Hornbach
Neuer Anreiz auf Pfälzer Jakobswegen: Wanderer erhalten Pilgerurkunde
Wer auf den Pfälzer Jakobswegen von Speyer nach Hornbach unterwegs ist und seine Pilgerstempel vorlegt, erhält künftig eine Pilgerurkunde. Ausgestellt wird sie von der Regionalgruppe Pirminiusland Südwestpfalz, einer der acht Regionalgruppen in der St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland. Damit wolle man einen zusätzlichen Anreiz schaffen, sich auf den Weg zu machen, sagen Martin Lauer und Heinz Burkhardt, erster und zweiter Sprecher der Regionalgruppe.
„Eine Urkunde belebt die Wege und motiviert potenzielle Pilger, sich auf den Weg zu machen“, sagt Heinz Burkhardt. Der 86-Jährige engagiert sich seit Jahren in der Regionalgruppe Pirminiusland Südwestpfalz. Den Namen hat die Gruppe gewählt, weil sich das Grab des heiligen Pirminius auf dem Gelände des ehemaligen Klosters in Hornbach befindet.
Routen sind etwa 150 Kilometer lang
Burkhardt und Lauer schätzen, dass pro Jahr 200 bis 300 Personen die Strecke von Speyer nach Hornbach gehen. Genauer beziffern lasse es sich nicht, da es keine offizielle Erfassung gebe. Hinweise lieferten jedoch Posts auf Facebook. Dort lese man von Menschen aller Altersklassen und auch Gruppen von außerhalb – etwa von einer Frauengruppe aus Frankfurt oder Pfadfindern aus Bayern, die auf der Route unterwegs gewesen seien.
Gepilgert werden kann auf zwei Routen: Die Nordroute führt von Speyer über Neustadt, Landstuhl und Homburg nach Hornbach, die Südroute von Speyer über Germersheim, Landau, Bad Bergzabern, Bruchweiler und Eppenbrunn nach Hornbach. Beide Varianten sind rund 150 Kilometer lang.
„Wir sind sogar anspruchsvoller als Santiago de Compostela. Dort gibt es die Urkunde für 100 Kilometer, bei uns für 150 Kilometer“, sagt Burkhardt. Die Strecke sei in sechs bis sieben Tagen gut zu bewältigen. Man könne sie an einem Stück oder in Etappen laufen. „Viele machen das an vier bis fünf Wochenenden hintereinander und sammeln die Stempel“, erklärt Burkhardt.
Die Route pflegen und erhalten
Als Manko sieht Martin Lauer, seit einem Jahr erster Sprecher der Regionalgruppe, die fehlenden Pilgerherbergen entlang der Strecke. „Das ist ausbaufähig“, sagt der 61-Jährige. Pilger müssen sich selbst um Unterkünfte kümmern; es gibt nur vereinzelt private Übernachtungsangebote. Lauer ist durch seine eigene Pilgerleidenschaft, oft gemeinsam mit der Familie, zur Regionalgruppe gestoßen, die etwas mehr als 60 Mitglieder zählt.
Für die Pflege der Wege in der Südwestpfalz ist die Regionalgruppe ebenfalls zuständig. Ein kleines Team kontrolliere die Markierungen regelmäßig, berichtet Burkhardt. Mitunter lösten sich Markierungen bei Baumfällarbeiten, ein Schild verschwinde in der Rinde, oder Markierungen auf Stromkästen würden verunstaltet – wie kürzlich an einem Kabelverteilerkasten an der Dorndorf-Kreuzung. „Wir sind dann zu zweit oder zu dritt mit Werkzeug und Leiter unterwegs“, sagt Burkhardt.
Für Hornbach hat die Gruppe eine weitere Stempel-Station geplant; bislang kann man sich den Pilgerstempel am Hotel und in der Gemeinde geben lassen, wie die Sprecher. berichten. „Endpunkt des Pilgerwegs ist am Pirminiusgrab in Hornbach. Dort soll in absehbarer Zeit auch ein Stempel erhältlich sein“, sagt Lauer. Mit der protestantischen Kirchengemeinde in Hornbach stehe man bereits in Kontakt, die Idee sei sehr positiv aufgenommen worden, auch im Sinne der Ökumene.
Stempel zeigen kulturelles Erbe
Ein eigener Pilgerstempel wird dafür gestaltet. In Zweibrücken gibt es beispielsweise in der Alexanderskirche und in der Zwinglikirche in Niederauerbach bereits eigene Stempel mit regionalen Bezügen. „Pilgern verbindet, und Pilgern macht das kulturelle Erbe sichtbar“, fasst Lauer zusammen.
Zudem bietet die Regionalgruppe Pirminiusland Südwestpfalz regelmäßig Termine zum Samstags - und Werktagspilgern an. Der nächste Termin ist am Samstag, 14. März, und führt nach Klingenmünster. „In der Regel kommen 30 bis 40 Leute, manchmal 50“, sagt Burkhardt. Gäste kamen bereits aus Rastatt, Heidelberg und Frankreich. Mit diesen Angeboten wolle man „die alten Pilgerwege beleben und ihren Erhalt sichern“.