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Kultur

Die Überbietung

Die neue Landeskunstschau „FLUX4ART“ ersetzt die Mainzer Landes-Kunstmesse

Von Markus Clauer

Eines der drei Ausstellungshäuser, der Kunstverein Germersheim im ehemaligen Zeughaus.

Eines der drei Ausstellungshäuser, der Kunstverein Germersheim im ehemaligen Zeughaus. ( Foto: van )

„FLUX4ART“? Alles groß geschrieben. Lateinisch-englisch, von Flux für Fluss, Art für Kunst, 4 soll für bedeuten, englisch ausgesprochen, four wie for, Sie verstehen? Und weil ursprünglich vier Ausstellungsorte vorgesehen waren für die in der Herbst/Winter-Saison anberaumte, mehrmonatige rheinland-pfälzische Landeskunstschau 2018. Wäre Ingelheim nicht abgesprungen. Bleiben Boppard, Germersheim und Montabaur als Auftrittsorte für eine Ausstellung, die Bestands- und Momentaufnahme zugleich sein will. Ein neuer Anlauf. Wir werden sehen.

Was soll man sagen, „FLUX4ART“? Der Berufsverband Bildender Künstler/innen (BBK) Rheinland-Pfalz als Träger der Veranstaltung dreht rein titeltechnisch ja schon mal ganz schön auf. Aber was viel wichtiger ist: Das neue Biennale-Format soll im Erfolgsfall eine andere Institution ins Obsolet manövrieren. Die zunehmend ungeliebte Landes-Kunstmesse, seit 1993 im Zweijahresrhythmus für die hiesige Kunstszene repräsentativer Usus. Das Land, Kulturminister Konrad Wolf sprach in Mainz bei der Präsentation von „FLUX4ART“ warme Worte, schießt dem Erstling 123.000 Euro an Fördermitteln zu.

Ist das eigentlich eine Abkehr? Im Karl-Marx-Jahr hin zum Elitären? Die Landes-Kunstmesse jedenfalls, anfangs in Pirmasens abgehalten, später dauerhaft in Mainz, war vor allem im basis-sozialdemokratischen Duktus der Ära von Kulturministerin Rose Götte angelegt. Als Selbstvermarktungsereignis, bei dem die Teilnehmer/innen das Risiko trugen und eine Ankaufskommission des Landes für Mindestumsatz sorgte. Das Angebot entwickelte sich entsprechend marktgängig. Die im „ländlichen Raum“, wie Minister Wolf das definiert, verteilte erste „FLUX4ART“-Schau derweil hat den Warencharakter der Kunst überschießende Ambitionen.

Gezeigt werden sollen je unterschiedliche Schauen mit je anderen Künstler/innen nacheinander erst in Montabaur, Germersheim und Boppard, auch schwerverkäufliche Positionen. Die Arbeiten von Jungen, Klangkunst, ortsspezifische Installationen. Und allen Beteiligten – auch eine Novität – wird eine Ausstellungs- und Mitwirkungsvergütung ausgezahlt. In der Summe, je nach Einsatz, ein paar Hundert Euro. Man erhofft sich dafür noch zusätzliche Sponsoren.

Nur in Berlin, sagt die BBK-Vorsitzende Sylvia Richter-Kunkel (Worms) zu dieser Form der Kunst-Bezahlung, sei man bei einer Landesschau vergleichbar avanciert. „In FLUX4ART“, sagt sie, „findet das innovative und moderne Rheinland-Pfalz einen weithin sichtbaren Ausdruck“. Hier würden „Möglichkeits- und Realitätssinn“ konfrontiert. Und Minister Wolf assistiert: „Für das neu entwickelte Format haben wir seitens des Kulturministeriums gerne unsere Unterstützung zugesagt.“

Alle sind vorab begeistert. Die Werbeplakate, auf denen sich Aufnahmen der drei mitmachenden Ausstellungshäuser überlagern, sehen auch sehr gut aus. Anstecker mit „FLUX4ART“-Aufdruck werden verteilt werden. Ein Werbefilm ist vorgesehen. Außerdem lassen sich Format und Konzeption der Schau auf einer Netzseite nachlesen. Sie wurde gestern extra hochgeladen. Und?

Was auffällt: Die ausgewählten Ausstellungsorte haben alle drei eine historische Kennung. Das b—05 Montabaur liegt in einem ehemaligen Nato-Munitionslager. Das Museum Boppard besitzt eine 100-jährige Geschichte in der dortigen Kurfürstlichen Burg. Und der 1982 gegründete Germersheimer Kunstverein residiert ja im Zeughaus der Festung aus dem 19. Jahrhundert. Und alle drei strahlen als Kunsthäuser trotz ihrer „Randlage“ mit ihren Programmen einiges Renommee aus.

Rund 60 Künstler/innen (von rund 1100 hierzulande arbeitenden) sollen an „FLUX4ART“ partizipieren, alle in biografischem Nahverhältnis zu Rheinland-Pfalz, dazu mit entsprechender Hochschulausbildung und/oder relevanter Ausstellungspraxis. Wer böse ist, darf allerdings von einer Zweiklassengesellschaft sprechen. Ein Drittel der Ausstellenden nämlich wird eingeladen, zwei Drittel müssen sich bewerben. Künstlerische Leiterin der so angestrebten Vorzeigeschau ist die Mainzer Kunsthistorikerin und Ausstellungsmacherin Gabriele Rasch.

Wer wählt noch aus? In der Jury sitzen neben Rasch, die Künstler/innen Christel Hermann und Mirko Schwartz, Peter Gorschlüter vom Frankfurter Museum für Moderne Kunst und der Direktor des Museums Sinclair in Bad Homburg, Johannes Janssen. Externe Cracks also. Die Absicht dürfte neben der dringlichen Qualitätssicherung die Kumpaneiverhinderung sein.

Wer kommt? Sie habe schon einige Zusagen, meint Gabriele Rasch. Welche Kunststars, Zugpferde, wie immer man diejenigen nennen will, die sie von einer Bewerbung entbindet und einlädt, dabei sein sollen, möchte die künstlerische Leiterin aber nicht sagen. Noch nicht. Keinen einzigen Namen. Mehr im März. Nur so viel, einige darunter sollen zumindest temporär zurück ins Land der „FLUX4ART“ geholt werden. Die Liga Paloma Varga Weisz (Neustadt, Düsseldorf) oder Eberhard Bosslet (Speyer, Berlin, Dresden)? Rasch nickt auf Anfrage: „Ja.“ Jetzt warten alle auf Post. Wir sind gespannt.

Die Ausstellung

„FLUX4ART“: 15.9. bis 31.10. im b-05 Montabaur, 20.10. bis 25.11. im Kunstverein Germersheim, 4.11. bis 23.12. im Städtischen Museum Boppard. Bewerbungsschluss: 5. März. Bewerbungsadresse: Geschäftsstelle BBK Rheinland-Pfalz, Am Budensand 57 b, 55122 Mainz. Rückfragen: 06131/371424; www.FLUX4ART.de

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