Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrückerin Amelie Berger ist heiß auf den WM-Start

Die gebürtige Zweibrückerin Amelie Berger (rechts) zeigt ihrer Nationalmannschafts-Mitspielerin Mareike Thomaier, wo es bei der
Die gebürtige Zweibrückerin Amelie Berger (rechts) zeigt ihrer Nationalmannschafts-Mitspielerin Mareike Thomaier, wo es bei der WM langgeht: nach oben.

Das Deutsche Haus ist Olympia-Teilnehmern ein Begriff. Bei Olympischen Spielen ist es regelmäßig der Treffpunkt für die deutschen Athleten. Eine Art deutsches Haus wird jetzt in Spanien eingerichtet. Die Familie von Nationalspielerin Amelie Berger mietet während der am Mittwoch beginnenden Weltmeisterschaft der Frauen ein Ferienhaus – mit einem Ziel.

Zum vierten Mal trägt Amelie Berger, Handballerin aus Zweibrücken, bei einem sportlichen Großereignis das Trikot mit dem Adler auf der Brust. Frankreich, Japan, Dänemark, jetzt Spanien. Zweimal war sie bei Europameisterschaften, jetzt ist sie zum zweiten Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei. „Und ich bin nicht mehr das Küken in der Mannschaft“, sagt Berger lachend.

Die Handball-Nationalspielerin fiebert dem WM-Start am Donnerstag gegen Tschechien (18 Uhr, sportdeutschland.tv) entgegen. Das Vorrunden-Duell gab es auch 2018 bei Bergers Debüt bei der EM in Frankreich. Für die Zweibrückerin lief es damals nicht optimal. Nach 20 Minuten hatte sie beim 30:28-Erfolg der Deutschen zwei Zeitstrafen kassiert. Die bisherige Turniervorbereitung lief hingegen sehr gut, und deshalb steht gegen Tschechien für die Linkshänderin das auf dem Plan, was sie zuletzt zuverlässig tat: Tore werfen.

Familiäre Basis im kleinen „deutschen Haus“ der Bergers

Dass es Deutschland in der Vorrunde bei einer WM nur mit europäischen Gegnern zu tun bekommt, „ist wahrscheinlich ein bisschen untypisch, sollte aber kein Nachteil sein. Im Gegenteil, wir kennen deren Spielsysteme. Die auch unseres“, sagt sie. Am Samstag geht es gegen die Slowakei (18 Uhr) und am kommenden Montag gegen Ungarn (20.30 Uhr/alle Spiele via sportdeutschland.tv).

Das Selbstbewusstsein im jungen deutschen Team ist gewachsen. Ein ganz entscheidendes Spiel dafür „war die Partie gegen Russland“, sagt Berger mit Blick zurück auf den 28:27-Erfolg in Düsseldorf Anfang November. Zum Sieg gegen den Olympia-Zweiten steuerte sie fünf Treffer bei. Wichtig sei dieser Erfolg gewesen, weil „wir gesehen haben, dass wir gegen favorisierte Teams gewinnen können und vor allem, weil wir gesehen haben, dass wir enge Spiele am Ende für uns entscheiden können.“ Wichtig sei für sie immer der Wohlfühlfaktor. Dass ihre Familie und Freund Luis Strohecker mit in Spanien sind, „ist einfach super“, freut sie sich über die familiäre Basis im kleinen deutschen Haus. Das mietet sich der Tross. Freund Luis hat zudem spanische Wurzeln, seine Mama kommt aus Spanien. „Von daher passt das alles gut, und ich hoffe, dass wir immer mal wieder die ein oder andere Stunde Freizeit haben“, sagt sie.

Blau verbringt die WM in einer Pension

Vergangenes Jahr, bei der EM in Dänemark, „war das alles nicht möglich“, erinnert sich die 22-Jährige ungern an die sehr strikte Corona-Blase im Hotel. „Das war unglaublich anstrengend. Beim Vorbereitungsturnier in Spanien gab es schon mal Gelegenheit, freie Nachmittage außerhalb des Hotels zu verbringen.“ Dass bei der WM in Spanien die 2G-Regel gilt, „ist super. Das gibt ein Stück weit Sicherheit, auch wenn wir wissen, dass es keine 100-prozentige Sicherheit gibt“, sagt Berger, die selbst eine Corona-Infektion überstanden hat, zum während der WM geltenden Hygienekonzept.

Im Sommer wechselte die Zweibrückerin, die beim SV 64 Zweibrücken mit dem Handball spielen begann, vom deutschen Pokalsieger Bietigheim zum deutschen Meister Borussia Dortmund. „Die richtige Entscheidung. Der Wechsel hat mir genau das gebracht, was ich mir davon versprochen habe“, sagt die Flügelflitzerin auf der rechten Seite. Vertrauen des Trainers, viele Spielanteile, neues Selbstvertrauen auch durch Erfolge in Champions-League-Spielen. „Das läuft gut“, freut sich die mit 38 Feldtoren derzeit neuntbeste Torschützin in der Handball-Bundesliga. In Dortmund fühlt sie sich wohl. „Man denkt immer, hier wäre alles grau. Stimmt nicht, hier ist sehr viel Grün“, erzählt sie und genießt es, in einer großen Stadt zu leben, aber in einem eher ländlich geprägten Stadtteil. Hier gibt es genug Auslaufmöglichkeiten für Hund Balu. Der verbringt die Zeit, da fast alle Bergers in Spanien sind, in einer Hundepension in Dortmund.

Ein BVB-Fußballspiel mit Zuschauern im Westfalenstadion, „konnte ich mir schon anschauen. Es ist toll, diese Fan-Unterstützung mal live zu erleben“, war sie beeindruckt von der berühmten gelben Wand. Fans haben aber auch die Dortmunder Handballerinnen. „Da können wir uns nicht beschweren“, sagt sie. Berger gefällt es aber, unerkannt durch die Stadt zu laufen. „In Bietigheim war das alles sehr viel kleiner, da haben uns immer wieder Leute auf der Straße erkannt.“ Dass der Bekanntheitsgrad auch in Dortmund steigen würde, wenn die Frauen-Nationalmannschaft im Turnier weit kommt, das weiß sie. Dagegen hätte sie nichts einzuwenden.

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