Zweibrücken Warum die AfD-Kandidaten so viele Stimmen bekommen haben

Bei der Auszählung der Stimmen am Sonntagabend – hier die Stimmzettel zur Europawahl.
Bei der Auszählung der Stimmen am Sonntagabend – hier die Stimmzettel zur Europawahl.

Unbekannte AfDler haben bei der Stadtratswahl mehr Personenstimmen bekommen als gestandene Politiker, die sich seit Jahren in Zweibrücken engagieren. Der Grund ist einfach.

Christoph Gensch (CDU) hat bei der Stadtratswahl am Sonntag die meisten Personenstimmen bekommen. Mit 10.065 Stimmen übersprang er als einziger Kandidat die 10.000er-Marke. Dahinter folgen alle acht gewählten AfD-Kandidaten, jeder mit über 8000 Stimmen. Mehr als Bürgermeister Christian Gauf, die Beigeordnete Christina Rauch und andere CDU-Kandidaten und mehr als die Erstplatzierte der SPD, Rebecca Wendel. Dass AfD-Leute, die in Zweibrücken kommunalpolitisch kaum bekannt sind und im Wahlkampf nicht in Erscheinung getreten sind, so gut abschneiden, bedeutet nicht, dass 8000 Zweibrücker bei ihnen ihr Kreuz gemacht haben: Die AfD hatte nur 13 Kandidaten aufgestellt und deshalb jeden Platz dreifach besetzt, um möglichst wenige Stimmen zu verschenken. Wer einfach nur die AfD-Liste angekreuzt hat, hat somit jedem Kandidaten drei Stimmen gegeben. Teilt man die AfD-Ergebnisse durch drei, kommen die Kandidaten auf 2700 bis 2900 Stimmen.

Bei der Kommunalwahl hat jeder Wähler so viele Stimmen wie der Rat Sitze hat. Beim Zweibrücker Stadtrat sind das 40. Diese Stimmen darf man über die Listen verteilen. Anders als bei der Europawahl darf man nicht nur eine Partei wählen, sondern die 40 Stimmen auch Kandidaten verschiedener Parteien geben. Man darf sogar Kandidaten bis zu drei Stimmen geben. Wer sich die Mühe nicht machen will, gezielt Personen auszuwählen, kann auch einfach ganz oben die Liste ankreuzen. Dann werden die Stimmen auf diese Liste von oben nach unten verteilt. Dieses Anhäufen und Verteilen von Stimmen ist das sogenannte Kumulieren und Panaschieren.

AfD hat sogar Stimmen verschenkt

Parteien, die keine 40 Kandidaten zusammenbekommen, dürfen die Plätze auf ihrer Liste dreifach besetzen. Das hat die AfD ebenso getan wie Die Partei. Die FDP hatte nur 28 Kandidaten und hat deshalb die ersten sechs Plätze dreifach besetzt, um auf 40 zu kommen. AfD und Die Partei haben somit sogar Stimmen verschenkt: Wer nur AfD ankreuzte, hat nur 39 Stimmen vergeben, keine 40 – drei Kreuze für jeden der 13 Kandidaten. Die Partei hatte nur sieben Kandidaten, ein Kreuz für die Liste waren demnach nur 21 Stimmen – drei für jeden der sieben.

Dass die AfDler alle über 8000 Stimmen haben, bedeutet nicht, dass sie in den Rat eingezogen sind, weil sie mehr Stimmen als die Kandidaten der anderen Parteien haben. Die Personenstimmen sind erst im zweiten Schritt wichtig. Denn die Sitze werden nicht nach der Anzahl der Einzelstimmen vergeben. Zunächst wird anhand aller Stimmen ausgerechnet, welcher Partei wie viele Sitze zustehen. Und diese Anzahl der Sitze geht dann an die Kandidaten, die innerhalb der eigenen Liste die meisten Stimmen bekommen haben. Klettern oder nach unten rutschen kann man nur innerhalb der eigenen Liste. Die CDU hat 12 Sitze geholt. Aber Heinrich Grim und Thomas Eckerlein haben so viele Personenstimmen bekommen, dass sie von 14 und 13 nach vorne gehievt wurden und im neuen Rat sitzen. Bei der SPD (9 Sitze) hat es Walter Rimbrecht von 11 auf 6 geschafft. Bei der FWG (4 Sitze) Thomas Körner von 19 auf 4.

x