Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Oberliga-Trainer Lydorf und Wiese kritisieren Entscheidung der Liga-Verantwortlichen

Rüdiger Lydorf
Rüdiger Lydorf

Zum zweiten Mal binnen einer Woche mussten die beiden Zweibrücker Handball-Oberligisten – die VTZ Saarpfalz und die Frauen des SV 64 Zweibrücken – nervenaufreibende Tage überstehen, bis am späten Donnerstagabend feststand, dass sie trotz verschärfter Corona-Lage spielen. Die VTZ gastiert am Sonntag beim TV Offenbach, die Frauen schon am Samstag beim TVA/ATSV Saarbrücken (beide Spiele jeweils ab 18 Uhr).

Dass die Saison nicht unterbrochen wird, begeistert keinen. „Ich glaube, ganz viele sind sich noch immer nicht des Ernstes der Lage bewusst, in der wir uns befinden“, sagt Rüdiger Lydorf, Trainer der SV 64-Handballerinnen, der im Krankenhaus in Neunkirchen arbeitet und täglich mit der sich verschärfenden Corona-Entwicklung konfrontiert ist. Was ihn und VTZ-Trainer Philip Wiese übereinstimmend ärgert, ist vor allem, dass die Verantwortlichen der RPS-Oberliga – mal wieder – den Willen der Vereine nicht oder nur bedingt beachten. Am Mittwoch waren die Vereine zu einer Videokonferenz eingeladen, in der über den Fortgang der Saison beraten wurde. Bei den Frauen-Oberligisten lautete das Ergebnis: Neun Vereine wollen weiterspielen, sechs die Saison unterbrechen. Bei den Herren stimmten zehn Vereine für Abbruch, fünf für spielen. „Wie schon bei der Sitzung vor Rundenstart, als die Vereine gefragt wurden, ob in zwei Staffeln gespielt werden soll, und sich eine klare Mehrheit dafür aussprach, wurde wieder gegen den Willen der Vereine entschieden. Zumindest bei den Herren“, bedauert Philip Wiese. Die Frage, ob es überhaupt Sinn mache, in Zukunft an Videokonferenzen teilzunehmen, „stellt sich da schon“, sagt er.

Auch wenn es bei den Frauen eine knappe Mehrheit fürs Spielen gab, was Lydorf verwundert - vor allem, weil einige pfälzische Oberligisten im Landkreis Germersheim wegen der Pandemie-bedingten Hallensperrung ab Montag nicht mehr trainieren können –, verweist er auf die Entwicklung binnen einer Woche: Eine Woche zuvor, als kurzfristig die 2G-plus-Regelung eingeführt wurde, waren die Klubs befragt worden. Damals hatten sich bei den Frauen 14 fürs Spielen entschieden, nur die Zweibrücker hatten für eine Unterbrechung votiert. „Jetzt waren schon sechs Vereine für unterbrechen. Auch wegen Corona-Fällen, die ihnen gezeigt haben, um was es wirklich geht“, sagt Lydorf, der auch sehr überrascht war vom eindeutigen Voting im Jugendbereich (34:12 für spielen). Er ist sich mit Wiese einig, dass es zu dieser Situation nicht gekommen wäre, wenn die Spielkommission im Sommer dem Vereins-Voting gefolgt wäre und die Oberligen in zwei Staffeln aufgeteilt hätte. Dann hätte der Spielplan Luft gelassen.

SV 64-Damen in Saarbrücken, VTZ-Herren in Offenbach

Weil ein Verschenken von Punkten aber keine Lösung ist, heißt es nach der Entscheidung, sich auf das Sportliche zu konzentrieren. Bei der VTZ freut sich Torwart Norman Dentzer, der lange in Offenbach spielte, auf ein Wiedersehen mit früheren Teamkollegen. „Er ist motiviert“, weiß Wiese. Die Offenbacher spielen um die Meisterschaft mit, haben erst einmal verloren. „Die Rollen sind klar verteilt“, sagt er . Aber nach den beiden Heimsiegen hat die VTZ Selbstbewusstsein getankt. Mit einer Rumpftruppe reisen die SV-Handballerinnen zu den bisher noch sieglosen Saarbrückerinnen. Nicht nur das Mini-Wechselkontingent ist eine Herausforderung, „sondern auch die unorthodoxe Weise, wie Saarbrücken spielt“, sagt Lydorf. Er hofft, dass seine Leistungsträgerinnen ihr kleines Tief überwunden haben.

Philip Wiese
Philip Wiese
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