Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Aaron Schmidt kein Partei-Mitglied mehr ist

Im Januar, vor der Bundestagswahl, hatte Aaron Schmidt für die Partei noch Unterstützer-Unterschriften gesammelt.
Im Januar, vor der Bundestagswahl, hatte Aaron Schmidt für die Partei noch Unterstützer-Unterschriften gesammelt.

In Zweibrücken waren die Partei namens Die Partei und Aaron Schmidt fast ein und dasselbe. Jetzt ist das Stadtratsmitglied ausgetreten und plant etwas ganz Neues.

Als Solist vertrat er im Stadtrat die Satirepartei Die Partei; in Zweibrücken, um Zweibrücken und um Zweibrücken herum war er deren Gesicht. Am Samstag ist Aaron Schmidt nach zehnjähriger Mitgliedschaft ausgetreten und hat seinen Parteiausweis nach Berlin zurückgeschickt. Sein „geliebtes Mandat im Zweibrücker Stadtrat“, wie er es nennt, behält er aber. „Schließlich wurde ich bei der letzten Kommunalwahl vor allem als Person gewählt, und nicht, weil ich für Die Partei kandidiert habe“, ist sich Schmidt sicher. „Deshalb kann ich es auch nicht nachvollziehen, wenn einige Leute mir mein Festhalten am Stadtratssitz jetzt als Arroganz auslegen möchten.“

Bei der einst als Spaßpartei angetretenen Bewegung war der Zweibrücker „lange Zeit überzeugt“ gewesen, „das Ruder herumreißen zu können. Aber das kann ich wohl nicht. Und, viel wichtiger, ich will auch nicht mehr.“ Den Kurs des Gründers Martin Sonneborn mag Schmidt ohnehin nicht länger mittragen: „Ich habe keine Lust mehr, mich für Martin Sonneborn zu rechtfertigen.“ Dem Bundesvorsitzenden der Partei, der von 2000 bis 2005 Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“ war und seit 2014 im Europa-Parlament sitzt, wirft Schmidt im Gespräch mit der RHEINPFALZ „viele Verfehlungen in den letzten Jahren“ vor – „von dümmlichen, rassistischen Posts über die Unterschrift unter Sahra Wagenknechts sogenanntem Friedensmanifest bis hin zum nicht eingehaltenen Versprechen, sich innerhalb der Partei des Themas Sexismus anzunehmen“.

Keine Lust auf Fleischkäs-Mahnwachen

Aaron Schmidt: „Martin Sonneborn hat um sich herum eine Unangreifbarkeit entwickelt. Seine Anhänger behandeln ihn wie einen Gott. Und so scheint er sich inzwischen auch zu fühlen. Kritik wird nicht zugelassen.“ Nicht mehr hinnehmen möchte es der Zweibrücker, dass in der Partei vor lauter Jux und Satire „die Realpolitik regelrecht verteufelt“ werde. „Während vom kleinen Partei-Fußvolk erwartet wird, dass es sich von der Realpolitik fernhält, wird genau die im Europa-Parlament von Martin Sonneborn betrieben.“ Schmidt sagt, er habe keine Lust mehr auf sinnfreie Spaß-Aktionen wie „Mahnwachen für Fleischkäsweck“. „Ich liebe Satire als politisches Stilmittel, jedoch sollte man eine politische Botschaft noch erkennen können.“ Denn auch auf kommunaler Ebene könne man „Satire machen, die sich aber mit ernster Politik beschäftigt“. Der 50-Jährige erklärt, er wolle „mehr Realität wagen“. Dies hat er in der Vergangenheit unter anderem als Organisator von Demonstrationen für Demokratie und gegen Rechts getan.

Aaron Schmidt
Aaron Schmidt

Aaron Schmidt, der im Berufsleben als Integrationskraft an der Canadaschule Zweibrücken tätig ist, verortet sich selbst politisch „sozialer als die SPD, grüner als die Grünen, linker als die Linken und christlicher als die CDU. Obwohl ich mich nicht als Christ bezeichne, stehe ich auf christliche Werte. Und vor allem möchte ich eine echte Alternative bieten – zu den Rechtsextremen.“

Neue Bewegung startet in Zweibrücken

Um seine politischen Vorstellungen umzusetzen, so Schmidt, wolle er jetzt „ein neues Projekt erschaffen“. Womit er offenbar die Gründung einer neuen Partei meint. „Ich habe schon einige Menschen um mich geschart, die Interesse haben.“ Mit seiner neuen Bewegung, die noch keinen Namen hat, möchte Aaron Schmidt „erst mal hier vor Ort in Zweibrücken anfangen. Mal sehen, was sich daraus entwickelt. Vielleicht wird es ja zu etwas Größerem.“

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