Saarbrücken So lief Heidi Reichinneks Besuch bei ihren Fans in der Region

Heidi Reichinnek (Mitte) präsentiert sich vor jungen Anhängern in Saarbrücken. Rechts neben ihr steht die saarländische Linken-L
Heidi Reichinnek (Mitte) präsentiert sich vor jungen Anhängern in Saarbrücken. Rechts neben ihr steht die saarländische Linken-Landesvorsitzende Barbara Spaniol aus Homburg.

Der neue Star der deutschen Linken macht mit jungen Anhängern Selfies in Saarbrücken und verkündet eine exklusive Neuigkeit zur eigenen Person.

Am Dienstag präsentierte sich die Linken-Politikerin Heidi Reichinnek in Saarbrücken vor Hunderten jungen Parteifreunden, jubelnden Anhängern und – ja, man muss sie so nennen – Fans. Strahlend und winkend beantwortete der Polit-Popstar Fragen aus dem Publikum und posierte für Selfies. Gastgeberin des Abends war die Linken-Saarvorsitzende Barbara Spaniol. Dass die Homburgerin diesmal derart aufgeregt und angespannt war, erstaunte dann doch: Immerhin ist Spaniol als erfahrener Profi ihrerseits mit allen politischen Wassern gewaschen.

Den wenigsten der fast 700 jungen Gäste, die sich im Saarbrücker Saal „Saarondo“ eingefunden haben, dürfte der Name Heidemarie Wieczorek-Zeul noch etwas sagen. Einst war die frühere SPD-Ministerin bei ihren Freunden und Gegnern als „Rote Heidi“ bekannt. Dieser Titel kann in Deutschland neu vergeben werden: Als die CDU im Bundestag sich Ende Januar bei der Abstimmung zum „Zustrombegrenzungsgesetz“ bedenklich der AfD annäherte, las Heidi Reichinnek den Christdemokraten wortgewaltig die Leviten. Reichinneks „Brandmauer-Rede“ ging viral und wurde im Internet millionenfach geteilt. Zu Jahresbeginn noch totgesagt, legten die Linken bei der Wahl am 23. Februar mit 8,8 Prozent der Zweitstimmen ein fulminantes Comeback hin. Woran Reichinneks Charisma, Rhetorik und Internet-Kompetenz großen Anteil haben.

Ein Plan für Osnabrück

„Ich kann’s selbst noch nicht so richtig glauben“, kommentierte die inzwischen zur Fraktionschefin erkorene Heidi Reichinnek die Erfolge ihrer Partei, die seit dem Abgang von Sahra Wagenknecht und Genossen eine Welle an Neueintritten verzeichnet und inzwischen mehr als 110.000 Mitglieder zählt. „Unsere Gegner packen immer noch die alte Leier von der SED-Nachfolgepartei aus“, sagte die gebürtige Merseburgerin. „Dabei hat die CDU selber einen Haufen alter DDR-Kader aufgenommen. Und mir als Jahrgang 1988 wird die ganze Geschichte langsam auch zu blöd.“

Von Moderatorin Barbara Spaniol nach konkreten Vorhaben der Bundestagsfraktion gefragt, kündigte Reichinnek einen „Antrag zur Mietwucher-Bekämpfung“ an: „Wir kämpfen für einen Mietendeckel.“ Man plane eine Konferenz zu Antifaschismus und Demokratiestärkung; für die Bevölkerung wolle die Partei einen Sozialberatungsdienst aufbauen. „Unsere Haustürgespräche gehen weiter. Nicht nur, wenn Wahlen bevorstehen.“ Reichinnek selbst, so verkündete sie am Dienstag erstmals öffentlich, werde bald in ihrer Wahlheimat Osnabrück als Schirmherrin beim Christopher Street Day agieren.

Was sie zur kriselnden Autoindustrie sagt

So bunt wie die Frisuren und Tattoos der jungen Gäste im „Saarondo“ war der Themenmix, den die Politikerin aufs Tapet brachte: von mehr Kindergeld und Jugend-Sozialarbeit über „bezahlbares Wohnen und Leben“ bis hin zu „Friedenssicherung durch Diplomatie“. Den Saarländern, die in der kriselnden Autoindustrie um ihre Jobs bangen, rief Reichinnek zu, dass die Politik mit Förder- und Investitionsprogrammen eingreifen müsse. „Dabei darf man aber nicht mehr länger nur auf große SUVs setzen, weil man sich davon höhere Gewinne und Dividenden verspricht. Hört auf die Beschäftigten: Die wissen, dass die Betriebe kleine, bezahlbare Elektroautos produzieren müssen. Denn die werden von den Leuten gekauft und halten die Fabriken am Laufen.“

Einziges saarländisches Mitglied der neuen Linken-Bundestagsfraktion ist der Homburger Michael „Moses“ Arndt (vorn, 2.v.l.)
Einziges saarländisches Mitglied der neuen Linken-Bundestagsfraktion ist der Homburger Michael »Moses« Arndt (vorn, 2.v.l.)

Angesichts der Jubelstürme ihrer Anhängerschaft tat Heidi Reichinnek gut daran, zu warnen, „dass die Leute nicht in den Personenkult abdriften sollten“. Pflegt sie doch genau diese Untugend an Widersachern wie Sahra Wagenknecht gern zu kritisieren.

Ob die neue Linken-Frontfrau dazu beitragen kann, dass die Jugend beim Vornamen Heidi künftig nicht mehr automatisch an Klum denkt? Das wäre ja schon ein Verdienst für sich.

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