Meinung Glasfaser gratis – wer kann da schon nein sagen?

Gegen Glasfaseranschlüsse für Pfälzerwaldhütten und Burgen ist nichts einzuwenden. Aber genau hinschauen sollte man schon.
Gegen Glasfaseranschlüsse für Pfälzerwaldhütten und Burgen ist nichts einzuwenden. Aber genau hinschauen sollte man schon.

Deutschland ist trotz teurer Förderprogramme immer noch ein Musterland der Funklöcher und der weißen Flecken. WLAN an der Hütte tröstet da wenig.

Wer würde den Bewirtschaftern der Hütten und Burgen der Pfalz nicht das Allerbeste wünschen? Die Freiwilligen, zum Beispiel in den Pfälzerwald-Vereinen, und die Gastronomiebetriebe schaffen mit ihrem enormen Einsatz für die Freizeit- und Erholungskultur im Wald pfälzisches Lebensgefühl pur. Dass schnelles Internet zur Zukunftsfähigkeit dieses Konzepts beiträgt, auch zur Sicherheit, liegt auf der Hand. Also ist gegen Glasfaseranschlüsse für Pfälzerwaldhütten und Burgen erst einmal nichts einzuwenden.

Ein seltsames Gefühl beschleicht einen aber doch. Das große Förderprogramm gegen Weiße Flecken auf der Breitbandkarte sorgt dafür, dass einzelne Hütten für jeweils Hunderttausende von Euro Steuergeld ans Hochgeschwindigkeitsinternet angeschlossen werden, während die Menschen und Firmen in vielen Dörfern der Pfalz, auch in Städten, weiter auf ihren Gigabit-Anschluss warten müssen. Selbst die Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins ist fassungslos, dass ihre ziemlich abgelegene Siebeldinger Hütte im Kreis Südliche Weinstraße, nur sonn- und feiertags offen, kostenlos einen wohl 400.000 Euro teuren Glasfaseranschluss an die Hüttentür verlegt bekommt. „Rausgeschmissenes Geld“, sagt die Vorsitzende Brigitte Theobald, nachzulesen im Beitrag „Ärger um Glasfaserausbau: Erst die Pfälzerwaldhütten, dann die Dörfer?“

Fakt ist: Deutschland verlässt sich für die allgemeine Gigabit-Versorgung – privatwirtschaftlich organisiert und profitorientiert – in der Breite auf die Glasfaser-Unternehmen. Die wiederum hinterlassen in viel zu vielen Fällen eher verbrannte Erde als verlegte Kabel. Für die entlegensten Winkel dagegen gibt es anscheinend üppig ausgestattete staatliche Förderprogramme. Die sind an sich sinnvoll und ein Segen für Viele. Aber augenscheinlich sind die Programme aus Steuergeld auch so angelegt, dass niemand nein sagt im Lauf des Planungs- und Genehmigungsverfahrens: Wird ja eh zu 100 Prozent bezahlt, dann nicken wir das lieber mal auch in absurden Fällen ab. Sonst fließt am Ende vielleicht überhaupt kein Geld zu uns.

Kein Wunder, wenn das zu Ärger und Unverständnis führt. Deutschland ist trotz des Förderprogramms immer noch ein Musterland der Funklöcher und der weißen Flecken in der Gigabit-Versorgung – vielleicht ja bald nicht mehr in den entlegensten Winkeln, aber immer noch im alltäglichen Umfeld vieler Menschen zwischen Rhein und Saar. Da macht dann auch WLAN auf der Pfälzerwaldhütte nicht wirklich glücklich.

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