Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Rimschweilerer Großbaustelle hinterlässt tiefe Spuren

Tiefe Fahrspuren von schwerem Gerät ziehen sich über die Baustelle zur Renaturierung des Hornbachs bei Rimschweiler.
Tiefe Fahrspuren von schwerem Gerät ziehen sich über die Baustelle zur Renaturierung des Hornbachs bei Rimschweiler.

Verdreckte Straßen, tiefe Spurrillen, Schäden auf Äckern und Asphalt – die Liste der Beschwerden über eine Rimschweilerer Baustelle ist lang. Was der UBZ dazu sagt.

Die Renaturierung des Hornbachs sorgt in Rimschweiler für Unmut. Nicht wegen des Projekts an sich, sondern wegen der Bauarbeiten, bei denen in den Augen von Anwohnern unverhältnismäßig viel zerstört und verdreckt wird. Von beschädigten landwirtschaftlichen Flächen ist da die Rede, von zu schweren Baumaschinen, die tiefe Spurrillen hinterlassen, von Zugmaschinen mit Anhängern, die Erdmassen auf den Straßen verlieren. „Die Leute haben in vielem Recht, es sieht streckenweise wirklich übel aus“, bestätigt Andreas Reischmann vom UBZ ohne Umschweife, was die Vorortbewohner wahrnehmen.

Der UBZ „hätte es auch gerne anders“, so Reischmann. Doch seien der Stadttochter vielfach die Hände gebunden im Spannungsfeld verschiedener Auflagen, was Bauzeiten, Arten-, Trinkwasser- oder Bodenschutz angeht. Hier träfen teilweise gegenläufige Rechtsbereiche aufeinander.

Drei Monate zu spät gestartet

Reischmann holt etwas aus: Im vergangenen Jahr sei die Baustelle drei Monate zu spät gestartet, statt im Juli erst im Oktober, trotz rechtzeitiger Ausschreibung. Der Förderbescheid vom Land sei aber erst im September gekommen, und ohne diesen hätten UBZ und Stadt den Auftrag nicht vergeben können. Wegen der Verspätung sei man in die verregneten Wintermonate reingerutscht. Die Krux: Die von der beauftragten Firma eingesetzten Maschinen seien auf trockenem Untergrund geeignet, auf nassem, aufgeweichtem Boden aber „grenzwertig“. Reischmann reagiert damit auf den Vorwurf von Anwohnern, dass zu schwere Maschinen eingesetzt wurden.

In den Spurrillen des aufgeweichten Bodens der Talaue staut sich das Wasser.
In den Spurrillen des aufgeweichten Bodens der Talaue staut sich das Wasser.

Der Baubetrieb konnte laut dem Ingenieur nicht wegen des Schlamms unterbrochen werden, denn es gelte auch Bauzeiten einzuhalten und Brutzeiten zu beachten. Man habe also im Winter weitergemacht und dabei Schäden verursacht, wie Reischmann einräumt. Diese würden aber beseitigt, sobald die Baustelle weg ist. Da zum verspäteten Start auch noch der lang anhaltende Regen gekommen sei, werde die Baustelle nicht wie geplant im Frühjahr fertig, sondern erst zur Jahresmitte, im Sommer. Rodungen, die bis März hätten durch sein sollen, habe man schon verlängern lassen.

Kleinere Maschinen hätten nicht gereicht

Da sehr viel Bodenmasse aus der Talaue am Hornbach entnommen wurde, war der Einsatz kleinerer, leichterer Maschinen laut Reischmann keine Option. „Da hätten wir das Material nicht abtransportiert gekriegt.“ Zumal die Erdmassen zunächst zu einem Zwischenlager müssten, wo eine Probe entnommen wird, und erst, wenn grünes Licht vorliegt, zum endgültigen Ziel kämen. Dieses sei ein Acker am Alleeweg in Richtung Flugplatz, wo der Boden aus dem Tal 15 bis 20 Zentimeter hoch aufgebracht und untergepflügt werde. „Was dem Acker hilft“, wie Reischmann betont, denn der Boden aus dem Tal sei nährstoffreich und zum Entsorgen zu schade.

Auch die Transporte vom Hornbach hoch zum besagten Acker am Flugplatz sorgen in Rimschweiler für Missmut: Die Zugmaschinen verlören Ladung, verdreckten und beschädigten die Straßen, heißt es. Überdies führen sie im Minutentakt an der Grundschule vorbei, was unverantwortlich sei, so die Kritik von Anwohnern.

Rimschweiler Straßen sehen aus „wie Sau“

Überladen seien die Zugmaschinen nicht, eher nicht ganz voll, „weil sie ja den Berg hoch müssen“, sagt Reischmann. Dass die Straßen stark verunreinigt sind, sei indes nicht zu leugnen. Als es noch viel regnete und zudem die L 700 gesperrt war, was zu mehr Verkehr in Rimschweiler führte, habe es dort teilweise ausgesehen „wie Sau“, will Reischmann nichts beschönigen. Zunächst sei der Aushub über die Forstberg-, Vogesen- und Eckstraße sowie den Alleeweg abtransportiert worden. Statt der Vogesenstraße werde inzwischen ein Wirtschaftsweg entlang des Radwegs bis zum ehemaligen Bahnhof genutzt. „Aber die anderen Straßen kriegen’s immer noch ab“, weiß Reischmann. Nach jeder dritten oder vierten Tour werde gekehrt, aber da es sich um Lehmboden handele, kriege man den nicht leicht weg.

Der Erdaushub vom Hornbach kommt auf einen Acker am Alleeweg unterhalb des Flugplatzes. Auch hier sieht es derzeit wüst aus, wie
Der Erdaushub vom Hornbach kommt auf einen Acker am Alleeweg unterhalb des Flugplatzes. Auch hier sieht es derzeit wüst aus, wie der UBZ einräumt.

Einen Straßenschaden gab es laut Reischmann bislang nur an einer Querrinne am Alleeweg, „da hat die Fahrbahn nachgegeben, das wird natürlich wieder von uns gemacht“. Auch sonstige Schäden würden wieder beseitigt. Das gelte auch für eventuell beschädigte Ackerflächen am Alleeweg. Diese würden wieder aufgelockert. Die Produktivität sei eventuell zwei, drei Jahre nicht so hoch. Für immer zerstört seien sie aber nicht. Und die Besitzer profitierten insofern, als dass sie den höherwertigen Boden bekommen.

Was den Schwerverkehr im Alleeweg angeht, bedauert Reischmann, dass dieser an der Grundschule vorbeiführt. Aber es sei nun mal die schnellste Strecke, entgegnet er jenen, die ein Ausweichen auf andere Straßen wie die Austraße vorschlagen. Und er merkt an, dass es im Alleeweg auch wegen der „Elterntaxis vor und nach der Schule“ öfter zu Behinderungen komme. Er könne den Frust der Anwohner verstehen, betont Reischmann. Manche übertrieben es aber auch, zeigten den Fahrern der Zugmaschinen den Mittelfinger oder parkten absichtlich behindernd. „Das muss ja nun nicht sein“, zumal es alles nur verzögere, so Reischmann.

Schäden werden repariert

Anwohner hatten auch bemängelt, dass die Maschinen auf der Baustelle Kraftstoff, Öl und Schmiermittel verloren hätten. Die Stellfläche, wo die Maschinen geparkt werden, sei nach unten abgedichtet, versichert Reimann. Ihm sei ein Fall bekannt, wo ein Hydraulikschlauch kaputt ging und ein Stoff austrat. Das betroffene Erdreich sei aber sofort entfernt worden. Die Betriebsstoffe wie Hydrauliköl seien biologisch abbaubar, der Dieseltreibstoff nicht, so Reischmann.

Weithin sichtbar sind die Erdhaufen mit dem Boden, der von Rimschweiler aus in Richtung Flugplatz gefahren wird.
Weithin sichtbar sind die Erdhaufen mit dem Boden, der von Rimschweiler aus in Richtung Flugplatz gefahren wird.

Er wolle nichts kleinreden, so Reischmann, wirbt aber trotz aller Unannehmlichkeiten um Verständnis. „Alle Beteiligten, auch wir, sind froh, wenn die Baumaßnahme beendet ist.“ Auch bittet er darum, auf der Ackerfläche am Flugplatz keinen privaten Schutt abzuladen nach dem Motto „Da liegt ja eh was, da schütte ich meinen Kram dazu“. Betonbrocken, Zaunpfosten und -material seien schon illegal abgekippt worden. „Das muss alles wieder von uns mühsam aussortiert werden“, so Reischmann. Auch Grünschnitt soll nicht abgeladen werden, weil auch er den Einbau des hochwertigen Bodens verhindert.

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