Zweibrücken Verkannter Demokrat
Er schrieb einen Katechismus der besonderen Art, nämlich den politischen „Bürgerkatechismus für Teutschland“. In dieser Schrift wendet sich Daniel Friedrich Ludwig Pistor, geboren am 29. Juni 1807 in Bergzabern, gegen die zu seiner Zeit herrschenden politischen Verhältnisse. Pistor trat öffentlich ein für eine Republik als Staatsform und eine aus dem Volk gewählte und dem Volk verantwortliche Regierung für ein geeintes Deutschland.
Der Sohn eines Eisenhändlers machte in Zweibrücken sein Abitur und studierte anschließend in München Jura. Als Mitglied einer Burschenschaft war es für ihn selbstverständlich, beim Hambacher Fest dabei zu sein und das Wort zu ergreifen. Für seine aufrührerische und obrigkeitskritische Rede wurde er vom Assisengericht in Landau zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Das Appellationsgericht in München verurteilte Pistor wegen seines politischen Katechismus zu Festungshaft. Beide Gerichtsurteile wurden in seiner Abwesenheit ausgesprochen. Er kam seiner Verhaftung zuvor und setzte sich nach Metz ab. Weil er als linksrheinischer Bewohner der napoleonischen Zeit seinen Wohnsitz in Bergzabern hatte, war er Franzose und konnte sich in Metz als Anwalt niederlassen. Im Jahr 1848 wurde er amnestiert und konnte dadurch wieder seiner Heimatstadt Bergzabern Besuche abstatten. Dort baute er sich ein Landhaus und befasste sich mit der Rebzucht. Weiterhin erhielt er als französischer Staatsbürger in Metz mit dem Namen Frédéric Louis Pistor eine Anwaltskanzlei. Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 mit der Folge der deutschen Reichsgründung wurde Metz deutsch – und Pistor somit deutscher Staatsbürger. Er begrüßte den Mut der deutschen Krieger und Feldherren, die endlich Frankreich von der Herrschaft der Napoleoniden befreit hatten. Der Kämpfer für die Demokratie starb am 7. August 1886 in Bergzabern. Neben anderen Vorkämpfern für ein geeintes Deutschland und die Demokratie ist auf dem Mühlberg eine Straße nach ihm benannt.