Auszeichnung
Topkoch aus Zweibrücken: Michelin-Stern für Marco Wahl
Für die allermeisten Menschen sind Sterne unerreichbar. Als Astronaut kommt man ihnen immerhin nah, als Spitzenkoch kann man zumindest nach ihnen greifen. Marco Wahl ist kein Astronaut, aber Spitzenkoch. Seit dieser Woche gehört ihm ein Stern. Der 40-Jährige aus Zweibrücken hat ihn sich als Küchenchef des Brandenburger Restaurants „Sawito“ erkocht. Am Dienstag hielt er ihn in Händen: im Palmengarten Frankfurt. Erfahren hat er von der Auszeichnung erst bei der Verleihung vor Ort.
Gelobt wird insbesondere Wahls Küche: In dem laut Guide Michelin „sympathischen Restaurant“ sorge der Niederauerbacher für „moderne Gerichte mit klassischer Basis“. Gekonnt bringe er Qualität, Geschmack und Ausdruck auf den Teller. Restlos überzeugt habe sie der „saftige, punktgenau rosa gebratene Lammrücken mit schön reduzierter aromatischer Lammjus, begleitet von orientalisch gewürztem Linsenragout, erfrischendem Joghurt und Brunoise von getrockneten türkischen Aprikosen“, schreiben die Testesser in ihrer Begründung.
Nun muss man wissen, dass es für den Griff nach den Sternen nicht reicht, einmal inkognito vorbeikommende Experten zu überzeugen. Vielmehr muss das Niveau über einen längeren Zeitraum auf absolutem Toplevel sein. Für Marco Wahl fühlt sich die Auszeichnung auch Tage danach noch fast surreal an: „Ich muss das alles erst mal für mich verarbeitet bekommen. Mit dem Stern ist ein beruflicher Lebenstraum in Erfüllung gegangen.“
Als die RHEINPFALZ bei ihm anfragt, geht es im „Sawito“ hoch her. „Die Reservierungen flattern gerade nur so rein“, sagt Wahl. Ausgezeichnete Küche spricht sich offenbar rum. Einen Stern verleiht der Guide Michelin nicht auf Lebenszeit. Wer einen erkocht, muss ihn verteidigen. Wie kommt er mit diesem Druck zurecht? „Es kommt ja immer drauf an, wie man mit der Ehre umgeht. Ich bin und bleibe eher der entspannte Typ. Letztlich müssen wir doch einfach genau so weitermachen wie bisher. Und das werden wir auch tun“, erzählt Wahl.
Weniger überrascht als Wahl selbst dürften die Gäste des „Sawito“ über den Stern gewesen sein. Bei Google sammelt das Restaurant in Falkensee schon seit Monaten eine Bestbewertung nach der anderen ein. Eine wichtige Währung in diesen Zeiten.
Der Pfälzer hat seine Kochkunst über die vergangenen 20 Jahre hinweg immer weiter verfeinert. Angefangen hat alles im Kloster Hornbach, wo er das Handwerk erlernte. Die Stationen Schlosshotel Bergzaberner Hof, Brenners Park-Hotel & Spa und Ellington Hotel Berlin führten ihn schließlich ins „Sawito“. Ein Glückstreffer für beide Seiten: „Die Eigentümer haben mir vom Start weg freie Hand gelassen. Dieses Vertrauen trägt mich bis heute. Zu Beginn musste ich mich mit meinem Team zusammen behutsam an den Geschmack unserer Gäste herantasten. Aber das ist uns gut gelungen. Es gibt nichts Schlimmeres, als an den Wünschen der Besucher vorbeizukochen“, sagt Marco Wahl.
Seiner Zweibrücker Heimat bleibt er verbunden. Regelmäßig besucht der 40-Jährige Familie und Freunde in der Pfalz. Die freudige Nachricht über den Stern ergänzte seine Familie denn auch mit dem Hashtag „#zweibrückerbub“.
Verrückte Randnotiz: Wahls Elternhaus steht in unmittelbarer Nähe zu dem von Thorsten Hauk. Hauk hat sich 2024 einen Michelin-Stern erkocht, ist angestellt in der Villa Mittermeier in Rothenburg ob der Tauber. Niederauerbach – das Mekka der Spitzenküche? Es scheint fast so.
Und wie ist das nun, wenn man als Spitzenkoch in die Heimat kommt? Muss man da für Freunde und Familie ein Essen nach dem anderen zaubern? „Meine Freunde fordern das zum Glück nicht von mir. Die fragen eher mal nach Tipps und Tricks“, lacht Wahl. Mit seinem Bruder Alexander kocht er gerne zusammen. Der ist Serviceleiter in der Fasanerie, hat Marco Wahl damals auf den Beruf des Kochs gebracht.
Ein Irrglaube sei übrigens, dass Topköche privat auch nur Spitzenküche genießen. Marco Wahl, der regelmäßig neue ausgefallene Menüs kreiert, isst selbst am liebsten Pasta in allen Varianten. „In der Heimat freue ich mich aber auch über Saumagen oder einen Fleischkäseweck vom Globus“, sagt er.