Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Radioaktivität und verweste Leichen: Die Arbeit eines Meteorologen

Der Zweibrücker Meteorologe Patrick Lang hat eine Wetterstation im Garten. Die misst die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit im
Der Zweibrücker Meteorologe Patrick Lang hat eine Wetterstation im Garten. Die misst die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit im Stadtgebiet.

Er hilft der Polizei, Firmen beim Winterdienst und bei der Planung von städtischen und privaten Veranstaltungen. Was Patrick Lang mit seiner Wetterarbeit leistet.

Wie war das Wetter in Zweibrücken am 1. Mai 1994? Eine ungewöhnliche Frage. Ein gebürtiger Zweibrücker mit einem noch ungewöhnlicherem Hobby kennt die Antwort: Patrick Lang. Der gelernte Meteorologe muss nur bei sich zuhause in seinem Archiv nachschauen und kann die Höchst- und Tiefsttemperatur an diesem Tag, den Niederschlag sowie die Windstärke und -richtung sagen. Denn seit 1994 zeichnet er das Wetter in der Stadt auf. Jeden Tag. Das machte der 50-Jährige allerdings nicht für seinen Job beim Deutschen Wetterdienst, wo er 20 Jahre lang gearbeitet hat. Er macht das als Hobby.

Wetter für Piloten erfasst

Als Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst war er unter anderem zwei Jahre an der Flugwetterwarte bei Frankfurt tätig. Dort erfasste er als Flugwetterbeobachter für Piloten weltweit den aktuellen Wetterzustand, damit diese wussten, ob sie bei Starts und Landungen am Frankfurter Flughafen auf Nässe, Wind, Glätte, Niederschlag oder Wind achten müssen.

„Das Beobachterhaus stand direkt an der Start- und Landebahn. Ständig sind Flugzeuge ganz nah über meinem Kopf geflogen. Öfter gab es Notlandungen, zum Beispiel, weil das Kerosin nicht ausreichen könnte. Da war dann immer großes Blaulichtaufgebot“, erzählt Lang.

Regen und Luft auf Radioaktivität untersucht

Bei der Wetterwarte in Stötten bei Ulm hat Lang Radioaktivität in der Luft und im Niederschlag gemessen. „Nach der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl hat man in Deutschland ein Messnetz dafür aufgebaut, um Aktivitäten aus dem Ausland früh zu erkennen“, erklärt der Wetterdiensttechniker.

Nach 20 Jahren wurde Lang aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt. Aufgegeben hat er seine Leidenschaft aber nicht: Seit 1998 schreibt er Wetterberichte für die RHEINPFALZ, das macht er bis heute. Seine Wetterstation im Garten betreibt er weiterhin.

Mit einem Spezial-Zylinder, einem Hellmannschen Niederschlagsmesser, fängt Patrick Lang täglich Regen und Schnee auf und rechnet
Mit einem Spezial-Zylinder, einem Hellmannschen Niederschlagsmesser, fängt Patrick Lang täglich Regen und Schnee auf und rechnet die Menge auf den Niederschlag pro Quadratmeter hoch.

Kripo braucht Wetterdaten

Die Daten, die er sammelt, und seine Prognosen sind in den unterschiedlichsten Bereichen gefragt. „Die Schöndorf Service GmbH in Zweibrücken plant nach meinen Vorhersagen, wie viel Streusalz und Personal sie für ihren Winterdienst einsetzt und mit welchen Einsätzen sie rechnen muss.“ Dabei wolle die Firma genau wissen: Wann fällt Schnee? Wie viel? Wie lange? Und wann wird es wo glatt?

„Erschrecken Sie jetzt nicht, die Kripo ist dran“, sagte einmal ein Anrufer zu ihm am Telefon. An diese Worte erinnert sich Lang noch ganz genau. „Die Polizei wollte von mir wissen, wie das Wetter zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem Ort war. Das beeinflusst nämlich, wie schnell eine Leiche verwest.“ Mithilfe von Langs Wetterdaten konnten die Ermittler genauer rekonstruieren, wie lange ein Leichnam im Freien gelegen hatte, bevor er entdeckt wurde. Um welchen Fall es sich dabei handelte und wie dieser letztlich ausging, weiß Lang allerdings nicht.

Veranstaltungen von Langs Prognosen abhängig

Auch bei Veranstaltungen in der Stadt ist Langs Expertise gefragt: Vergangene Woche habe Wolfgang Spenler ihn nach dem Wetter für Dienstag, 17. Februar, gefragt. Da startet nämlich um 14.11 Uhr der Zweibrücker Fasnachtsumzug. In diesem Jahr wird Spenler – seit 18 Jahren Zugführer – von Steven Schneider, Alexander Daiker und Karl-Heinz Lang unterstützt. Und wie wird das Wetter am Dienstag beim Umzug? „Eher nass und kühl“, sagt Lang.

Auch im Rathaus waren Langs Wettervorhersagen schon gefragt: „Für das Spielfest im Freibad. Da mussten wir donnerstags entscheiden, ob das Fest sonntags stattfinden kann.“ Doch Lang lag dabei nicht immer richtig. „Einmal habe ich daneben gelegen“, erinnert sich Lang. „Das Spielfest wurde abgesagt, weil ich dachte, es gibt schlechtes Wetter. Und dann war es an dem Sonntag sonnig bei 27 Grad“, erzählt er.

Bei manchen Anfragen muss Lang in seinen Aufzeichnungen nachschauen, wie das Wetter an einem bestimmten Tag war, zum Beispiel, wenn Zweibrücker bei Unwetterschäden an Haus und Auto Probleme mit ihrer Versicherung haben.

Genauere Angaben als Wetterapps

Viele Zweibrücker wollen von Lang eine Wettervorhersage für einen bestimmten Tag, wenn sie ein Fest wie eine Geburtstagsfeier oder eine Hochzeit planen. „Eine Woche vorher ist schon ein grober Trend erkennbar, drei Tage davor kann ich das relativ genau vorhersagen“, erklärt Lang. „Auf die Prognosen von Wetterapps kann man nichts geben. Die sind sehr ungenau, weil das Wetter von zu vielen Faktoren abhängt. Im Groben passt das schon, aber meine Angaben sind genauer, weil ich die Wetterstation direkt vor Ort habe“, sagt Lang.

So melde die Wetterapp beispielsweise an einem Tag einen bis fünf Zentimeter Schnee, während er das auf zwei bis drei Zentimeter präzisieren könne. Außerdem könne er eventuell Entwarnung für Zweibrücken geben, wenn der Wetterdienst vor überfrierender Nässe in einer Nacht warnt. „Oder umgekehrt: Der Wetterdienst meldet keine Glätte, aber ich warne davor“, ergänzt Lang.

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