Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer lockt Schatzsucher aus aller Welt ins Land

Meisterschaft der Sondengänger: Jäger des verborgenen Schatzes.
Meisterschaft der Sondengänger: Jäger des verborgenen Schatzes.

Mit dem Metalldetektor forscht der Zweibrücker Martin Kohl im Erdreich nach Altertümern. Alljährlich organisiert er die Deutsche Meisterschaft der Sondengänger.

Anfang Juni schwenken sie auf einem Acker im Moseltal wieder die Metalldetektoren: Dann messen sich rund 600 Sondengänger aus Deutschland, West- und Osteuropa, England, den USA und Australien bei der offenen Deutschen Schatzsuchermeisterschaft. Organisiert wird Deutschlands größter Wettbewerb der Sondengänger-Szene von dem Zweibrücker Martin Kohl und seinen Freunden.

Martin Kohl ist Sondengänger aus Passion.
Martin Kohl ist Sondengänger aus Passion.

Ort des Geschehens ist eine Wiesenfläche bei Reinsfeld nahe der A1 bei Hermeskeil. „Es gibt dort einen Campingplatz, und übers Wochenende vom 5. bis 7. Juni sind auch viele Rahmenveranstaltungen geplant“, spricht der 54-Jährige von Bogenschießen und Magnet-Angeln mit Booten auf einem Weiher. Beliebt sei auch ein Gewinnspiel, bei dem es gilt, mithilfe des Detektors ein Lösungswort aus Draht-Buchstaben herauszufinden, die im Sand verbuddelt sind.

Seit Firmengründung besser abgesichert

Höhepunkt des Spektakels ist aber die eigentliche Meisterschaft: Innerhalb eines bestimmten Zeitraums müssen die Sondengänger möglichst viele der Metallmünzen aufspüren, die die Veranstalter zuvor im Acker vergraben haben.

Stolz ist Kohl auf diesen Eierbecher, den ein Pfälzer Soldat im Ersten Weltkrieg im Schützengraben aus einer französischen Grana
Stolz ist Kohl auf diesen Eierbecher, den ein Pfälzer Soldat im Ersten Weltkrieg im Schützengraben aus einer französischen Granate gebastelt hat.

„2026 geht der Sondengänger-Wettbewerb ins 46. Jahr“, berichtet Martin Kohl. Um 1980 hatte der Hobby-Altertumsforscher Wolfgang Stüssel aus dem Reinsfelder Nachbarort Osburg die Tradition begründet. „Als er aus Altersgründen aufhörte, hab’ ich die Sache 2014 übernommen“, erinnert sich der Zweibrücker, der als IT-Spezialist bei der Softwarefirma Proalpha im westpfälzischen Weilerbach seine Brötchen verdient. „Weil die Veranstaltung immer größer und aufwendiger wurde, habe ich mit zwei Partnern die Firma Schatzsuche 1-2-3 gegründet. Zuvor hätte ich ganz alleine privat haften müssen, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Jetzt bin ich besser abgesichert.“ Kohl ist Geschäftsführer; die beiden Mitstreiter sind sein niederländischer Sondengänger-Kumpel Ulrich Esters und Manfred Klöckner aus Isenburg im Westerwald. „Am Veranstaltungswochenende helfen uns rund 15 Minijobber bei der Organisation, an der Tageskasse und den Verkaufs- und Verpflegungsständen.“

Auf dem Reinsfelder Acker geht es auf die Jagd nach vergrabenen Metallmünzen.
Auf dem Reinsfelder Acker geht es auf die Jagd nach vergrabenen Metallmünzen.

Auch in Schwarzenacker hat er sondiert

Seine erste Begegnung mit der Welt der Sondengänger hatte Kohl mit zwölf auf einem Kindergeburtstag. „An diesem Tag kam der Heimatforscher Arno Hübler aus Kirkel-Altstadt, der Opa des Geburtstagskindes, aus Rheinzabern zurück. Mit alten Münzen und römischen Tonscherben, die er dort gefunden hatte.“ Bald schon begleitete der Junge den Historiker Hübler bei offiziellen Ausgrabungen und Bodensondagen etwa in Homburg-Schwarzenacker: Dort schlummern noch viele Reste einer antiken gallorömischen Siedlung im Boden. „Unter anderem habe ich dort einen Löwen aus Bronze, Münzen und eine Balkenwaage gefunden. Das kann man sich heute alles im Römermuseum Schwarzenacker anschauen.“

3500 solcher Münzen aus Messing werden für die Meisterschaft im Acker vergraben.
3500 solcher Münzen aus Messing werden für die Meisterschaft im Acker vergraben.

Als Teenager kaufte sich Martin Kohl seinen ersten Metalldetektor auf dem Flohmarkt. Die Heimatgeschichte von der Antike bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg hat es ihm angetan. Wenn er im Bliesgau oder in der Südwestpfalz auf die Pirsch geht, soll alles seine Richtigkeit haben, betont er. „Grundsätzlich ist Privatleuten in Rheinland-Pfalz die Suche nach antiken Gegenständen verboten“, umschreibt der Zweibrücker den Standpunkt der archäologischen Landesbehörden. „Fachanwälte halten die Suche mit dem Detektor dagegen prinzipiell für erlaubt, solange man sich nicht auf Bodendenkmälern bewegt.“ Die Gesetzeslage sei „ziemlich unscharf geregelt“, sagt Kohl. Dass ein Sondengänger einen bemerkenswerten Fund meldet, solle aber eine Selbstverständlichkeit sein. Kohl, der für sein Hobby eine amtliche Genehmigung hat, tritt regelmäßig zwischen Denkmalämtern und Sondengängern als Vermittler auf – etwa als Experte bei Gerichtsprozessen.

Speyerer Archäologin hält Gastvortrag

Für einen besseren Draht zwischen den amtlich bestallten und den privaten Altertumsforschern sollen auch Sonderveranstaltungen im Rahmenprogramm der Deutschen Sondengängermeisterschaft sorgen. „Dass wir ein vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut haben, sieht man daran, dass dieses Jahr Bettina Hünerfauth bei uns einen Vortrag halten wird. Sie ist die kommissarische Leiterin des Amts für Landesarchäologie in Speyer.“ 2025 habe Sven Rasehorn, Technischer Leiter beim Kampfmittelräumdienst Koblenz, die Sondengänger in Reinsfeld darüber informiert, was zu tun ist, wenn sie in Ausübung ihres Hobbys auf Explosivstoffe aus Kriegszeiten stoßen.

Auf dem Testparcours kann man Sonden verschiedener Anbieter ausprobieren.
Auf dem Testparcours kann man Sonden verschiedener Anbieter ausprobieren.

Das Wichtigste bei der Deutschen Meisterschaft sei, „dass Gleichgesinnte aus aller Welt sich kennenlernen und vernetzen“, sagt Martin Kohl. Führende Hersteller von Sonden und Zubehör aus aller Welt seien mit Ständen vor Ort. Unverzichtbar sei das Probe-Suchgelände, das zum Angebot dazugehört: „Auf unserem Testparcours kann man die ausgestellten Detektoren ausprobieren und selbst herausfinden, welches Modell am besten zu einem passt. Hier kommt man auch mit erfahrenen Suchern ins Gespräch. Die wissen nicht nur über das Material, sondern auch über die oft komplizierte Rechtslage gut Bescheid.“

Wieder hat jemand eine versteckte Münze aufgespürt.
Wieder hat jemand eine versteckte Münze aufgespürt.
Beim großen Treff der Sondengänger-Szene wird Geselligkeit großgeschrieben.
Beim großen Treff der Sondengänger-Szene wird Geselligkeit großgeschrieben.
x