Zweibrücken Wie die Spiel- und Lernstube Sternenstaub mit klaren Regeln Kinder schützen will

Die Spiel- und Lernstube Sternenstaub ist jüngst in die Canadasiedlung umgezogen. Ein neues Konzept war daher nötig. Dieses ist
Die Spiel- und Lernstube Sternenstaub ist jüngst in die Canadasiedlung umgezogen. Ein neues Konzept war daher nötig. Dieses ist nun ausgezeichnet worden, berichtet Leiterin Billie Jean Paulus.

Die Spiel- und Lernstube Sternenstaub in Zweibrücken ist für ihr Schutzkonzept ausgezeichnet worden. Leiterin Billie Jean Paulus erklärt, was dahintersteht.

Die städtische Spiel- und Lernstube Sternenstaub ist für ein eigens erarbeitetes Konzept und Leitbild mit dem Präventionspreis der Unfallkasse Rheinland-Pfalz ausgezeichnet worden. Eine neue Konzeption war mit dem Umzug von der Webenheimstraße in die Ontariostraße erforderlich geworden.

Leiterin Billie Jean Paulus beschreibt das Werk als umfassendes Paket. „Die Konzeption beinhaltet den allgemeinen Teil, ein Leitbild, also alles, was dem Träger wichtig ist, eine pädagogische Konzeption mit unseren Methoden und Zielen, sexualpädagogische Konzepte und das institutionelle Schutzkonzept.“ Das Konzept müsse nach der Erarbeitung im Team dem Jugendamt vorgelegt werden, um eine Betriebserlaubnis zu erhalten. Oliver Patschuler von der Unfallkasse habe ihr vorgeschlagen, es für die Ausschreibung einzureichen. Besonders gefallen habe ihm das Gesamtbild der Konzeption und die Risikoanalyse. „Und, dass wir am Anfang gesagt haben, dass wir, um die Kinder bestmöglich zu schützen, erstmal klar machen müssen, was unsere Haltung ist im Team und die des Trägers“, vermutet Paulus.

Erwachsene sollen Macht über Kinder nicht ausnutzen

Zum Konzept gehört etwa ein Wertekompass, der Haltung und Teamkultur festhält. Beschrieben wird darin auch, wie mit Fehlern, Kritik, Nähe und Distanz umgegangen werden soll. Es sei darauf zu achten, die Macht als Erwachsener gegenüber den Kindern nicht auszunutzen.

Ein weiterer Punkt ist aus Sicht des Teams die Frage, warum ein solches Schutzkonzept überhaupt nötig ist. „Als Erzieher kommt man oft in Überforderungssituationen. Personalmangel, persönliche Probleme, herausfordernde Kinder, herausfordernde Eltern. Und das steht alles da drin, damit man versteht, wie es zu Übergriffen, Gewalt und Vernachlässigung kommt“, erklärt Leiterin Paulus.

Worauf genau bei einer Fahrt im Auto zu achten ist

Mit einem Verhaltenskodex und einer Verhaltensampel soll in der neuen Konzeption genauer geregelt sein, wie in bestimmten Situationen reagiert werden soll und wie das Verhalten von Erziehern eingeordnet werden kann. Das könne auch in Gesprächen mit Eltern eine Rolle spielen und die Fachkräfte in schwierigen Situationen absichern.

Wie konkret die Regeln gefasst sind, zeigt sich nach den Schilderungen von Paulus auch bei Ausflügen. „Wenn man mit den Kindern unterwegs ist im Auto, muss beachtet werden, dass die Kopfstütze richtig eingestellt ist. Kann etwas rumfliegen? Falls das Kind sich nicht anschnallen kann, frage ich erst, ob ich über es greifen und es anschnallen darf“, beschreibt Paulus. Auch für Elterngespräche oder für den Fall, dass ein Kind ohne Abmeldung fehlt, seien die Verhaltensregeln wichtig, um Risiken zu minimieren.

500 Euro Preisgeld soll „dem Kind dienen“

Die räumlichen Gegebenheiten seien auf den jetzigen Standort zugeschnitten und müssten bei einem weiteren Umzug angepasst werden. Trotz der bereits erarbeiteten Risikoanalyse bleibe die Konzeption in Bewegung. „Das ist eine stete Entwicklung“, findet sie. „Respektvoller Umgang, Wertschätzung und Akzeptanz – das sind die drei Worte, die unsere Haltung am Besten beschreiben“, fasst Billie Jean Paulus ihre Konzeption zusammen.

Mit der Auszeichnung ist für die Einrichtung ein Preisgeld von 500 Euro verbunden. Wofür es verwendet wird, steht noch nicht fest. „Das kommt darauf an, was gerade so das Thema und das Interesse ist. Ich denke, das besprechen wir mit den Kindern, und dann machen wir Ausflüge oder Anschaffungen. Irgendwas, was dem Kind dient“, bekräftigt Paulus.

Weitere Maßnahmen seien derzeit nicht geplant. Die Konzeption bleibe aber in Arbeit, auch weil neue Teammitglieder neue Ideen und Erfahrungen einbringen könnten. In der Spiel- und Lernstube betreuen derzeit zwei Erzieherinnen und eine Auszubildende 20 Kinder in den neuen Räumen in der Canadasiedlung. Eine dritte Stelle ist zu besetzen.

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