Zweibrücken Senioren wollen wissen: Ist Sprachassistent Alexa besser als ein Smartphone?
„Alexa, zeig mir Rezepte für Schwarzwälder Kirschtorte“, ruft Gabi Andes von ihrem Sitzplatz aus in die Mitte des Raums. Die Augen von fünf Senioren am Tisch richten sich gespannt auf das kleine Tablet, auf dem Tisch. Auf dem Bildschirm erscheinen Bilder von drei appetitlichen Torten. Ein zufriedenes Murmeln ist durch die Reihen zu hören. Stolz steht Petra Zur vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) neben dem Tisch und blickt in die Runde.
An diesem Tag stellt sie im Mehrgenerationenhaus schon zum zweiten Mal Senioren den Sprachassistenten von Amazon namens Alexa vor. Wer am Ende so ein Gerät haben möchte, bekommt im April kostenlos eins vom DRK. „Schon 25 Senioren haben sich dafür angemeldet“, erzählt Zur. Zuvor hat sie Senioren in solchen Seminaren schon einmal in den Breitwiesen und einmal in der Canadasiedlung die Vorzüge des Geräts erklärt. Einmal war sie dafür auch schon im Zweibrücker Mehrgenerationenhaus zu Gast. Ihr Ziel ist, Hemmschwellen und Ängste abzubauen. Und zu zeigen, wie nützlich Alexa für Senioren im Alltag sein kann.
Sprachassistent als Alltagshelfer
Damit niemand mit der modernen Technik überfordert wird, kommt Petra Zur mit einem DRK-Mitarbeiter zu den Senioren nach Hause und installiert die gewünschten Apps. „Manche nutzen Alexa als Hobby, lassen sich Märchen vorlesen oder Bewegungsübungen zeigen, andere nutzen Alexa aus praktischen Gründen, zur Kommunikation mit unserer Hauswirtschaftspflege, oder sie bestellen sich Lebensmittel im Cap-Markt und lassen sie sich nach Hause liefern“, erzählt die DRK-Mitarbeiterin. So könne man in Alexa auch seinen Medikamentenplan einprogrammieren und sich von der Technik an die Einnahme oder auch an Geburtstage von Familie und Freunden erinnern lassen. „Manche Senioren lassen sich auch Kochrezepte anzeigen“, sagt Zur zu ihrem Publikum und bricht damit das Eis.
Als Erste testet daraufhin die 76-jährige Zweibrückerin Gabi Andes das Gerät. „Alexa, zeig mir Rezepte für Schwarzwälder Kirschtorte“ sagt sie in Richtung des Geräts auf dem Tisch. Der Test funktioniert: Auf dem Bildschirm erscheinen Rezepte mit Bildern für das beliebte Backwerk. Erstaunte Gesichter in den Sitzreihen rund um den Tisch. „Alexa liest die Rezepte natürlich auch vor“, ergänzt Zur sichtlich zufrieden. Und auch das wird mit dem Befehl „Alexa, lies mir das Rezept vor“ gleich ausprobiert. Mit Erfolg. Die klare Sprachausgabe wird von den Teilnehmern mit zustimmendem Kopfnicken quittiert.
Senioren ab 65 aus Zweibrücken und den Vororten können sich beim DRK für ein Gerät anmelden und erhalten dann drei Jahre ein kostenloses Alexa-Gerät für Zuhause. „Wer bei der Gewobau wohnt, bekommt sogar die Kosten für einen Wlan-Anschluss gezahlt“, ergänzt Zur.
Kritik: „Das alles kann mein Handy doch auch“
Doch es gibt auch Kritik: „An Geburtstage und Arzttermine kann mich auch mein Smartphone erinnern, und das ist kleiner und handlicher“, merkt eine Teilnehmerin an. „Aber bei Alexa ist der Bildschirm größer. Dinge sind einfacher zu erkennen. Auch bei Videoanrufen ist das nützlich, wenn man nicht mehr so gut sehen kann“, gibt DRK-Mitarbeiterin Zur zu bedenken. Eine Seniorin will wissen, ob Alexa nur in der Nähe eines Wlan-Routers funktioniert. „Sie funktioniert überall, wo eine Steckdose ist“, denn das Gerät brauche Strom, erklärt Zur. Man könne übrigens mit Alexa auch E-Mails abrufen. Auch von Interesse ist, ob Alexa wie ein Smartphone oder ein Smart-TV mit Hörgeräten gekoppelt werden kann. Ja, und auch dabei werde sie mit einem DRK-Mitarbeiter helfen, antwortet Zur.
Das Interesse ist nun sichtlich geweckt. „Alexa, lies mir ein Rezept für Bienenstich vor“, ist plötzlich aus den Teilnehmerreihen zu hören. Und das Gerät auf dem Tisch tat, wie ihm befohlen. Auch der Spieltrieb der Senioren wird deutlich: „Alexa, ändere deine Stimme“, auch dieser Sprachbefehl wird ausprobiert, und schon antwortet das Gerät mit der Stimme eines Mannes.
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