Zweibrücken „Willkommen, bienvenue“

Zuerst wollte niemand in Deutschland das Musical „Cabaret“ aufführen – aus Sensibilität gegenüber Opfern der Nazi-Verbrechen. Erst 1971, fünf Jahre nach der Uraufführung am Broadway, wagte es ein Theater in Lübeck trotzdem, 1972 kam der Kinofilm mit neuen Songs und Liza Minnelli in der Hauptrolle in die Kinos. Heute ist „Cabaret“ Kult, zu erleben am Sonntag, 7. Dezember, 18 Uhr, auf der Bühne in der Zweibrücker Festhalle.
„Willkommen, bienvenue, welcome!“ begrüßt Anfang der 1930er Jahre der Conférencier seine Gäste im Berliner Kit-Kat-Club, wo die Sängerin Sally Bowles sich breitbeinig im knappen Dress mit Hut rittlings auf einen Stuhl setzt und mit ihren Frivolitäten die Blicke der Besucher auf sich zieht. Auch die des schüchternen Schriftstellers Cliff (im Film heißt er Brian). Als Sally entlassen wird und zu Cliff in sein Pensionszimmer zieht, beginnt eine turbulente, leidenschaftliche Affäre. Die ältliche Pensionsbesitzerin Fräulein Schneider findet ihr Glück beim Obsthändler Schultz, einem Juden (was im Film gar nicht vorkommt). Alle könnten glücklich sein, wären da nicht Hitlers Machtergreifung und die Vorzeichen der Nazi-Herrschaft: Braune Schlägertrupps ziehen durch Berlin, und jeder muss sich entscheiden, was er tut. So ist es kein Wunder, dass Cliff nach Amerika zurückkehrt. Zwar will er Sally mitnehmen, die von ihm schwanger ist, aber Sally will keine Mutter werden, träumt lieber weiter von einer Karriere, lässt das Kind abtreiben und geht in den Kit-Kat-Club zurück. Die Handlung der Bühnen- und die Filmversion unterscheiden sich ein bisschen, die Kammeroper Köln bringt die Broadway-Version auf die Bühne, in der jedoch auch alle Songs des Films zu hören sind, Welthits wie „Cabaret“, „Mein Herr“, „Money, Money“ oder „Maybe This Time“. Die Musik wird live von den Kölner Symphonikern gespielt. Die Kammeroper Köln wurde 1996 von den Schwestern Esther und Inga Hilsberg als gemeinnütziger Verein gegründet und arbeitet seitdem als Tourneetheater, hat aber auch ein festes Haus in Köln. (adi)