Zweibrücken Warum Zweibrücken eine wichtige Rolle für die Pressefreiheit spielt

Nur eine freie Presse könne für die politische Emanzipation der Völker sorgen und die Bildung eines demokratischen deutschen Nat
Nur eine freie Presse könne für die politische Emanzipation der Völker sorgen und die Bildung eines demokratischen deutschen Nationalstaates in die Wege leiten, schrieb der in Homburg lebende Johann Georg August Wirth in seinen Aufsatz »Deutschlands Pflichten«, veröffentlicht im Februar 1832.

Vor 200 Jahren wurde in Zweibrücken und Homburg für die Pressefreiheit gekämpft. Worte der Freiheit wurden auf Pressen der Dinglerwerke Zweibrücken gedruckt.

Jede Spalte dieser Zeitung ist bedruckt, nichts ist der Zensur zum Opfer gefallen. Ganz anders die Ausgabe der „Zweibrücker Zeitung“ vom 4. August 1832: Fast die komplette Titelseite blieb leer, einzig „Deutsche Mitbürger“ ist dort zu lesen. Auch die Hälfte der zweiten Seite blieb unbedruckt. Das war kein Einzelfall in Zeiten der Zensur.

Zensiert: Die Titelseite der „Zweibrücker Zeitung“ vom 4. August 1832.
Zensiert: Die Titelseite der »Zweibrücker Zeitung« vom 4. August 1832.

Damals haben insbesondere drei Männer für Pressefreiheit in Zweibrücken, in der Region und in ganz Deutschland gekämpft: Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1789-1845), Johann Georg August Wirth (1798-1848) und Friedrich Schüler (1791-1873). Alle drei waren studierte Juristen; Siebenpfeiffer und Wirth betätigten sich aber auch journalistisch.

Mit Weißraum: Auch auf dieser Seite der „Zweibrücker Zeitung“ vom 4. August 1832 wurde zensiert.
Mit Weißraum: Auch auf dieser Seite der »Zweibrücker Zeitung« vom 4. August 1832 wurde zensiert.

Als Journalisten setzten sie sich für Pressefreiheit, politische Freiheit und Demokratie ein. Siebenpfeiffer gab die Zeitschrift „Rheinbayern“ und „Der Bote aus Westen“ heraus, Wirth die „Deutsche Tribüne“. Und Schüler? Er war derjenige, der dafür herhalten musste, dass zu seinen Ehren zwei Festbankette abgehalten wurden – die eigentlich einem anderen Zweck dienten. Weil politische Versammlungen mit mehr als 20 Personen verboten waren, veranstaltete man sogenannte Festbankette, die keiner verbieten konnte.

Rufe nach Reformen

Zum Kontext: Nach dem Wiener Kongress wurde die linksrheinische Pfalz – Rheinbayern oder Rheinpfalz – 1816 an Bayern angegliedert. Maximilian I. Joseph war fortan auch König über die Pfalz und die Saarpfalz; sein Sohn Ludwig I. folgte ihm 1825.

Am 5. Mai 2026 ist Tag des Lokaljournalismus.
Am 5. Mai 2026 ist Tag des Lokaljournalismus.

Hatte man sich zunächst mit der neuen Regentschaft große Hoffnungen gemacht, wurden diese bald gedämpft. Mit dem Anschluss an Bayern hatte sich die finanzielle und wirtschaftliche Situation der Bürger verschlechtert. So flossen etwa Steuereinnahmen nach München, und Missernten führten zu weiterer Armut. Der Ruf nach Reformen wurde laut – nicht zuletzt nach der Julirevolution 1830 in Paris.

Weiter gilt liberales französisches Recht

Zweibrücken profitierte also nicht wirklich von der Angliederung an Bayern, zumal Speyer zum Sitz der Kreisregierung ernannt wurde. Als Entschädigung erhielt Zweibrücken das Appellationsgericht, das höchste Gericht Rheinbayerns. Der Grundstein für Zweibrücken als Justizstadt war gelegt. In der Rheinpfalz galt weiterhin – auch unter bayrischer Herrschaft – das liberalere französische Recht. Deshalb zog es liberale Juristen und Journalisten in die Stadt.

Philipp Jakob Siebenpfeiffer war Mitinitiator des Hambacher Fests.
Philipp Jakob Siebenpfeiffer war Mitinitiator des Hambacher Fests.

Zu dieser Zeit war Siebenpfeiffer, der aus Lahr im Schwarzwald stammte, Landcommissär in Homburg. Der Titel ist mit dem späteren Landrat vergleichbar. Weil er sich in seiner Zeitung „Rheinbayern“ für die liberale Bewegung starkmachte, wurde er als Staatsdiener strafversetzt. Die ihm zugewiesene neue Stelle trat er aber nicht an, sondern widmete sich fortan ganz seiner journalistischen Tätigkeit.

Das Sprachrohr der Demokratiebewegung

Die Zweibrücker Christian Culmann und der aus Bad Bergzabern stammende Friedrich Schüler saßen ab 1831 im bayrischen Landtag. Sie gehörten der Opposition an, wobei Schüler die radikaleren Liberalen anführte und Culmann die gemäßigteren. Nach Ende der Landtagsverhandlungen wurden beide in Zweibrücken wie Helden empfangen.

Friedrich Schüler starb 1848 im Lothringer Exil.
Friedrich Schüler starb 1848 im Lothringer Exil.

Zu Ehren Schülers fand am 29. Januar 1832 ein offizielles Festbankett mit 350 Personen im Gasthaus Ladenberger in Bubenhausen statt – dort, wo sich heute eine Apotheke befindet. Im Anschluss wurde im Gewölbekeller des Gasthauses der „Deutsche Vaterlandsverein zur Unterstützung der freien Presse“ gegründet, kurz „Pressverein“ genannt. Sprachrohr der Demokratiebewegung war ab 1832 die „Zweibrücker Zeitung“, die nicht selten zensiert wurde.

Freie Presse für politische Emanzipation unabdingbar

Johann Georg August Wirth stammte aus Hof an der Saale und war von München nach Homburg übergesiedelt. Am 3. Februar 1832 veröffentlichte er in der „Deutschen Tribüne“ seinen Aufsatz „Deutschlands Pflichten“. Dieses Programm des neuen Vaterlandsvereins war auch in weiteren liberalen Blättern und in Flugschriften zu lesen. Wirth beklagte die Unterdrückung durch das Regime; nur eine freie Presse könne für die politische Emanzipation der Völker sorgen und die Bildung eines demokratischen deutschen Nationalstaates in die Wege leiten.

Außerdem warb Wirth dafür, Mitglied im neuen Press- und Vaterlandsverein zu werden, damit die Presse trotz Zensur und Versiegelung der Druckerpressen und Verhaftungen von Journalisten weiter ihre Aufgabe erfüllen könne. Der Verein hatte bald 5000 Mitglieder und verbreitete sich über die Grenzen Rheinbayerns hinaus.

Wirths Druckerpresse wird versiegelt

Am 2. März 1832 verhängte die Bundesversammlung des Deutschen Bundes Verbote für Siebenpfeiffers „Rheinbayern“ und „Westboten“ sowie über Wirths „Deutsche Tribüne“. Um dieses Verbot durchzusetzen, wurde Wirths Druckerpresse in seiner Wohnung versiegelt. Wirth kam ins Gefängnis, wurde aber am 14. April 1832 wieder freigelassen.

Die von Johann Georg August Wirth genutzte Druckerpresse wurde in Zweibrücken um das Jahr 1829 von Dingler gebaut.
Die von Johann Georg August Wirth genutzte Druckerpresse wurde in Zweibrücken um das Jahr 1829 von Dingler gebaut.

Kurz darauf stand das zweite Schülerfest an, wiederum ein Festbankett, diesmal unter dem Vorwand, Schüler einen Ehrenbecher übergeben zu wollen. Es fand am 6. Mai 1832 in einem Zelt im Garten des Zweibrücker Gasthauses „Tivoli“ statt; Hunderte kamen. Schüler kritisierte in seiner Rede die hohen Staatsausgaben, soziale Missstände und die Angriffe auf die Pressefreiheit.

Siebenpfeiffer und Wirth im Gefängnis

Ihren Höhepunkt fanden die Freiheitsbestrebungen im Hambacher Fest am 27. Mai 1832, mitorganisiert von Siebenpfeiffer, Wirth und Schüler. Tausende kamen. Siebenpfeiffer und Wirth wurden verhaftet; Schüler entzog sich einem Prozess und floh nach Frankreich.

Siebenpfeiffer und Wirth wurde in Landau der Prozess gemacht. Beide wurden freigesprochen vom Vorwurf der „Aufreizung zum Umsturz“, später aber wegen Beamtenbeleidigung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Siebenpfeiffer floh aus dem Zweibrücker Gefängnis und begab sich in die Schweiz; dort arbeitete er wieder als Jurist. Wirth wollte sich – obwohl man ihm dies anbot – nicht befreien lassen und saß seine Zeit im Zuchthaus ab.

Nach dem Hambacher Fest erhöhte die Regierung den Druck, Versammlungs- und Pressefreiheit wurden weiter eingeschränkt.

Um Zeitschriften und Flugblätter zu drucken, brauchte man Druckerpressen. In Zweibrücken war man da direkt an der Quelle: Führend bei der Herstellung von Druckerpressen waren die 1827 von Christian Dingler (1802-1858) gegründeten Dinglerwerke.

Der Zweibrücker Drucker und Verleger Georg Ritter

Wer von historischen Druckerpressen spricht, darf einen Namen nicht vergessen: den von Georg Ritter (1795-1854). Er war Zweibrücker Verleger und Druckereibesitzer in der Zweibrücker Pfarrgasse, der heutigen Ritterstraße, und überdies der Schwiegervater von Christian Dingler, der 1828 Ritters Stieftochter Friederike Wilhelmine geheiratet hatte.

Ritter galt als hervorragender Drucker. Er war ein Unterstützer der liberalen Ideen, druckte Siebenpfeiffers „Rheinbayern“ und dessen „Bote aus Westen“ sowie zeitweise Wirths „Deutsche Tribüne“ und zahlreiche liberale Flugschriften. Auch behauptete er sich auf dem kommerziellen Markt und druckte unter anderem 30.000 Exemplare des Unionsgesangbuchs.

Weiterlesen

„Demokratisch bis zum Anschlag. Stürmische Jahre der Saarpfalz“ von Wolfgang Kerkhoff mit Illustrationen von Volker Schmidt-Gliaugir, Conte-Verlag, ISBN 978-3-95602-299-9, 20 Euro.

Einen Meinungsbeitrag zu diesem Thema finden Sie hier.

Die historische Wirth-Presse soll wieder funktionsfähig gemacht werden.
Die historische Wirth-Presse soll wieder funktionsfähig gemacht werden.
x