., 13., 16., 22. Februar, 8. März, 4. und 15. April

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