Zweibrücken
Tempo 30: Rimschweilers Einwohner stimmen mit den Füßen ab
„Der Verkehr und die Lärmbelastung sind schon immer ein großes Thema, erklärte Ortsvorsteher Klaus Fuhrmann einleitend bei der Einwohnerversammlung in der Rimschweiler Kultus-Halle. Viele Möglichkeiten seien besprochen worden, etwa ob man die Ampel über die Geschwindigkeit regeln könnte und ob ein Fahrbahnteiler an der Einfahrt zum Ortsteil aus Richtung Zweibrücken eine bremsende Wirkung hat. „Letztendlich hatten wir lange eine Vollsperrung und wissen nun nicht, ob der Teiler wirklich viel gebracht hat“, sagte Fuhrmann kritisch. Trotz der Entlastung über die L700 sei die Verkehrsberuhigung immer noch ein dringender Wunsch der Bürger gewesen.
Messergebnisse werden angezweifelt
Durch die Ergebnisse der schalltechnischen Untersuchungen durch den Landesbetrieb Mobilität (LBM) im vergangenen Jahr lasse sich jeweils von 22 bis 6 Uhr Tempo 30 auf der Durchfahrtstraße einführen. „Tagsüber haben wir die Grenzwerte nicht überall erreichen können, aber nachts liegen diese tiefer, und da wäre es möglich“, erklärte Fuhrmann. Der Zweibrücker Polizist Florian Klein ergänzte, dass in den vergangenen Jahren dreimal Geschwindigkeitsmessungen unabhängig von den Messtafeln vorgenommen wurden, unter anderem im November 2025, als die L700 gesperrt war.
Dass demnach die Durchschnittsgeschwindigkeit bei rund 50 Kilometern pro Stunde lag, sorgte für Empörung. „Das kann ja gar nicht sein, wir hören ja, wie die Gas geben. Das ist eine Raserstrecke“, beschwerte sich eine Anwohnerin. Andere merkten an, dass bei einem Mittelwert von 50 auch viele Verkehrsteilnehmer schneller gewesen sein müssen. Eine weitere Teilnehmerin sagte, sie erinnere sich noch genau, auf einer Messtafel gesehen zu haben, wie ein Lastwagen Tempo 75 draufgehabt habe. „Da waren die Messpunkte vielleicht nicht optimal“, warf ein anderer Bürger ein. So könne es sein, dass an der Messstelle am Friedhof beschleunigt werde, weil man danach schnell fahren dürfe.
Schutz der Kinder angemahnt
Die Ortseinfahrt sei sowieso „der langsamste Ort, weil man da abbremsen muss“, kritisierte ein Teilnehmer den dortigen Messpunkt. Dieser war laut Klein gewählt worden, um den Nutzen des Fahrbahnteilers zu überprüfen. Außerdem sind für den Einsatz des Messgeräts technische Voraussetzungen zu erfüllen, weshalb man es nicht überall aufstellen könne. Dass es einige Ausreißer gegeben habe, hätten die Zahlen belegt. Es seien dennoch meist Werte um die 48 Stundenkilometer gewesen, sagte Klein. Wieso man diese Ausnahmen nicht durch einen Blitzer kontrollieren konnte, erklärte er so: „Das liegt an der Stadt Zweibrücken. Wir von der Polizeidienststelle haben keine eigenen Blitzer und auch nicht die Kapazitäten, um das ohne Hilfe der Stadt zu kontrollieren.“
Mit der Frage einer Frau, wie denn dann Tempo 30 nachts durchgesetzt werden sollte, trat das eigentliche Thema der Versammlung wieder in den Mittelpunkt. Einige Anwohner betonten, dass der Schutz der Kinder wichtig sei – auch beim Thema Lautstärke: „Wenn man hier tagsüber entlangläuft, versteht man sein eigenes Wort nicht. Das ist mit Sicherheit schädlich für das Gehör, vor allem bei Kindern.“ Klaus Fuhrmann erklärte erneut, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde über den ganzen Tag hinweg wegen der Untersuchungsergebnisse nicht umsetzbar sei. Einige Bürger forderten jedoch, dass man „jeden Grashalm ergreifen muss, bis man sein Ziel erreicht“. Auch ein Lastwagen-Fahrer meldete sich zu Wort: „Ich fahre meist in Baden-Württemberg, und da ist nachts fast überall Tempo 30. Das hilft schon viel. Man sucht dann andere Strecken aus.“
Vorschlag: Mautgebühren für Laster erhöhen
In der Straße kleinere 30er-Zonen zu schaffen oder Bodenschwellen anzubringen, wie eine Anwohnerin vorschlug, hält Klaus Fuhrmann für unsinnig. „Wenn ich mit einem Anhänger über Schwellen fahre, dann stehst du nachts erst recht im Bett“, untermauerte er. Zudem würde der LBM seiner Ansicht nach nicht auf kleinere 30er-Zonen eingehen. Auch ein komplettes Lkw-Verbot sei bereits abgelehnt worden. Ein Anwohner machte den Vorschlag, die Mautgebühren für durchfahrene Laster zu erhöhen. „Da gibt es eine Gebührenordnung, aber das kann man mal nachfragen“, befand Fuhrmann.
Nach etwa einer halben Stunde angeregter Diskussion kam es schließlich zur Abstimmung. „Wer für Tempo 30 nachts ist, stellt sich nach rechts, wer dagegen ist, nach links ,und wem es egal ist, der stellt sich nach hinten.“ Das Bild war schnell klar. Nur wenige Anwohner standen auf der linken Seite der Turnhalle. Das Ergebnis dient dem Ortsbeirat als Entscheidungshilfe. Auch die übrigen Anmerkungen und Ideen wollen sich die Vertreter des Vorortes zu Herzen nehmen. Letztendlich liegt die Entscheidung aber beim Stadtrat.