Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtmuseum: Ein Schrank voller Geheimnisse

Der neue Blickfang im Raum zu Schloss Karlsberg ist der große Schrank aus dem 18. Jahrhundert. Seine ehemaligen Besitzer sind He
Der neue Blickfang im Raum zu Schloss Karlsberg ist der große Schrank aus dem 18. Jahrhundert. Seine ehemaligen Besitzer sind Herzog Karl August und Maria Amalie. Sie bekamen ihn als Hochzeitsgeschenk.

Sie ist durch die Zeit und durch das Land gereist: Die Neuerwerbung des Zweibrücker Stadtmuseums, ein großer Schrank. Das gute Stück gehörte einst Herzog Karl-August. Der ließ das gute Stück bei seiner Flucht zurück. Nun ist er wieder da, wo er hinpasst. Dazu gehört mehr als nur eine Geschichte.

Kaum betritt man das Schloss-Karlsberg-Zimmer, drängt er sich ins Blickfeld. Kein Wunder, der neue Schrank ist nicht zu übersehen: 2,30 Meter hoch, über zwei Meter breit und 75 Zentimeter tief. Die Neuerwerbung des Stadtmuseums sieht harmlos aus, hat aber eine ungewöhnliche Geschichte. Eine Geschenkgeschichte.

„Ich wusste erst nicht, ob ich ihn nehmen soll, aber wenn man so etwas geschenkt bekommt, dann sagt man nicht nein“, meint Museumsleiterin Charlotte Glück. Gleich zwei Pfälzer Kunsthistoriker sind mit der Sache verbunden - und zwei Adlige.

Das Jagdzimmer

Der Schrank stand früher in der Limbacher Mühle. Dort hatte sich Herzog Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken (1746-1795) ein Jagdzimmer eingerichtet. „Vielleicht hat er sich ausgeruht, nachdem er in Limbach auf der Jagd war und einen Jägertee getrunken“, vermutet Glück. Der Schrank – ein Kanzlei- oder auch ein Geschirrschrank, was damals drin war, ist unbekannt hat – hat es mit Foto in das dicke Buch „Schloss Karlsberg - Legende und Wirklichkeit“ gebracht, das der in Limbach geborene Kunsthistoriker Wilhelm Weber (1918-1999) Ende der 80er Jahre herausgab. Denn Weber kannte den Schrank von klein auf, er ist in der Mühle aufgewachsen, die da schon in das Eigentum seiner Familie übergegangen war. Er schreibt, dass der Schrank im Jagdzimmer in der alten Weberschen Mühle ab 1776 gestanden hätte. Als der Herzog vor den französischen Revolutionstruppen ins Exil floh, nahm er verständlicherweise das sperrige Möbelstück nicht mit. Heinrich Lehn, der letzte Verwandte von Wilhelm Weber, der in der Mühle wohnte, jedoch nahm dem Schrank mit, als er Limbach verließ. Zuerst wohnt er in Saarbrücken, dann in Magdeburg.

„Jetzt ist dieser ältere Herr in ein Seniorenheim gezogen. Dorthin konnte er den Schrank nicht mehr mitnehmen. Der Pfälzer Kunsthistoriker Roland Paul hat ihn dort besucht und auf den Schrank angesprochen“, erzählt Charlotte Glück – nach dem Motto: Der gehört doch nicht nach Magdeburg, der gehört in die Gegend von Schloss Karlsberg. Da Lehn ihn in der alten Heimat gut aufgehoben wusste, gab er das gute Stück her. Paul rief Glück an und fragte, ob sie den Schrank nicht fürs Schloss-Karlsberg-Zimmer im Stadtmuseum nehmen wollte, denn Homburg hat kein Museum. Die Stiftung Karlsberger Hof finanzierte Transport und Restaurierung - und nun steht er im Museum.

Das Hochzeitsgeschenk

Charlotte Glück war anfangs skeptisch, weil man nur wenig über den Schrank weiß. Er ist aus verschiedenen Hölzern gefertigt. Der Korpus ist aus Eiche. Es gibt ein Nussbaum-Furnier und oben eine Zierleiste, wo Ebenholz und Zwetschge abwechselnd verwendet wurden. Es ist ein durchaus aufwendig gestalteter Schrank.

Der Restaurator datierte ihn zeitlich auf den Anfang des 18. Jahrhunderts und örtlich auf Franken, die Gegend um Bamberg. „Deshalb bezweifele ich das, was Wilhelm Weber in seinem Buch schrieb. Dort steht, dass dieser Schrank ein Geschenk der Kurfürstin Elisabeth Auguste von Pfalz zur Hochzeit von Karl August im Jahr 1774 war. Aber Weber schreibt nicht, woher er diese Information hat. Das ist wohl mündliche Überlieferung in der Familie Weber gewesen“, so Glück. Sie machte stutzig, dass der Schrank nicht neu war, als die Kurfürstin ihn Karl August schenkte.

„Das erscheint mir seltsam.“ Sie vermutet, dass Elisabeth Auguste den Schrank schon vorher in ihrem Besitz hatte – und ihn vielleicht nicht besonders mochte . So wie sie auch Karl August nicht besonders mochte.

Wollte die Schenkerin den Schrank loswerden oder gar den Verwandten ärgern? Die Museumsleiterin lacht: „Ich kann die Geschichte Webers nicht nachvollziehen und ihn fragen kann man auch nicht mehr.“

Das Museumsgeschenk

Schränke dieser Art sind zu Beginn des 18. Jahrhunderts in verschiedenen Schreinereien in Franken hergestellt worden, so dass man heute da auch wenig erfahren kann, im Schrank selbst ist kein Hinweis auf de Werkstatt zu finden. Was bleibt: Es ist ein herrschaftlicher Schrank, aber zur Zeit der Schenkung war er schon nicht mehr modern, sondern „eher ein solides älteres Modell“, so Glück .

Der Schrank steht jetzt - wieder als Geschenk - im Stadtmuseum, in dem Zimmer, das Schloss Karlsberg gewidmet ist, unter den Augen seiner früheren Besitzer. Denn Karl August und seine Frau Maria Amalie sind dort bereits auf Gemälden zu sehen (und auch der jüngere Karl August). In diesem Raum steht auch die Porzelanplatte mit dem Motiv des Schlosses Karlsberg. Alles passt zusammen.

Hoffnung auf einen verborgenen Schatz

Als der Schrank ins Stadtmuseum kam, ließ sich eine der beiden unteren Schubladen nicht öffnen. „Wir haben sie aufmachen lassen, weil kein Schlüssel mehr da war. Ich hatte die Hoffnung. dass da ein Schatz versteckt ist“, erzählt Glück. Auch Heinrich Lehn, der Schenker, wusste nicht, was in der Schublade war, die auch er nicht öffnen konnten. „Aber es war leider nichts Besonderes drin“, bedauert Glück.

Um Platz zu schaffen für den massigen Schrank wurde die große Vitrine mit den Zinnsoldaten und anderen Materialien zum Regiment Royal Deux-Ponts verbannt. Sie steht jetzt im Medienraum. Und der neue Schrank wartet auf neue Besucher, die vielleicht seine Rätsel lösen können. „Irgendwann geht das Museum ja wieder auf, dann kann man den Schrank aus der Nähe ansehen“, freut sich Glück.

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