Nachruf
Regisseur Tarek Ehlail aus Homburg ist tot: Punk bis zuletzt
„Life is good. Make it count.“ Es sind eindringliche Worte, die Tarek Ehlail an diesem Freitag an seine Freunde bei Facebook richtet. Das Leben sei gut. Es gelte, das Beste daraus zu machen. Der 29. August ist der Geburtstag seiner Schwester Julia. Sie ist 2019 gestorben. Mit einem Foto erinnert er an sie. Die Aufnahme zeigt Julia und ihn als kleine Kinder auf einem Fahrrad in Kirrberg (Saar). Der Post dient der Erinnerung – und der Mahnung.
Es ist das letzte öffentliche Lebenszeichen, das es von dem Filmemacher gibt. Ehlail, am 31. August 1981 als Sohn eines Palästinensers und einer Deutschen in Homburg geboren, starb wenige Stunden nachdem er den Post abgesetzt hatte bei einem Autounfall auf der A1 nahe Köln. Ausgerechnet am Geburtstag von Julia. Auf dem Weg zu Fadja, seiner anderen Schwester. Die Familien wollten den Urlaub genießen, zusammen an Julia denken und Tareks Geburtstag feiern. Doch dazu kam es nicht mehr. Der 43-Jährige krachte mit seinem Auto in ein Stauende, verstarb noch vor Ort. Unter seinem letzten Post nehmen viele Weggefährten Abschied von einem echten Typen.
Wer war dieser Mensch, dessen Tod so viele traurig macht? Ganz sicher ein besonderer. Einer, der zeitlebens Punk blieb – auch als er längst Erfolg in der Filmbranche hatte. Einer, der in den 2000ern mit Freunden zusammen zu „Sabotakt-Boxevents“ lud, bei denen die Gäste zu Live-Punk boxen konnten. Die Veranstaltungsreihe führte den Saarländer durch ganz Europa.
Spätestens mit seinem Debütfilm „Chaostage – We are Punks“ verschrieb sich Ehlail der Filmkunst, wobei auch hier der Punk alles Tun durchzog. Sein Erstlingswerk befasste sich mit den Straßenschlachten der 80er- und 90er-Jahre. Mit Claude-Oliver Rudolph, Martin Semmelrogge oder Ben Becker gelang es dem Neuling in der Branche, Schwergewichte zu engagieren.
Das Feuilleton reagierte und rezensierte zunächst verhalten, stieß sich gerade an der „hektischen“ Umsetzungsart. In der Punkszene selbst kam der Film gut an – was Tarek Ehlail zumindest in den Anfangszeiten besonders wichtig war. Zustimmung erhielt der Saarländer für seine Doku „Gegengerade – Niemand siegt am Millerntor“. Der Film würdigt den Mythos FC St. Pauli. Fortan wurden die Werke Ehlails auf Festivals gezeigt, gewannen Preise und Herzen.
Mit seinen Erfolgen blieb allerdings weniger Zeit für seine weiteren großen Leidenschaften: das Tätowieren und das Piercen. Erst recht, als er begann, für bekannte Größen wie den Rapper Bushido oder die Punk-Band Slime Musikvideos zu drehen. In seinem Tun blieb sich Ehlail treu. Er konnte nie viel anfangen mit Konventionen. Bis zuletzt ging der 43-Jährige am liebsten seinen eigenen Weg.
Auf diesem Weg hatte Ehlail stets viele Gefährten an seiner Seite. Aus Hamburg, seiner zweiten Heimat. Aber auch aus dem Saarland und der Pfalz. Dem Südwesten blieb er bis zu seinem letzten Tag eng verbunden. Immer wieder besuchte er seine Familie und Freunde. Dementsprechend groß ist auch in der Region die Trauer über den Verlust eines Unikats.