Meinung
Videoüberwachung und mehr Polizeistreifen verhindern die meisten Straftaten nicht
Es ist wieder passiert: Am Sonntag hat ein Zweibrücker einen Bekannten mit einem Teppichmesser verletzt. Ungute Erinnerungen werden wach an das halbe Jahr zwischen Frühjahr und Herbst 2024, als in Zweibrücken mehrere zum Teil schwere Gewalttaten geschahen, oft mit einem Messer als Tatwaffe und immer wieder auch mit tödlichem Ende.
Viele schwere Gewalttaten im Sommer 2024
Im März 2024 verletzte ein Asylbewerber einen Mitbewohner in Ernstweiler, im Mai gab es einen ähnlichen Fall in Bubenhausen. Im Juni fand die Polizei dort die Leichen eines Mannes und einer Frau. Der Verdacht: Der Mann hat seine Ex-Freundin getötet und danach sich selbst umgebracht. Im Gebäude gegenüber war schon im Dezember zuvor eine Frau umgebracht worden. Mutmaßlicher Täter: ihr Ehemann, der sich in der Untersuchungshaft das Leben nahm. Im Juli 2024 stach eine Frau hinter der Hallplatzgalerie einem Bekannten mit einer Nagelschere oder einem Augenbrauenzupfer in den Oberschenkel. Bei einer Schülerparty im gleichen Sommer verletzte ein Gymnasiast drei Mitschüler mit einer Glasflasche und einem Messer – wobei die letzten beiden Beispiele weniger schwerwiegend waren als die übrigen hier genannten. In Althornbach wurde im August eine Frau erstochen. Sofort stand ihr Ehemann unter Verdacht. Ebenfalls im August tötete ein Zweibrücker einen Mitbewohner in einem Wohnblock in der Webenheimstraße mit einem Messer.
Und dennoch: Zweibrücken ist deshalb keine unsichere Stadt, in der man Angst haben muss und sich nicht mehr auf die Straße trauen kann. Die oben erwähnten Fälle haben eines gemeinsam: Täter und Opfer haben sich gekannt. Sie haben zusammen gelebt, waren befreundet oder zumindest miteinander bekannt. Die (mutmaßlichen) Täter waren Mitbewohner, Ehemänner, (Ex-)Freunde. Dazu kommt: Der Sommer 2024, als jeden Monat mindestens eine wirklich schwere Straftat geschah, war eine Ausnahme.
Eine der sichersten Gegenden in ganz Deutschland
Natürlich kommt es vor, dass Menschen unvermittelt und zufällig Opfer von Straftaten werden. Auch von schweren. Auch in Zweibrücken. Doch solche Fälle sind selten. Und natürlich müssen Polizei und Politik ernst nehmen, dass es Menschen gibt, die in der Stadt ein mulmiges Gefühl haben. Doch zur Wahrheit gehört auch: Es gibt Menschen, die diese Angst gezielt schüren, weil sie daraus politisch Kapital schlagen wollen. Das ist nicht nur unredlich, es widerspricht auch den Tatsachen. Die Polizei sagt klipp und klar: Die vielen Tötungsdelikte im Sommer 2024 waren ungewöhnlich und eine Ausnahme, Zweibrücken ist keine gefährliche Stadt, und die Südwestpfalz gehört zu den sichersten Gegenden in ganz Deutschland.
Weil sich Täter und Opfer bei schweren Straftaten häufig vorher kannten, ist hier nicht nur die Aufklärungsquote hoch, sondern auch die Dunkelziffer. Was hinter verschlossenen Türen in den Häusern und Wohnungen geschieht, bleibt oft ebenso im Verborgenen wie die zunehmende Internetkriminalität, etwa die Verbreitung von Kinderpornografie. Dagegen helfen weder Videoüberwachung noch mehr Polizeistreifen.
Was wirklich hilft
Wer wirklich verhindern möchte, dass es zum tödlichen Streit in sozialen Brennpunkten kommt, dass ein Mann sein Ehefrau umbringt, dass ein Asylbewerber seinen Mitbewohner ersticht, der darf nicht danach nach strengeren Gesetzen, mehr Überwachung oder der Schließung von Grenzen rufen. Der muss vorher ansetzen. Mit Sozialarbeit, Betreuung, Bildung, menschenwürdigen Unterkünften, finanzieller Unterstützung von Frauenhäusern und Beratungsstellen und auch mehr Ermittlern. Das kostet Zeit und Geld. Doch gerade dadurch zeigt sich, ob es jemand mit der Sorge um die Sicherheit ernst meint oder nur von der Angst der Menschen profitieren möchte.