Zweibrücken Zweibrücker Fotoschätze aus Omas Pappkarton für die Nachwelt retten

 Klaus Dieter Böckler, Alice Kinzinger und Jo Steinmetz (von links) stellen Oberbürgermeister Marold Wosnitza ihr Projekt vor. K
Klaus Dieter Böckler, Alice Kinzinger und Jo Steinmetz (von links) stellen Oberbürgermeister Marold Wosnitza ihr Projekt vor. Klaus Dieter Böckler ist für altes Filmmaterial zuständig, Alice Kinzinger (hier mit einer alten Aufnahme der Fußgängerzone) für die Archivierung. Jo Steinmetz zeigt die Vorher-Nachher-Ansicht eines Schwarzweißfotos, das er mit KI digital restauriert und nachkoloriert hat.

Das Projekt „Zweibrücker Datenretter“ holt alte Fotos aus der Mottenkiste und bringt sie auf den Computerbildschirm, ehe sie für immer verschwunden sind.

Ist die Oma oder der Opa gestorben, bleibt den Angehörigen oft nichts anderes übrig, als den verwaisten Haushalt aufzulösen. Oft landen dann Habseligkeiten, die nicht mehr benötigt werden, auf dem Sperrmüll oder im Container. „In dieser Situation besteht die Gefahr, dass der Nachwelt wertvolle Zeugnisse aus früheren Zeiten unwiederbringlich verloren gehen“, warnt Jo Steinmetz. Der Bildjournalist, Fotokünstler und RHEINPFALZ-Mitarbeiter weiß um die ausgeblichenen Schuhkartons voller alter Schwarzweiß-Fotografien, auf denen Personen abgebildet sind, die deren heutigen Nachkommen unbekannt sind. „Solche alten Fotodokumente wegzuwerfen, ist das Verkehrteste, was man machen kann“, sagt Steinmetz. Um bildliche Zeugnisse aus dem alten Zweibrücken zu bewahren, hat er zusammen mit dem Filmemacher Klaus Dieter Böckler und der Social-Media-Beraterin Alice Kinzinger das Projekt „Die Zweibrücker Datenretter“ ins Leben gerufen. „Damit wollen wir einen Beitrag zur Bewahrung des visuellen Gedächtnisses unserer Stadt leisten“, erklärt Jo Steinmetz.

An die Zweibrücker Bevölkerung richtet das Trio den Appell, den „Datenrettern“ historisches Foto- und Filmmaterial aus Privatbesitz zu überlassen. Ziel sei es, die Zeitdokumente professionell zu kopieren, digital aufzubereiten und gemeinsam mit dem Stadtarchiv für künftige Generationen zu erhalten. „Viele Haushaltsauflösungen haben in den letzten Jahren Schätze aus der Vergangenheit verschwinden lassen“, weiß der Initiator Steinmetz. Fotoaufnahmen würden in der Regel über zwei oder drei Generationen aufbewahrt. „Danach werden die Bilder für die nachfolgenden Generationen meist uninteressant. Man hat ja selbst keinen Bezug mehr zu seinen Verwandten, die vielleicht vor 100 Jahren gelebt haben.“ So seien die Leute auf den Fotos Fremde, die man höchstens noch vom Hörensagen her kenne. Oft sei der historische Wert solcher Fundstücke auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen.

Wie es früher einmal ausgesehen hat

Besonders hellhörig werden die drei „Datenretter“, wenn es auf alten Bildern oder Filmschnipseln Gebäude zu entdecken gibt, die heute noch stehen, aber anders aussehen – oder die längst abgerissen sind. „Da kann man dann sehen, wie es in Zweibrücken früher ausgesehen hat“, möchte Jo Steinmetz zusammen mit Alice Kinzinger und Klaus Dieter Böckler dem Vergessen entgegenwirken. „Gemeinsam mit dem Stadtarchiv wollen wir die noch schlummernden Foto- und Filmschätze heben und sichern.“

Altes Filmmaterial, Super 8, VHS-Kassette und alte Schwarz-Weißbilder ....
Altes Filmmaterial, Super 8, VHS-Kassette und alte Schwarz-Weißbilder ....

Bei ihrem Vorhaben nehmen die drei Initiatoren die Stadtverwaltung mit ins Boot. Oberbürgermeister Marold Wosnitza hat die Schirmherrschaft übernommen. Der Rathauschef weiß aus Erfahrung, „dass uns in der Stadt zu bestimmten historischen Ereignissen Fotos und Bildmaterial fehlen. Seien es frühere Hochwasserereignisse, Festivitäten oder Kuriositäten. Ich bin dankbar, dass die drei Datenretter dieses Projekt beginnen.“ Wosnitza hofft, „dass viele Menschen in ihren alten Fotoalben und Kisten stöbern und uns ihre Fotos oder Filmmaterial zum Reproduzieren zur Verfügung stellen.“

Ereignisse, Alltagsszenen und besondere Momente

Das Projekt konzentriert sich nicht nur auf alte Fotografien und Filmmaterial. Gerne werden auch Postkarten, Negative, Dias und andere visuelle Medien angenommen, die historische Ereignisse, Alltagsszenen oder besondere Momente aus der Zweibrücker Stadtgeschichte dokumentieren.

Wer solche Schätze daheim hat, kann sich auf Wunsch auch von Jo Steinmetz zuhause besuchen lassen. Dann übernimmt er die Digitalisierung direkt an Ort und Stelle. Fotos müssen dafür nicht einmal aus Alben herausgenommen werden. Auch eingerahmte Bilder, so der „Datenretter“, lassen sich problemlos und ohne jede Beschädigung reproduzieren.

Bei alten Filmaufnahmen – etwa auf Videokassetten oder analogen Schmalfilmen – sei es mit der mobilen Reproduktion per Hausbesuch allerdings nicht getan. „Solches Filmmaterial müssen wir für die Digitalisierung mitnehmen“, sagt Steinmetz. „Natürlich wird hinterher alles wieder zurückgegeben.“

Beschädigungen lassen sich digital reparieren

„Sollte altes Bildmaterial zerkratzt, ein bisschen unscharf oder beschädigt sein, oder wenn Teile fehlen, lässt es sich heute mithilfe Künstlicher Intelligenz meist digital restaurieren“, berichtet der Fotograf. Möglich sei auch, Schwarzweißfotos mit moderner Technik nachträglich zu kolorieren.

„Grundsätzlich ist es aber so, dass ein Original für uns unantastbar ist.“ Denn digital restaurierte Bilder oder Filme können nach Überzeugung der drei „Datenretter“ nur „eine Interpretation oder Rekonstruktion der Vergangenheit“ sein; daher müsse man sie eindeutig als restaurierte Versionen markieren. Jo Steinmetz: „Viele Archive kennzeichnen solche Bilder mit Zusätzen wie ,digital restauriert’, ,rekonstruiert’ oder ,nachkoloriert’. Und die dabei angewandten Verfahren werden meist in den beschreibenden Bildinformationen vermerkt, den sogenannten Metadaten. Auch für uns sind solche Klarstellungen selbstverständlich.“

Kontakt

E-Mail: datenretter.zweibruecken@gmx.de

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