Zweibrücken
Silke Neumayers neuer Roman „Das Beste an meinem Ex war ich“
Nichts ist schöner als ein Familienfest, bei dem sich alle, die sich doch so innig lieben, immer wieder in die Haare kriegen. Das gilt nicht nur für Filmkomödien und Theaterstücke, sondern auch für den neuen Roman „Das Beste an meinem Ex war ich“ von Silke Neumayer. Die 1962 in Zweibrücken geborene Roman- und Drehbuchautorin weiß, wie sie ihre Leserinnen – es ist eindeutig ein Frauenbuch – immer wieder zum Schmunzeln bringt: mit Situationskomik, überraschenden Wendungen, Gefühlswallungen und schönen Dialogen.
Doch bei Neumayer sind es sogar
Weit entfernt von einer entspannten Woche
Als ob der Hund all das hören könnte, springt er Lotte sofort an, verbeißt sich in ein Bein und zerfetzt ihre Hose – wie im klassischen Slapstick-Film. Man sieht alles gleich bildlich vor sich und ahnt, dass es bei dem einen Biss nicht bleiben wird, zumal Lottes ebenfalls zur Hochzeit angereiste jüngere Schwester Lissy ein vergiftetes Lob ausspricht: „Charlie ist echt süß. So strubbelig. Schade, dass du mit Hunden so gar nicht kannst.“
Von einer entspannten Woche auf Mallorca am Strand ist die Hauptfigur Lotte also meilenweit entfernt. Hinzu kommt, dass Lotte selbst sieben Jahre nach ihrer Scheidung von Carl – er hat sie verlassen wegen einer jüngeren, hübscheren, schlankeren Blondine – immer noch ein Nervenbündel ist. Daran ändert auch ihr eigentlich ruhiger Job als Gärtnerin nicht viel, würde sie doch Kunden, die eine Palme nicht von einem Bambus unterscheiden können, am liebsten beide Bäume an den Kopf werfen.
Die Neue hat nur Augen für ihr Handy
Auf die Reise nach Mallorca hatte Lotte sich gefreut, weil ihr Ex Carl mitteilte, dass er wegen Rückenproblemen nicht zur Hochzeit fahren könne – und damit auch nicht seine viel zu junge, sportliche Frau Isabell, die permanent aufs Handy guckt, neue Fotos von sich postet und mehr ihre Follower als die Hochzeitsgesellschaft im Blick hat.
Doch Carl wurde auf magische Weise rechtzeitig gesund und steht mit einer entsetzten Lotte zusammen am Strand. Ob es ihr etwas ausmache, wenn er am Strand bliebe und den Sonnenuntergang anschaue. „Nein, bleib nur“, sagt Lotte. „Das heißt jetzt übersetzt: Ja, du nervst, geh bitte“, entgegnet er. Und Lotte ärgert sich, dass sie keine bessere Lügnerin ist.
Und dann sind da zu allem Übel auch noch die Eltern von Ben, Emmas Bräutigam, die Lotte sowieso nicht ausstehen kann.
Die Tochter ist erschüttert – auch über sich selbst
Zum Glück verliebt sich Lotte völlig unerwartet. Natürlich in den falschen Mann, Bens Vater, hat Sex mit dem Ex und traut sich angesichts ihrer gesammelten Fehltritte nicht mehr, zu den anderen Familienmitgliedern der Hochzeitsgesellschaft zu gehen. Tochter Emma erfährt, was die Mutter tat, ist erschüttert über sie und über sich selbst (weil sie betrunken einen anderen Mann bei der Junggesellinnenparty küsste), sodass sie gleich die ganze Hochzeit in letzter Minute abblasen will. Immer wenn man denkt, nun ist es turbulent genug, legt Neumayer noch eine Schippe drauf, holt eine Leiche aus dem Keller und zaubert eine neue Slapstick-Nummer aus dem Hut.
Dass der tragische Verlauf des Treffens auf Mallorca nicht konstruiert erscheint, liegt daran, dass die Autorin es mit den Gefühlsbrüchen nicht übertreibt und menschliche – oder besser doch typisch weibliche – Schwächen konsequent in das Geschehen eingebaut.
Einige Parallelen zeigen sich
Mallorca-Fans lernen die Ecke der Insel kennen, in der sich die Autorin gerne selbst vom Leben in der Großstadt München erholt, wo sie seit ihrem Weggang aus Zweibrücken wohnt. Neumayer-Fans merken darüber hinaus schnell, dass sich dieses neue Buch gar nicht so sehr von dem anderen im Vorjahr erschienenen Buch über die Teenager-Tochter („Pubertät ist voll nice“, Heyne Verlag) unterscheidet – trotz vollkommen anderer Figuren – und entdecken Parallelen. Denn wie sagt Lotte so schön zu ihrem Ex: „Du bist nicht erwachsen. Du bist mitten in der Pubertät. Und ein Vollidiot. Und ich mit dazu.“
Lesezeichen
Silke Neumayer: „Das Beste an meinem Ex war ich“; Roman; Ullstein Verlag Berlin; Taschenbuch; 304 Seiten; 14,99 Euro.