Zweibrücken
Personalausfälle, Sanierungsdruck: Warum die Kita Vogelnest in Not ist
„Das ist ein Alarmruf“, sagt Silke Gundacker, Dekanin des protestantischen Kirchenbezirks Zweibrücken, auf Anfrage. Die baulichen Altlasten seien groß, es fehle an Personal und an Geld. Das betreffe nicht nur die Kita Vogelnest, sondern auch weitere Einrichtungen, die zum protestantischen Kitaverbund in Zweibrücken gehören, knapp 30 an der Zahl.
Die Kita Vogelnest, eine Einrichtung mit einer Gruppe, kenne sie noch nicht persönlich, wisse aber um die Probleme und plädiere für einen Termin vor Ort – mit allen Beteiligten, kündigt Gundacker an. Die Situation sei dort besonders herausfordernd, weil das Gebäude dem Diakonissenverein Niederauerbach gehöre, die Trägerschaft aber beim Kitaverbund liege. „Da müssen auch rechtliche Fragen geklärt werden“, erklärt Gundacker. Außerdem sei es „grundsätzlich immer schwierig, eine eingruppige Kita zu führen“, sagt Gundacker. Sie kenne die Probleme auch von anderen eingruppigen Einrichtungen. Es wirke sich „sofort aus, wenn die Leitung mal fehlt oder Urlaub hat“. Häufige Schließtage seien die Folge.
Hohe Ausfallzeiten bringen Eltern in Not
Für die anstehenden Sanierungsmaßnahmen in der Kita Vogelnest müssten Fördergelder beantragt werden, sagt Gundacker. Auch bei einer Reihe anderer Kitas im Kitaverbund stünden Maßnahmen an, etwa der Umbau des Lützelhauses in Bubenhausen. „Ich reise rum, verschaffe mir ein Bild der Lage und bin in Kontakt mit den Kommunen. Wir brauchen Lösungen für alle Kitas, nicht nur für die Kita Vogelnest“, betont Gundacker.
Auf die Situation der Kita Vogelnest aufmerksam gemacht hatte Thorsten Gries, Stadtratsmitglied und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Niederauerbacher Vereine. Bei all den Sorgen und Beschwerden von Eltern und Mitbürgern, die man ihm zugetragen habe, würden „die hohen Ausfallzeiten besonders kritisch wahrgenommen“, teilt Gries mit. Sie belasteten den Alltag vieler Familien „erheblich“. „Eltern, die beruflich auf eine verlässliche Betreuung angewiesen sind, sehen sich zunehmend gezwungen, nach Alternativen zu suchen. Der Versuch, Kinder in städtischen Kitas unterzubringen, gestaltet sich jedoch aufgrund vollständig ausgelasteter Anmeldelisten auf Jahre hinaus als nahezu unmöglich.“
Ist ein Trägerwechsel die Lösung?
Außerdem sorgten sich Eltern, dass der Träger „keine ausreichenden Maßnahmen zur Sicherung und Weiterentwicklung der Kita ergreife“. Vereinzelt werde bereits die Befürchtung geäußert, dass eine vollständige Schließung der Einrichtung in Betracht gezogen werden könnte. Es stelle sich „die grundlegende Frage, ob eine Überführung der Kita Vogelnest in die Trägerschaft der Stadt Zweibrücken nicht die bessere Lösung wäre“, fasst Gries zusammen.
Die Probleme der Kita Vogelnest sind Maren Schmidt, kommissarische Geschäftsführerin des protestantischen Kita-Verbunds Zweibrücken, hinlänglich bekannt. „Tatsächlich gab es im Jahr 2025 aufgrund von Personalausfällen vermehrt Schließtage. Zwischenzeitlich sind in der Einrichtung andere Mitarbeiter eingesetzt worden“, bestätigt Schmidt auf Anfrage. In der Eingruppigkeit der Einrichtung liege „eine gewisse Grundproblematik“, stellt Schmidt fest. Die Kita betreue 26 Kinder ab zwei Jahren bis Schuleintritt bei einer regulären Öffnungszeit von 7.30 bis 14.30 Uhr. Drei Mitarbeiterinnen stünden zur Verfügung, etwas mehr als für die Betriebserlaubnis notwendig. Falle eine Mitarbeiterin aus, biete eine Notgruppe sechs Stunden Betreuung am Tag. Kürzungen bei den Betreuungszeiten würden den Eltern „transparent und so zeitnah wie möglich übermittelt“, beteuert Schmidt. Um die Personalsituation zu verbessern – auch das ein Anliegen von Thorsten Gries – sei sie „mit der Stadt im Gespräch für eine zusätzliche Stelle für Integration aus dem Sozialraumbudget“, erklärt Schmidt.
„Ich kann die Eltern gut verstehen“
Matthias Strickler, Pfarrer der protestantischen Kirchengemeinde Niederauerbach und Vorsitzender des Diakonissenvereins, zeigt sich auf Anfrage erfreut, dass ihn der Kitaverbund mit ins Boot geholt hat. Das sei in der Vergangenheit nicht der Fall gewesen. Das Gebäude in der Denkmalstraße 1 sei in die Jahre gekommen, zählt Strickler auf: Probleme mache der Boden, der sich ablöse, am Windfang sei Schimmel, zwei Türen müssten ersetzt und die Abstände der Gestänge an einer Feuerleiter verkleinert werden, damit ein Kind nicht den Kopf durchstecken könne. Kostenpunkt: rund 20.000 Euro. Der Diakonissenverein, dem das Gebäude gehöre, könne das alleine nicht stemmen; einzig die Kosten für den Architekten könne der Verein übernehmen, so Strickler. „Uns ist es wichtig, die Kita so herzurichten, dass die Kinder sie weiterhin gut besuchen können“, betont Strickler. Zur Personalsituation in der Kita Vogelnest merkt Strickler an: Alle Kitas, ob städtisch oder kirchlich, hätten Personalprobleme. „Ich kann die Eltern gut verstehen. Für jeden, der hier keine Familie hat, die aushilft, ist die Situation schwierig. Aber wir sind dran und wir bemühen uns, dass es zeitnah besser wird“, versichert Strickler.
Um Personalengpässe in Zukunft besser abfangen zu können, hoffe man, so Dekanin Silke Gundacker, bald einen Springer zu finden. Die Stelle sei ausgeschrieben gewesen, es habe sich aber niemand beworben. Man setze jetzt auf einen zweiten Anlauf, so Gundacker.