Zweibrücken Oft hilft schon ein Gespräch

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Der Weiße Ring ist in Zweibrücken in einer vergleichsweise komfortablen Lage. Außenstellenleiter Rainer vom Berg hat sieben Mitstreiter, die sich um Opfer von Verbrechen in der Rosenstadt und der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land kümmern. Die Bandbreite ist groß und reicht von der Begleitung bei Gerichtsterminen bis zur finanziellen Soforthilfe für Durchreisende, die bestohlen wurden.

Wegen der guten personellen Ausstattung mit rein ehrenamtlichen Helfern müssen die Zweibrücker aber auch noch Pirmasens und den ganzen Kreis Südwestpfalz mitbetreuen, wo kein einziger Mitarbeiter des Weißen Rings zu finden ist. Interessanterweise kommt der Zweibrücker Flughafen öfter in der Arbeit der Opferhilfeorganisation vor. Vom Berg kann beispielsweise von zwei Mädchen aus Völklingen berichten, die aus Mallorca kommend auf dem Flughafen bestohlen wurden und ohne Geld sowie Bahntickets in der Stadt standen. Mit 50 Euro konnte der Weiße-Ring-Mitarbeiter helfend einspringen, um neue Bahntickets zu kaufen. Vom Berg berichtet von zwei andere Frauen, die am Flughafen bestohlen wurden und für die Weiterreise ebenfalls Geld brauchten. In einem anderen Fall musste vom Berg mit seinem Team ein Opfer eines Banküberfalls vier Jahre lang betreuen. Die Person war sogar zweimal Opfer eines Banküberfalls geworden und nervlich schwer angeschlagen. „Opfer sind oft in einer sehr verlorenen Lage“, weiß vom Berg zu berichten. Geld und Anwaltskosten seien aber nicht alles, was die speziell geschulten Mitarbeiter des Weißen Rings in Zweibrücken für ein Verbrechensopfer tun können. „Beistand und Hilfe durch ein Gespräch sind oft sehr, sehr wichtig“, weiß vom Berg aus langjähriger Erfahrung. Die ehrenamtlichen Helfer des Weißen Rings stehen den Opfern auch bei schwierigen Terminen bei. Sie gehen etwa mit zur Polizei, zur Staatsanwaltschaft oder zu Gerichtsterminen. „Das ist immer ein ganz heikles Thema, wenn das Opfer zum ersten Mal seit der Tat wieder mit dem Täter konfrontiert wird“, berichtet vom Berg. Die Mitarbeiter leisten mit ihrer Fachkenntnis auch Unterstützung bei Papierkram. Wer weiß schon, wie ein Antrag nach dem Opferentschädigungsgesetz ausgefüllt werden muss und ob er überhaupt so einen Antrag stellen kann? Es gibt noch andere Wege, um Unterstützung nach einer Gewalttat zu erhalten, etwa die Stiftung Opferschutz. 15 Anrufe erhalte der Weiße Ring in Zweibrücken im Monat. „Fünf davon sind nichts für uns“, berichtet vom Berg. Zumal der Weiße Ring auch nicht in jedem Fall helfe, auch wenn es ein Opfer eines Verbrechens ist, das sich da meldet. „Wenn der Betroffene drei Häuser und zwei Porsche vor der Tür stehen hat, braucht der keinen Beratungsscheck. Da helfen wir eher nicht.“ Manchmal ist die Hilfe auch aus anderen Gründen nicht nötig, wie Herbert Nikaes zu berichten weiß, der die meisten Fälle in Pirmasens betreut. Ein Pirmasenser beispielsweise habe sich einst an den Weißen Ring gewandt mit dem Vorwurf, dass sein Nachbar ihm 2000 Euro gestohlen habe. Der Antrag auf Hilfe sei schon bei der Zentrale des Weißen Rings gestellt worden, erzählt Nikaes, als die Geldmappe im Haus des vermeintlichen Opfers gefunden wurde. Der Mann hatte schlichtweg vergessen, wo er das Geld versteckt hatte. Nikaes ist berufsbedingt als Beamter der Zweibrücker Polizeiinspektion mit dem Thema gut betraut. Grundsätzlich werden alle Mitarbeiter vor ihrem ersten Einsatz mit einem Grundlehrgang vom Weißen Ring geschult. Später kommen weitere Lehrgänge dazu. Generell gehen immer zwei Mitarbeiter zu einem Termin. „Auch um uns selbst zu schützen“, erläutert vom Berg.

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