Zweibrücken
„Wir sind so alt, wir denken noch in Alben“
Ihr jüngstes Album „Haus of the Rising Fun“ ist wieder ein Mix aus schrägen Texten, satirischen Kommentaren und musikalischer Energie. Wie bewerten Sie selbst Ihr Werk?
Ich bin sehr zufrieden mit dem Album. Es macht mir großen Spaß. Aber wir haben auch wirklich ziemlich lange daran herumgeschraubt, denn es ist uns immer wieder etwas in die Quere gekommen – unter anderem der Wechsel der Plattenfirma. Wir haben mit dem Album schon 2023 angefangen und es sollte 2024 erscheinen. Ursprünglich wollten wir ja auch 2024/25 auf Veröffentlichungstour für das Album gehen, haben die dann aber kurzerhand umgewidmet in eine Jubiläumstour, weil vor 30 Jahren unser erstes Album „Explizite Lyrik“ erschienen ist.
Haben Sie in dieser Zeit einen Erwartungsdruck seitens der Fans verspürt, die auf ein Album gewartet haben?
Nö.
Und seitens der Plattenfirma?
Es gibt zahlreiche Bands, bei denen die Plattenfirma sehr viel mitredet in der Art von „Also, Du musst jetzt noch einen Song schreiben, der dieses und jenes hat“. Das war bei uns nie. Wir hatten immer das Glück, künstlerische Freiheit zu haben und einfach machen zu können, worauf wir Bock hatten. Und solange ich mache, auf was ich Bock habe, kauft uns das Publikum das ab, weil es authentisch ist. Das ist es letztlich auch, was uns ausmacht: Wir sind authentisch.
Wie wichtig sind Ihnen die Texte – sie sind doch das Element, das J.B.O. von anderen Bands unterscheidet?
Das ist richtig. Der Text ist sehr wichtig und er ist auch immer zuerst da. Es gibt ja viele Bands, die singen erst einmal nur „la la la“ und dann, wenn die Musik steht, kommt irgendwie ein Text dazu. Bei uns aber ist der Text immer zuerst da und die Musik illustriert ihn.
Dabei parodieren Sie ja auch quer durch die Rockgeschichte. Muss man da das Original lieben, um es gut veralbern zu können?
Auf gar keinen Fall. Du musst im Grunde nur Spaß haben, irgendwas daraus zu machen - im Idealfall etwas, was Dir dann auch gefällt. Das ist dann einfach die Challenge.
Gibt es einen Song, bei dem Sie sich gegen eine Parodie entschieden haben, weil Sie dem Original zu viel Respekt zollen?
Da halte ich es mit dem bekannten Ausspruch: „Parodie ist die aufrichtigste Form der Bewunderung“. Ich bin mir nicht sicher, wer das gesagt hat, aber ich finde, es passt ganz gut.
Wie vermeiden Sie, dass ein Witz platt rüberkommt?
Da sind wie als gesamte Band eine Art Filter. Wenn irgendeiner sagt, dass er mit etwas nicht klarkommt, dann machen wir das nicht. Und dass sich außerhalb der Band irgendwer an irgendwas reibt, gibt es ja immer. Dann werden wir halt auch mal schlecht rezensiert. Du kannst es eh nie allen recht machen, und das wollen wir ja auch gar nicht. Wenn Du es Dir selbst recht machst, dann ist es zumindest so, dass Du dahinter stehen kannst. Und wenn es dann jemand Scheiße findet, dann ist es halt so.
Sie sind vier Musiker in der Band. Wie werden da Entscheidungen getroffen – oder anders gefragt: Wer hat das letzte Wort?
Wenn es um eine Veröffentlichung geht, dann hat der Produzent immer ein Wörtchen mitzureden. Christoph Beyerlein ist das bei uns seit über 30 Jahren. Er hat, was die Produktion betrifft, auch eine Stimme.
Hat sich der Humor in den 30 Jahren Bandgeschichte verändert?
Auch der Humor ist einer Entwicklung unterworfen. Wobei manches schneller altert als anderes. Vor einem Jahr haben wir unser erstes Album gefeiert, da ist „Explizite Lyrik“ 30 geworden und wir haben das ganze Album gespielt – und darauf waren ja schon sehr pubertäre Späße. Aber ich habe überhaupt kein Problem damit, den ganzen Sums von damals zu spielen und zu zelebrieren, zumal es den Leuten wirklich Spaß gemacht hat. Das war teilweise ein bisschen unbedarft und dadurch unschuldig. Aber es hat Spaß gemacht, und das ist letztendlich doch das, worauf es ankommt. Auf unserem Weg haben wir bestimmt den einen oder anderen Spaß gemacht, den wir heute nicht mehr machen würden. Aber das ist doch ganz normal. Wenn du dich hinstellst und sagst, „Ich muss das weiterhin lustig finden, was ich vor 30 Jahren lustig gefunden habe“, dann ist das auch irgendwie komisch. Und wahrscheinlich würde ich die Texte, die wir auf dem ersten Album haben, heute so nicht mehr schreiben.
Sie kommen aus Franken. Registrieren Sie ein Popularitätsgefälle von Süd nach Nord?
Nein, gar nicht. Es kommen überall Leute, die Spaß an unserer Musik haben. Da ist es egal, ob wir in Hamburg, Stuttgart, München, Dresden oder Köln spielen.
Wenn Sie heute auf die ersten Konzerte zurückblicken, wie chaotisch war das damals? War das alles so beabsichtigt, wie es jetzt gekommen ist?
Unser erster Auftritt war am 29. Oktober 1989. Es war wirklich so, dass wir eigentlich nur diesen einen Auftritt machen wollten. Und wir hatten uns akribisch überlegt, was wir da alles sagen wollten. So hatten wir wirklich jede Ansage vorher aufgeschrieben. Es war fast so ein bisschen Metal-Kabarett. Das war beim Erlanger Newcomer Festival, und der Saal war voll. Rund 400 Leute waren da, mehr passten auch gar nicht rein. Und die Leute haben zugehört. Die wollten wissen, was passiert denn da jetzt? Nach dem Auftritt kamen dann einige zu mir und sagten, „Das war cool, Ihr müsst auch da und da spielen“. Und dann haben wir die ersten Jahre Konzerte gegeben. Nebenbei haben vor allem Hannes und ich noch jedes Wochenende in Coverbands gespielt und dadurch Bühnenroutine entwickelt. Das war unsere Lehrzeit. Ab Mitte der 90er Jahre haben wir das dann mit den Coverbands gelassen und uns voll auf J.B.O. konzentriert. Die Leute wollten uns unbedingt hören. Wir konnten uns eigentlich gar nicht so richtig wehren.
Sie haben jetzt wieder ein Album veröffentlich. Ist das im Streaming-Zeitalter nicht eine aussterbende Spezies?
Eine gute Frage. Wir sind einfach schon so alt, dass wir noch in Alben denken. Und für uns ist ein Album auch immer ein Kapitel im Bandleben, eine Klammer, die sich um eine bestimmte Zeit schließt. Und deswegen ist ein Album für mich auch noch immer relevant.
Ihre Plattencover sind bunt und schrill, ebenso Ihre Bühnenoutfits. Wie wichtig ist Ihnen diese optische Präsenz?
Sie ist natürlich relevant, und wir machen uns auch immer unsere Gedanken dazu. Aber klar ist uns deutlich anzusehen, dass wir nicht mehr 20 sind. Dass wir die Farbe Pink als Corporate Identity haben, war schon beim ersten Auftritt so. Das war eine Idee, die hätte genialer gar nicht sein können. Ich finde es immer wieder schön, wenn wir auf einem Metal-Festival spielen und alles um uns herum schwarz ist, wir dann aber pinkfarbene Boxen auf die Bühne rollen. Das ist einfach ein erhebendes Gefühl, das mir Laune macht.
Woraus besteht der Kitt, der die Band nach über drei Jahrzehnten zusammenhält? Mit Ihnen und Hannes Holzmann besteht J.B.O. ja noch zur Hälfte aus Gründungsmitgliedern.
Der Kitt ist, dass wir wissen, was wir wollen. Und da musst Du dich einfach immer wieder zusammenraufen und auch mal Kompromisse eingehen. Wir haben immer noch Spaß an unserem Tun. Für mich ist unser größter Erfolg, dass es uns immer noch gibt.
Blicken wir auf die Konzerte: Haben Sie noch Lampenfieber?
Nein, also Lampenfieber habe ich wirklich nicht. Es gibt trotzdem immer noch eine gewisse, positive Aufgeregtheit, besonders wenn eine Tour anfängt und wir Sachen machen, die wir noch nicht live gespielt haben. Aber wenn die Tour läuft, dann kann ich es ja. Dann freue ich mich darauf und denke mir, „Geil, da draußen ist die Energie, da gehen wir jetzt raus und spielen“.
Haben Sie durch die Band auch etwas über sich selbst gelernt?
Mit Sicherheit sehr, sehr viel. Aber wenn Sie mich jetzt festnageln möchtest auf erstens, zweitens und drittens, fällt mir nichts konkretes ein.
Sie singen mal auf Deutsch, mal auf Englisch. Wie entscheidet sich das?
Wir singen gerne auf Deutsch, weil wir letztendlich verstanden werden wollen und so auch gerne verständliche Wortwitz machen können, was eigentlich nur in der Muttersprache möglich ist. Natürlich haben wir auch englische Nummern wie „I Kissed a Girl“, die wir eins zu eins singen, ohne den Text zu verändern, weil im Grunde der Blödsinn dabei ist, dass ich das singe.
Was ist die originellste Stelle, wo Sie jemals jemandem ein Autogramm gegeben haben?
Das wollen Sie so genau gar nicht wissen. Wir haben schon auf allen Körperteilen unterschrieben – auf fast allen.
Konzerte
Saarbrücken: Samstag, 24. Januar, 20 Uhr, Garage, Karten: garage-sb.de, reservix.de
Ramstein-Miesenbach: Freitag, 20. Februar, 20 Uhr, Congress Center Ramstein, Karten: reservix.de.
Die Band
J.B.O. (James Blast Orchester) ist eine 1989 in Erlangen gegründete deutsche Fun-Metal-Band. Sie verbindet klassischen Heavy Metal mit Parodie, Wortwitz und bewusstem Klamauk, was oft als augenzwinkernde Antwort auf den bierernsten Metal verstanden wird. Mit pinker Bühnenästhetik, Coverversionen mit neuen Texten und eigenen Songs erarbeitete sich die Band ab den 90er-Jahren eine feste Fangemeinde. J.B.O. tourt regelmäßig und gilt als eine der langlebigsten und eigenständigsten Erscheinungen der deutschen Metal-Szene. Sie ist immer wieder auf den Bühnen der Region zu erleben. Allein im ehemaligen Pirmasenser Musikclub Quasimodo war sie zwischen 2005 und 2017 fünf Mal auf der Bühne zu erleben. In der Saarbrücker Garage spielte sie sogar acht Mal, zuletzt am 16. Januar 2025.