Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Oberauerbach im Storchenfieber: Am Muttertag soll es Nachwuchs geben

Ablösung auf dem Nestbaum beim Bebrüten des Geleges.
Ablösung auf dem Nestbaum beim Bebrüten des Geleges.

Ein Storch aus Baden findet sein Liebesglück im Zweibrücker Land. Am Osterwochenende hat das Brutgeschäft begonnen.

Niemand kann sich daran erinnern, dass in Oberauerbach jemals ein Storch gebrütet hat. Schon Mitte März haben jedoch die Bewohner in der Heilbachstraße und an der Straße nach Contwig immer wieder zwei Störche beobachtet, die in der Hangwiese über der Bebauung nach Nahrung gesucht haben. Kaum jemand hat jedoch vermutet, dass die Störche in Oberauerbach auch ein Nest bauen werden. Wäre das laute Schnabelklappern kein unverzichtbares Balzritual der Störche, dann hätte wohl kaum jemand den Neststandort bemerkt. Eine Bewohnerin bei der Dorfkirche und dem Kindergarten mit Blick zum Storchennest berichtet, dass die Störche etwa zwei Wochen jeden Tag immer wieder mit kleinen Stöckchen und Grasbüscheln zum abgebrochenen Baumstumpf geflogen sind, um ihr Nest für den Nachwuchs herzurichten. Wann immer die Möglichkeit besteht, geht der Blick aller Familienmitglieder einschließlich des kleinen Sohnes zu dem kräftigen Baum auf der grünen Talwiese. Es wäre einfach einmalig, mitzuerleben, was die Störche so alles anschleppen, um das Nest fertigzustellen, sagen die begeisterten Storchenbeobachter. Vor allem würde sie der besondere Umgang der Vögel miteinander beeindrucken.

Das Ehepaar im Nachbarhaus hat ebenfalls vom großen Balkon einen ausgezeichneten Blick zu den Störchen in der Nachbarschaft. Der Ehemann ist bereits zum Storchenfreund geworden. Denn es sei einmalg, die Störche so aus der Nähe zu beobachten, wie sie sich abmühen, um eine Familie zu gründen. Es sei jeden Tag spannend zu beobachten, was sich auf dem Nest abspielt.

Gerade hat ein Storch das Nest angeflogen, und es gab eine deutlich hörbare Begrüßung. Der auf dem Gelege sitzende Storch hat sich danach erhoben, sodass der Ankömmling das Wärmen der Eier im Nest übernehmen konnte. Gleich danach ist der Partner abgeflogen, um nach Nahrung zu suchen – noch bevor die Dämmerung beginnt.

Storchennachwuchs bis zum Muttertag

Nun komme jedoch eine recht lange Geduldsprobe, bis der erste Nachwuchs zu sehen sein wird, so die beiden Anwohner mit Exklusivblick zum Nestbaum. Der Blitz habe vor wenigen Jahren in die Baumspitze eingeschlagen, sodass jetzt die Störche eine ideale Plattform hätten für den Nestbau. Die Brutdauer der Störche beträgt in der Regel 33 Tage. Die Storcheneltern wechseln sich beim Brüten ab, um dem Partner die Nahrungssuche zu ermöglichen. Am Maiwochenende, um den Muttertag herum, wird ihr erstes Storchenkind vermutlich geschlüpft sein. Ein nur wenige Minuten altes Küken wiegt zwischen 60 und 70 Gramm.

Für die Kindergartenkinder und Erzieherinnen der Kita ist die Beobachtung der Störche auch ein fester Tagesbestandteil geworden. Die Störche werden in den nächsten Monaten ein wichtiges Gesprächsthema im Kindergarten bleiben. Vor allem wird die Spannung zunehmen, wenn man das erste geschlüpfte Storchenküken sehen kann. Gerne hätten die Kindergartenkinder mehrere Storchenkinder. Dies würde natürlich für besondere Spannung bis in den Sommer hinein sorgen. Vor allem im Zeitraum der intensiven Phase der Futterversorgung. Aufregend wird auch der Zeitraum, in dem der Nachwuchs mit den Flugübungen auf dem Nest beginnt, um den ersten Abflug vom hohen Nestbaum zu wagen. Ein noch junges Storchenpaar hat in der Regel meistens zwei Storchenkinder.

Glücksfall: Nabu-Feuchtgebiet

Seit über 30 Jahren ist der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland im Besitz des Feuchtgebietes an der Kreisstraße 76 von Oberauerbach nach Battweiler. Die beiden Störche haben diesen idealen Lebensraum schnell entdeckt. Kürzlich waren sie erneut dort auf Futtersuche unterwegs. Anschließend haben sie in dem natürlichen Wassertümpel noch ein Bad genommen. Die wärmenden Sonnenstrahlen vom blaugrauen Himmel haben sie noch einige Zeit genutzt, um ihr feuchtes Federkleid ein wenig zu trocknen. Bevor sie in Richtung Oberauerbacher Sportplatz abgeflogen sind, haben sie in dem naturbelassenen Talbereich noch Nistmaterial gesammelt. Ein Storch hatte drei Ästchen im Schnabel, die er zum Nest beim Kindergarten transportierte. Sein Partner hatte den Schnabel mit dürren Grasbüscheln beim Abflug gut gefüllt. Der Ausflug vom Nest, Luftlinie nur etwa 400 Meter entfernt, hatte sich gelohnt. Die Störche werden sich in diesem sumpfigen Gelände noch häufiger wohlfühlen, denn die Tallage bleibt bis in den Sommer hinein feucht.

Nahrung werden die Störche im Winterbacher Tal, im Ohmbachtal zum Sportplatz Battweiler hin, ausreichend finden. Zudem gibt es noch Wiesenflächen in Richtung Contwig, Großbundenbach und Kleinbundenbach sowie das Wiesbachtal hinauf, sodass auch für den Nachwuchs das Futterangebot reichlich sein wird, so die Einschätzung der Vogelkenner des Nabu. Vom Nest haben die zukünftigen Eltern eine gute Rundumsicht, um eine drohende Gefahr rechtzeitig zu erkennen. Der An- und Abflug vom Nestbaum ist auch weitgehend ungehindert möglich, was den Störchen ebenso wichtig ist.

Badisches und Pfälzer Eheglück

Beide Störche, die nicht weit von der Dorfkirche und dem Kindergarten entfernt brüten werden, tragen einen Beinring. Der Storchenberinger für die Vogelwarte Radolfzell am Bodensee, Björn Busch-Geertsema vom Nabu, hat für die RHEINPFALZ in die Datenbank der Störche geschaut. Er hat herausgefunden, dass der Storch mit der Ringaufschrift ACH 46 im Jahr 2023 auf dem Hitscherhof geschlüpft ist. Der Partner mit der Bezeichnung ABE 77 bekam im Landkreis Karlsruhe 2022 seinen Beinring, wo er mit zwei weiteren Geschwistern aufgewachsen ist. Für beide Jungstörche ist es aufgrund des Alters wohl der erste Versuch einer Familiengründung.

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