Saarbrücken Ursel Kesslers monumentale Architekturbilder

Ursel Kesslers „Fabrik 23“ (2012) ist ein monumentales Acrylgemälde, das neue Perspektiven erschließt.
Ursel Kesslers »Fabrik 23« (2012) ist ein monumentales Acrylgemälde, das neue Perspektiven erschließt.

Die Werke von Ursel Kessler, 1944 in Bexbach geboren, sind seltsamerweise in der Pfalz kaum bekannt. Deshalb kann man jetzt in der Saarbrücker Kuba staunen.

Eigentlich wollte Ursel Keller Architektur studieren. Das klappte nicht, sie studierte schließlich Mathematik und Physik und arbeitete als Lehrerin. All das spiegelt sich in ihren Gemälden wider, der Kunst, zu der sie ab 1980 fand. Im Jahr 2000 ließ sich Kessler von der Schule freistellen, um nur noch zu malen.

Die Biografie zeigt schon, dass hier eine ungewöhnliche Künstlerin am Werk ist, die auch heute, mit 80 Jahren, noch ungewöhnliche und kraftvolle Bilder malt, wie man sie selten sieht. Dabei zeigt die Galerie im Saarbrücker Kuba (Kulturbahnhof, hinter dem Hauptbahnhof) fast nur Arbeiten, die seit 2010 entstanden sind , ihr Alterswerk.

Grau und Weiß

Zentral platziert sind ihre monumentalen Gemälde industrieller Hallen: Gänge, Gestänge, Balken und Decken zeigen eine Schönheit, die man sonst nie sieht , weil man in die Hallen nicht hineindarf, weil sie menschenleer sind, weil sie hell sind, weil nur wenige Linien in Rot, Gelb oder Schwarz darin fast schon zu eigenständigen Werken werden. Denn Grau und Weiß sind die dominanten Farben, mit denen Kessler ihre weitläufigen Räume definiert. Man muss diese Architektur auf sich wirken lassen. Ob es reale Räume sind – die Malerin besuchte früher die Burbacher und die Völklinger Hütte und Fabriken – oder reale, lässt sich schwer sagen.

„Da zwischen Räume“ nennt Ursel Kessler ihre Ausstellung, die Lust macht, die Räume, die man auf ihren Acrylgemälden sieht, zu hinterfragen, vor allem, was ihre Strukturen, ihre Bauweise angeht. Manchmal betont Kessler dicke tragende Balken, die man normalerweise gar nicht wahrnimmt.

Ursel Keller: „Grüne Gleise“ (2014), Acrylgemälde
Ursel Keller: »Grüne Gleise« (2014), Acrylgemälde

Quasi zur Einführung in ihre Welt gibt es eine Wand mit zwei Dutzend schwarz-weißen kleinformatigen Acrylbildern auf Pappe. Sie zeigen Architekturdetails, aber auch das, was sonst fehlt: einzelne Menschen, die in ihren Proportionen genauso akkurat und doch lässig ausgeführt sind wie Torbögen, Wege am Boden und hochragende Türme.

Was auf den ersten Blick abstrakte Gebilde sein könnten, erweist sich bei näherer Betrachtung als Ansichten aus der Vogelperspektive. Was dank des Blicks aus größerer Entfernung auf eine grüne Fläche eine Wiese sein könnte, entpuppt sich als „Grüne Gleise“. Kesslers Pinselstrich ist oft grob, wuchtig, dynamisch. Die Grenzen zwischen Architektur und Landschaft verwischen – durch den Blickwinkel und die Art des Farbauftrags.

Den meisten Arbeiten gibt sie gar keine Titel, Der inzwischen schon etwas geschulte Ausstellungsbesucher soll sich seine Räume schon selbst erarbeiten. Doch dann gibt es noch eine andere Gruppe von Arbeiten, quasi der Gegenpol zu den kantigen, harten Welten: Kreise, ovale Formen. Doch türmen die sich nicht zu neuen Architekturen auf?

Info

Ursel Kessler: „Da zwischen Räume“, Malerei, Saarbrücken, Galerie im Kulturbahnhof, Europaallee 25, bis 17. Mai, geöffnet Donnerstag, Sonntag 14-18 Uhr. Dienstag, Mittwoch, Freitag 10-16 Uhr, geschlossen: 14. Mai.

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