Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Sitzungen geschwänzt? Podiumsrunde spart heiße Eisen nicht aus

In der voll besetzten Festhalle wurde es für die Kandidaten mitunter ganz schön ungemütlich.
In der voll besetzten Festhalle wurde es für die Kandidaten mitunter ganz schön ungemütlich.

Hier mussten Rauch, Eren, Hofer und Wosnitza ganz stark sein. Mit einer Auswahl besonders kritischer Fragen aus dem Köcher des Moderators ging es für sie ans Eingemachte.

„Jetzt kommt der Moment, an dem ich mich bei jedem von Ihnen unbeliebt machen werde“, warnte Moderator Thomas Büffel die Teilnehmer der Podiumsdiskussion gleich mal vor. Für jeden Einzelnen aus dem Quartett der Amtsbewerber hatte der RHEINPFALZ-Redaktionsleiter ein unbequemes Thema ausgegraben – mit der Bitte um Stellungnahme.

Büffels erste hochnotpeinliche Frage ereilte den parteiunabhängigen Kandidaten Attila Eren. Der Gerüstbauer wurde an seine Wahl anno 2019 in den Stadtrat erinnert. In dem sich Eren in den folgenden fünf Jahren nur zweimal zu Wort meldete. Auffällig oft habe er bei Sitzungen gefehlt, um im letzten Jahr ganz wegzubleiben. Der Angesprochene begründete sein damaliges Verhalten mit der Erkenntnis, dass „du im Stadtrat wenig verhexen kannst“. Wenn er bei einer Sitzung nicht da war, habe er meist in seiner Firma arbeiten müssen. „Nach drei Jahren hab’ ich im Stadtrat zunehmend die Lust verloren.“

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Fremde Federn? Getäuschte Wähler?

Marold Wosnitza wurde mit den 150 Punkten konfrontiert, mit denen der Oberbürgermeister im Internet auflistet, was seit seinem Amtsantritt 2019 alles erreicht worden sei. Genannt werden unter anderem die S-Bahn-Strecke nach Homburg, für die andere jahrzehntelang gekämpft haben, dazu Neueröffnungen wie Starbucks im Outlet, aber auch der Action-Markt. Thomas Büffel: „Der hat im Februar 2018 eröffnet, da lebte Ihr Vorgänger Kurt Pirmann noch. Warum schmücken Sie sich hier so sehr mit fremden Federn?“ Wosnitza erwiderte, „dass wir in Zweibrücken alles nur zusammen erreichen können. Im Endeffekt tragen wir als Verwaltung und ich als OB für alles die Verantwortung. Das mit dem Action-Markt ist mir da tatsächlich durchgegangen, dafür bitte ich um Entschuldigung. Aber ich bin sicher, dass Starbucks oder Frittenwerk nicht ans Outlet gekommen wären, wenn der Flughafen-Zweckverband Zef nicht zugestimmt hätte. Und da sind wir wieder hier bei uns im Rathaus.“

Christina Rauch musste sich vorhalten lassen, sie habe die „Wähler hinters Licht geführt“, als sie bei der Kommunalwahl für den Stadtrat kandidierte. Wohl wissend, dass sie dort als Beigeordnete kein Mandat annehmen konnte. Zudem sei sie damals zwar in Zweibrücken gemeldet gewesen, habe aber mit ihrem heutigen Ehemann in Pirmasens gelebt. Dass sie und Bürgermeister Christian Gauf die CDU-Liste für den Stadtrat anführen würden, erklärte Christina Rauch, hätten sie damals beide „ganz transparent deutlich gemacht.“ Das sei „ein Signal für unsere Arbeit für die Stadt“ gewesen, „eine Möglichkeit, unsere Programme zur Wahl zu stellen“. Wählertäuschung stritt sie ab. „Ebenso den Aspekt der Wohnungsfrage.“

Dissens über die „politische Mitte“

Christian Hofer (AfD) hatte als einziger der vier Kandidaten zu seiner Nominierung keine Presse zugelassen. Sich selbst verortet der Amtsbewerber als gemäßigt konservativ. Warum, so fragte Thomas Büffel, habe sich Hofer dann einer Partei angeschlossen, die in fünf Bundesländern als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft wird, als russlandfreundlich gilt und „deren Mitglieder und Anhänger wie die keiner anderen Partei gezielt Hass und Falschinformationen verbreiten“? Hofers Bemerkung, man dürfe den Ausdruck „gesichert rechtsextrem“ im Zusammenhang mit der AfD nicht mehr gebrauchen, konterte der Redakteur: „In fünf Bundesländern ist die AfD als gesichert rechtsextrem eingestuft.“ Woraufhin Hofer sagte: „In Rheinland-Pfalz nicht.“ Seinen politischen Standort ordnete er wie folgt ein: „Ich könnte mich an die CDU anbieten, aber die ist mir zu grün. Die SPD ist mir zu weit links. Ich bin ein Mann der politischen Mitte. Da gibt es nur noch die AfD.“

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