Glosse
Absolut ein Erbe der Menschheit: Schwenker und Doppelweck
Als Papa von Jugendfußballern wird man beim Sportfest des eigenen Vereins irgendwann in den Rostwurststand gestellt. Die Gastmannschaften kamen aus dem tiefen Saarland zum Turnier in den Pfälzer Westen. Und dann passierte es: Ein Saarländer kam hungrig zum Stand und bestellte „e Rooschdwerschdsche, awwer im Dobbelwegg“.
Auf die Auskunft „Wir haben nur einfache Brötchen, keine Doppelweck“ reagierte der Kunde so entgeistert, als hätte man ihm gesagt, dass es hier nur vegane Würste gebe. Der Vorschlag, ein zweites Brötchen dazuzunehmen, rettete die Situation nicht. Dieser Kunde bestand auf einem ungeteilten, quer aufgeschnittenen Doppelweck, damit die Wurst von vorn bis hinten von Backwerk umgeben ist. Eine Wurst in zwei unabhängig voneinander gebackenen Brötchen, das war für ihn kein Kompromiss, sondern ein Unding: „Do fallt jo enner runner.“
Als weitere Sportfestgäste eine Wurst „awwer im Dobbelwegg“ bestellten, war klar: Ein Saarländer ist bereit, in der Fremde viel auszuhalten, er kann dort vieles entbehren, doch der Doppelweck gehört nicht dazu.
Und so verwundert es nicht, dass das Saarland den Doppelweck jetzt allen Ernstes zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt hat. Und da man schon mal dabei war, den Schwenker gleich mit. Bei einem Schwenker handelt es sich um ein mariniertes Stück Schweinefleisch, meist vom Nacken, das über offenem Feuer gegrillt wird.
Dass die Saarländer nun anfangen, ihre Fressalien als Weltkulturerbe zu adeln, lässt noch einiges erwarten, auch Kombinationen wie Schwenker im Doppelweck.
Was an einem Brötchen oder einem Stück Fleisch allerdings immateriell sein soll, lässt rätseln, denn es handelt sich ja um handfeste Materie, die da in den Magen gelangt. Vielleicht lassen sich Widersprüche wie diese beim Schwenken von Schwenkern (Schweinenacken-steaks) auf einem Schwenker (Dreibein-Grill) bei einem Glas Viez – inzwischen auch saarländisches Weltkulturerbe! – auflösen.
Doch was kommt noch auf uns zu? Erklärt das Saarland demnächt Dialoge wie „unn wie?“ – „jo, alla“ zum Weltkulturerbe? Oder aufmunternde Sprüche wie „unn iss es Wedder noch so trieb, immer hoch die Gellerrieb“? Oder sogar das im Saarland verbreitete Ritual, bevor man zu Messer und Gabel greift, auf jegliche Speise Maggi zu spritzen?
