Zweibrücken
Wenn Bus und Bahn clever fahr’n, braucht keiner mehr ein Zweitauto
Ab 2030 soll der Zweibrücker Busverkehr komplett neu aufgestellt werden: Die Stadt soll teilweise wieder selbst dafür zuständig sein, Stichwort Rekommunalisierung, und Lücken sollen mit flexiblen Lösungen wie Anruftaxis oder Carsharing gefüllt werden. Bei letzterem setzt Oberbürgermeister Marold Wosnitza auch auf Unternehmen. „Ein, zwei Dienstwagen weniger, dafür Carsharing nutzen, dann lässt sich das rentabel betreiben“, meinte der OB in der Diskussionsrunde „ÖPNV neu denken“ mit der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Katrin Eder am Montag in der Festhalle.
Moderator Stefan Sachtleben von den Zweibrücker Grünen, die eingeladen hatten, wollte wissen, was das Land tut, um Zweibrücken in Sachen moderner öffentlicher Verkehr auf Zack zu bringen. Eder betonte, die Verknüpfung sei das A und O: Fahrpläne, Strecken, Haltestellen von Bussen, Zügen, Anruftaxis aufeinander abstimmen, mit Blick über den Tellerrand, nicht jede Kommune und jeder Verkehrsbetrieb für sich. Stadt und Umland aufeinander takten, auf dass der Nahverkehr und der Anschluss an den Fernverkehr klappt. Wobei es nicht das Ziel sei, dass alle aufs Auto verzichten, „aber vielleicht aufs Zweitauto“, so Eder.
Zahnräder, die ineinander greifen
Auf Sachtlebens Nachfrage, was Zweibrücken ab 2030 erwarten könne, sagte Eder: ein aufeinander abgestimmtes System mit regionalen Bahn-Hauptlinien als Rückgrat plus flexible (Bus-)Angebote der Kommunen. Das Land verzahne Bus und Bahn, habe dafür landesweit bereits 142 regionale Hauptlinien finanziert. Zweibrücken fehle noch, räumte Eder ein, aber: „Die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Homburg wird für Zweibrücken der Gamechanger sein.“ Zubringernetze würden landesweit ausgebaut. „Wenn man in Rheinland-Pfalz hinter irgendeinen Busch guckt, findet man überall stillgelegte Bahnstrecken.“ Deren Wiederbelebung werde geprüft.
In vier Jahren sollen nicht nur wieder Züge nach Homburg fahren. Dann endet auch der Vertrag mit der Stadtbus Zweibrücken GmbH, die zum Unternehmen Transdev gehört und aktuell das Zweibrücker Stadtbusnetz bedient. Dass OB Wosnitza damit sehr unzufrieden ist, hat er bereits mehrfach betont. Der „Fahrplan von 1973“ funktioniere nicht mehr, ein komplettes Umdenken sei nötig, meinte der Stadtchef auch am Montag. Man arbeite an einem Konzept, das mehrere Punkte berücksichtigt: den Stadt- und Überland-Busverkehr aufeinander abstimmen, überfüllte Busse auf der einen und Leerfahrten auf der anderen Seite vermeiden, den Schulbusverkehr ordentlich bedienen, der Einsatz von On-Demand-Kleinbussen (eine Weiterentwicklung der Anrufsammeltaxis) und Carsharing.
Carsharing: Firmen ins Boot holen
Er sei ein Fan von On-Demand, sagte der OB, auch wenn es „sauteuer“ sei, wie Eder zuvor erklärt hatte. „Von dem, was wir derzeit ausgeben, könnten wir auch jedem Fahrgast ein Taxi bezahlen“, gab Wosnitza zu bedenken. Ihm schwebe ein aufeinander abgestimmtes Großbussystem auf den Hauptstrecken vor, dazu flexible Kleinbusse, die auch nicht unbedingt an den vorhandenen Haltestellen halten müssen. Auf jeden Fall brauche die Kommune mehr Einfluss. Eine Partnerschaft mit einem Busunternehmen mit 51 Prozent städtischem Anteil wäre gut, so Wosnitza. Dazu ein Carsharing-Modell, bei dem etwa auch John Deere oder die Hochschule mitmachen. Dann sei Carsharing auch in einer kleinen Stadt finanzierbar. Man habe ein Konzept entwickelt, „dem sicher auch der Stadtrat zustimmen wird“, so Wosnitza.
In diesem Konzept spiele auch das Fahrrad eine Rolle, zu dem es zwei Anfragen aus dem Publikum gab. Susanne Lilischkis wollte wissen, was für die Einwohner getan wird, die aufs Rad umsteigen wollen oder das bereits getan haben. Wosnitza verwies auf den Radweg an der Steinhauser Straße, der in diesem Jahr verwirklicht werden sollen und bei dem es „noch Ärger geben wird“. Man brauche das Land und vor allem das Geld. Die Lückenschlüsse im Radwegenetz der Innenstadt würden angegangen. Zwischen Oberauerbach und Winterbach bewege sich etwas in Sachen Radweg. „Der Lückenschluss in Mittelbach ist noch nicht aufgegeben“, so der OB.
„Bus-Bahn-Bicycle“
Dominik Fey, Grünen-Landtagskandidat für den Wahlkreis Zweibrücken, sprach am Ende der Diskussion von einem „Bus-Bahn-Bicycle-Abend“ und betonte, dass Mobilität kein „Nice to have“ sei, sondern Daseinsfürsorge.