Zweibrücken
Scheinriese AfD – Das wird bei der Landtagswahl nicht passieren
In Contwig haben bei der Bundestagswahl vor einem Jahr 36 Prozent der Wähler für die AfD gestimmt. Jeder Dritte. Erst auf Platz zwei landete mit 26,4 Prozent die CDU. Diese Antwort liefert die Wahlstatistik auf den ersten Blick. Doch der Schein trügt. Das Ergebnis ist mit Vorsicht zu genießen. Angezeigt werden nämlich nur die Ergebnisse der Stimmzettel, die vor Ort in den Wahlbüros abgegeben wurden. Die Briefwahlstimmen werden bei der Bundestagswahl und bei der Europawahl nicht mehr den einzelnen Dörfern zugeordnet.
AfD-Wähler machen seltener Briefwahl
Das verzerrt das Ergebnis vor Ort. Denn AfD-Wähler nutzen deutlich seltener die Möglichkeit zur Briefwahl. Das führt dazu, dass die AfD in den einzelnen Orten sehr gut abschneidet, während sie beim Auszählen der Briefwahlstimmen, die auf Verbandsgemeindeebene zusammengefasst werden, nur auf Platz 3 oder gar 4 landet. Am Endergebnis ändert das nichts, und jede Stimme wird gezählt. Die AfD erscheint aber in den Dörfern stärker, als sie tatsächlich ist – wie der Scheinriese aus dem Kinderbuch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende. Unabhängig davon hat die AfD in den vergangenen Jahren tatsächlich ihre Stimmenanteile ausgebaut, nur eben nicht so stark, wie es beim Blick auf die Einzelergebnisse scheint.
Bei der Landtagswahl am 22. März läuft es anders als bei der Bundestagswahl. Die Briefwahlstimmen werden vor Ort ausgezählt − Großsteinhauser Briefwähler in Großsteinhausen, Contwiger in Contwig und so weiter. „Bei der Bundestagswahl gab es die Vorgabe vom Kreiswahlleiter“, erklärt Büroleiter Karl-Heinz Brügel von der Verbandsgemeindeverwaltung Zweibrücken-Land, warum 2025 anders ausgezählt wurde. Jetzt bei der Landtagswahl gelten andere Regeln. „Für uns ist das praktikabler“, begrüßt Brügel die Auszählung der Briefwahlstimmen in den jeweiligen Dörfern. Und auch für die Statistik sei das Wahlergebnis dann eindeutiger darzustellen.
In der Stadt wird auf die Stadtteile geblickt
In Zweibrücken werden alle Briefwahlstimmen im Hofenfels-Gymnasium ausgezählt, sagt Rathaussprecher Jens John. Auch in der Stadt werden die Stimmen den jeweiligen Stadtteilen und Vororten zugeordnet, nicht aber den genauen Stimmbezirken. In Ixheim gibt es zum Beispiel drei Stimmbezirke, die alle in der Thomas-Mann-Schule abstimmen. Die Briefwahlstimme wird aber nur dem Stadtteil Ixheim zugeordnet, egal ob sie zum Stimmbezirk Thomas-Mann-Schule 1, 2 oder 3 gehört.
Auch in der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben werden die Briefwahlergebnisse in den Dörfern direkt ausgezählt und diesen zugeordnet. „Ich finde das besser und einfacher“, sagt Dirk Kattler von der Verwaltung in Thaleischweiler. Zudem hebt er hervor, dass mit der Auszählung der Briefwahl in den Gemeinden ein „echtes Ergebnis“ herauskomme und die Wahlhelfer sich um die Briefwahlauszählung mitkümmern können, sodass nicht zusätzliches Personal nur für die Briefwahl gebraucht wird. Auch für die RHEINPFALZ ist die Auszählung vor Ort von Vorteil: Wir können das Wahlergebnis deutlich genauer analysieren und sehen, wo die einzelnen Parteien ihre Hochburgen haben. Auf eine solche Analyse verzichten wir mittlerweile bei Europa- und Bundestagswahlen, weil die Ergebnisse ohne die Briefwähler nicht mehr aussagekräftig sind.
Briefwahl per QR-Code beantragen: Fallstrick
Wer bei der Landtagswahl per Briefwahl abstimmen will, der muss den Wahlschein über die Wahlbenachrichtigung beantragen. In der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben gibt es hier aber ein Problem: Der QR-Code für den Online-Antrag funktioniert nur bedingt. Scannt man den Code mit dem Handy, so gelangt man auf eine Internetseite, die den Anschein erweckt, man komme nicht weiter. Dirk Kattler sagt, dass man nun im Handybrowser auf die Desktop-Ansicht wechseln müsse. Dann klappe es mit dem Antrag. Der Fehler liege nicht bei der Verbandsgemeindeverwaltung, sondern beim externen Dienstleister, der die Wahlbekanntmachungen verschickt. „Die haben den falschen QR-Code abgedruckt“, sagt Kattler. Problemlos hingegen funktioniert der Briefwahl-Antrag per Post.
