Handball
SV 64 Zweibrücken dreht ein verloren geglaubtes Spiel
„Das war heute kein handballerischer Leckerbissen“, bilanzierte SV-Trainer Stefan Bullacher. Das sei am Ende einer englischen Woche für beide Teams auch nicht zu erwarten gewesen. „Da hat schon Frische und Spritzigkeit gefehlt. Nicht nur in den Beinen, auch im Kopf“, resümierte er. Aber das sei verständlich. Englische Wochen seien eine absolute Ausnahme, keine gewohnte Situation für die Spieler.
Dass sein Team diese Woche mit dem erhofften Erfolg gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf abschließen würde, hatte sieben Minuten vor dem Abpfiff niemand mehr erwartet. Zweibrücken drehte das Spiel, gewann 28:25 (10:11). In diesen sieben Minuten, sagte Großsachsens Trainer Stefan Pohl, „spielen wir völlig disziplinlos im Angriff, völlig außerhalb unserer ausgemachten Systeme. Da dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir hier als Verlierer vom Platz gehen“.
Ein ganz starker Tom Ihl
Dass dem so war, daran hatte die rechte Angriffsseite der Zweibrücker großen Anteil. Tom Ihl setzte seinen seit Wochen erkennbaren Aufwärtstrend fort, absolvierte eines seiner besten Spiele im Zweibrücker Trikot. „Es geht bergauf die letzten Spiele“, freute sich der 22-Jährige über den Sieg und die gute Leistung. „Die Abwehr war ja schon immer ganz gut“, bilanzierte er. Aber dass er nun auch im Angriff in Schwung kommt, zielstrebig den Weg zum Tor sucht und die Lücken findet, habe viel mit den gestiegenen Spielanteilen und dem Vertrauen des Trainers zu tun. „Spielpraxis macht schon viel aus“, sagte der Raumplanungs-Student.
Und dazu ein gutes Team auf einer Position, das er aktuell mit Niklas Bayer im rechten Rückraum bildet. „Tom ist zurzeit besser“, anerkannte Bayer, der aber maßgeblichen Anteil daran hatte, dass der SV die Partie noch drehte. Nils Wöschler, der wieder aushalf und erneut eindrucksvoll bewies, dass er ein Drittligaspieler ist – egal ob im Rückraum oder auf der linken Außenbahn – nutzte einen Ballgewinn in der Abwehr, um zum 25:25 (55.) ins leere Tor zu werfen. Im Gegenzug hielt Alex Dörr den ersten von insgesamt drei Bällen in den Schlussminuten.
Erste Führung nach 30 Minuten
Bullacher nahm die Auszeit. Ihl übernahm den Abwehrpart, Bayer die Angriffsposition und passte perfekt auf den an den Kreis eingelaufenen Philipp Kockler, der normalerweise aus dem linken Rückraum trifft: 26:25. 30 Minuten lang war der SV einem Rückstand nachgelaufen, führte jetzt erstmals wieder. Erneute Parade Dörr. Wieder hieß vorne der entscheidende Zuspieler Niklas Bayer, und dieses Mal vollendete Kevin Knieps vom Kreis zum 27:25. Im Gegenzug verlor Großsachsen den Ball. Tim Götz, der Spielmacher, der sich im ersten Durchgang schwer getan hatte mit dem Treffen, zog ab, erhöhte auf 28:25.
Die Fans jubelten. Zur Halbzeit hatte es nicht nach diesem perfekten Ende ausgesehen. In Durchgang eins waren die Zweibrücker in den acht Minuten vor dem Halbzeitpfiff ohne Torerfolg geblieben, hatten Großsachsen dadurch zurück ins Spiel gebracht. „Für uns hat heute nur der Sieg gezählt“, sagte Bullacher. Der bedeutet, dass nach dem vorletzten Heimspiel in der regulären Saison feststeht, dass die Zweibrücker mindestens zwei Punkte mit in die Abstiegsrunde nehmen werden.
So spielten sie
SV 64 Zweibrücken: Dörr, Sema (31. – 50.) – Ihl (5), Götz (6), Kockler (5) – Hammann (3), Meister – Grieser (2) – Bayer (1), Wöschler (3), Knieps (3/1), Naumann
TV Germania Großsachsen: Lieb – Weindl, Reisig (2), Schüler (8) – Seganfreddo (3), Buschsieper (4/2) – Burkhard (1) – Hartz (2), König, Brestrich (1), Kadel (2), Straub (2)
Spielfilm: 1:4 (7.), 6:5 (14.), 10:7 (22.), 10:11 (Halbzeit), 14:14 (35.), 19:21 (47.), 23:25 (53.), 28:25 (Ende) – Siebenmeter: 1/1:2/2 – Zeitstrafen: 3:4 - Beste Spieler: Ihl, Kockler, Götz, Grieser – Schüler, Reisig – Zuschauer: 250 – Schiedsrichter: Ekk/Walter (HV Hessen).