Neunkirchen RHEINPFALZ Plus Artikel Pe Werner über ihre Musik und ihr Leben

Pe Werner und Peter Grabinger, der die Sängerin seit 29 Jahren am Flügel begleitet.
Pe Werner und Peter Grabinger, der die Sängerin seit 29 Jahren am Flügel begleitet.

Eineinhalb Jahre nach ihren Konzerten in Pirmasens und Neunkirchen singt Pe Werner wieder in der Neuen Gebläsehalle in Neunkirchen. Christian Hanelt sprach mit ihr.

Sie sind mit dem Programm „Vitamin Pe“ schon vor eineinhalb Jahren in der Region aufgetreten. Wie hat sich das Programm seither verändert?
Als wir damals in Neunkirchen und Pirmasens waren, hatten wir ja kurz zuvor erst die Premiere mit dem Programm. Und von da an wächst es immer ein bisschen, gedeiht und verändert sich. Aber im Prinzip ist es natürlich diese Vitamin-Pe-Spritze.

Wie ist es Ihnen denn ergangen seit 2024?
Damals war ich richtig angeschlagen, hatte eine Corona-Erkrankung und habe mich durch den Winter gequält, denn es war auch das erste Mal, dass es mir auf die Stimme geschlagen ist und ich deshalb bei einem Logopäden war. Und erstmals in meinem Leben habe ich damals Gesangsübungen gemacht, denn ich bin ja eigentlich so ein Badewannentalent: Ich gehe auf die Bühne, mache den Mund auf und singe. Damals war es aber so, dass sich die Stimmbänder nicht mehr geschlossen haben. Es war eine schwierige Zeit für mich, auch weil ich zum ersten Mal in meinem Leben Konzerte absagen musste, Aber jetzt bin ich wieder topfit.

Das heißt also, mit 65 Jahren spielen Sie jetzt noch nicht mit dem Gedanken an die Rente?
Nein. Ich finde es aber ganz interessant, dass ganz viele meiner Freunde, die „normalen Berufen“ nachgehen, mich fragen: „Wie lange musst du denn noch?“ Für mich ist das aber überhaupt kein Thema. Ich habe auch das Glück, dass meine Stimme noch so klingt wie vor 30 Jahren – also sehr jugendlich. Die Tonmeister in den Tonstudios, die mich nicht kennen, wundern sich auch immer wieder und sagen: „Das ist ja unglaublich, wenn man Dich hört, denkt man nicht, dass diese Stimme aus einem 65 Jahre alten Körper kommt.“ Als Selbstständige denke ich nicht über Berentung nach. Ich habe brav eingezahlt in die Künstlersozialkasse, und nächstes Jahr steht dann tatsächlich eine Rentenerwartung ins Haus. Das ist zwar ganz schön, heißt aber nicht, dass ich mich zu Hause aufs Sofa setzen will. Das Musizieren macht einfach zu viel Freude.

Auf die Bühne zu gehen, ist für Sie also auch eher Berufung als Beruf?
Ja, genau. Diese zwei Stunden auf der Bühne sind ja der schönste Teil meines Berufs. Das Reisen und das Kofferschleppen durch schmutzige Bahnhöfe, Garderoben, die nicht so richtig appetitlich sind, oder Hotelzimmer, die man sich irgendwie schöner gewünscht hätte – das sind alles Dinge, die man dann nicht voranstellt. Aber der eigentliche Beruf ist natürlich der schönste der Welt.

Das Bild auf dem Cover Ihrer jüngsten CD ist Frida Kahlo nachempfunden. Aber es entspricht so gar nicht Ihrem Naturell. Sie sind ein fröhlicher Mensch, stets mit einem Lächeln im Gesicht, blicken auf dem Foto aber sehr ernst drein.
Das stimmt. Da habe ich mit dem Fotografen lange hin und her diskutiert. Er war der Ansicht, dass es ein Artwork ist, also im wahrsten Sinne des Wortes ein Kunstwerk. Ich aber sehe mich eher als lachende Frau. Letztlich fand der Fotograf aber, dass das ein Widerspruch zum Thema ist. Gerade weil wir gesagt haben, das Bild soll sein wie bei Frida Kahlo, bloß mit Obst und Gemüse drauf. Das hatte ich mir ja auch gewünscht. Aber im Nachhinein haben Sie vollkommen recht: Ein bisschen mehr Lächeln hätte dem Cover nicht geschadet. Da gucke ich wirklich sehr ernst drein.

Nach welchen Kriterien haben Sie das Programm zusammengestellt?
Ich gehe immer auch von mir aus, wenn es um die Erwartungshaltung von einem Publikum geht. Und ich weiß natürlich, dass ein Programm von mir ohne „Kribbeln im Bauch“ suboptimal wäre, weil die Leute einfach auf dieses Lied warten. Und so gibt es auch andere Lieder, die einfach in das Programm gehören. Zumal wenn man so ein bisschen, wie ich das jetzt mache, während des Abends von der eigenen Vita erzählt und wie das alles losgegangen ist. Das heißt: „Weibsbilder“ war mein erstes Album, mein Debütalbum, also findet der Song auch im Konzert statt. Wenn ich also am Schreibtisch das Programm skizziere, gehe ich stets auf die Bedürfnisse ein, also auf meine eigenen, neue Songs zu präsentieren, als auch auf die des Publikums, das die Hits hören möchte. Und dennoch ist es immer noch so, dass die Leute fragen, „warum haben Sie denn nicht das und das Lied gespielt?“ Ich antworte dann: „Es kommt halt in 35 Jahren sehr viel zusammen. Da würden wir morgen noch hier sitzen, wenn ich alles spielen wollte.“ Das heißt also, ich versuche einen Bogen zu spannen zwischen Neuem und Bekanntem und möchte auch immer, dass es ein unterhaltsames Programm ist, damit man mit einem guten Gefühl aus dem Konzert geht.

Und wie ist das mit den Zwischentexten?
Eigentlich ist das Konzert wie ein Theaterstück aufgebaut. Es gibt festgeschriebene Texte – natürlich auch um die Stichworte für Licht, Ton und den Pianisten zu geben. Das ist der Rahmen. Aber innerhalb dieses Rahmens finden auch immer Improvisationen statt. Gerade wenn ich mit Peter Grabinger quatsche, mit dem ich jetzt das 29. Jahr auf der Bühne bin. Wir kennen einander so gut, da kann man auch mal über irgendwas quatschen, was neulich passiert ist.

Verändert sich die Bedeutung Ihrer Lieder, wenn Sie sie Jahrzehnte nach der Veröffentlichung wieder singen?
Das ist eine gute Frage. Also ich würde keine Songs ins Programm nehmen, zu denen ich gar keine Beziehung mehr habe. Und dann gibt es Lieder, die wachsen mit mir mit, wie „Das Kribbeln im Bauch“. Und das ist mir auch besonders wichtig, weil es da Sprachbilder gibt, die mich in meine ganz ureigene, persönliche Kindheitsgeschichte zurückholen. Und das Verrückte ist ja immer, dass, sobald die Songs veröffentlicht sind, viele Menschen sagen, „Du erzählst genau meine Geschichte, genau so war es bei mir, so fühle ich mich.“ Das ist, glaube ich, der Zauber am Songschreiben oder an Musik allgemein – festzustellen, wozu Musik fähig ist, dass Menschen sich darin wiederfinden.

Würden Sie bestimmte Lieder heute anders schreiben?
Ich glaube nicht. Also das ist ja das Verrückte, wenn ich so eine Rückblende mache. Vielleicht sind meine Lieder inzwischen einen Tick poetischer, die Sprachbilder etwas ausgefeilter geworden. Gregor Meyle hat zu meinen Liedern einmal gesagt, „oh, das ist ja Poesie“. Vielleicht hat sich mein Schreiben insofern verändert, als dass meine Sprache ein bisschen in Bezug auf das Lyrische komprimierter geworden ist. Vielleicht war die Sprache, als ich mit 27 anfing, eine etwas einfachere. Aber ansonsten habe ich das Gefühl, dass sich musikalisch eigentlich nicht viel verändert hat seit ich 16 war und ich mir die erste Gitarre erbettelt hatte. Damals war gleich ein Stil da, wie eine Handschrift. Das finde ich selbst manchmal sehr erstaunlich, dass dem immer noch so ist, auch wenn ich zwischendurch meine Ausflüge in den Jazz gemacht habe.

Das Konzert

Pe Werner: Samstag, 21. Februar, 20 Uhr. Neunkirchen, Neue Gebläsehalle.

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