Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Perspektiven für leeres Dorndorf-Fabrikgebäude?

Seit Ende 2022 ist der Gewerbepark Dorndorf verwaist.
Seit Ende 2022 ist der Gewerbepark Dorndorf verwaist.

Seit Jahren herrscht Stillstand um die frühere Schuhfabrik Dorndorf. Jetzt ist ein Vertreter der Gebäudebesitzer nach Zweibrücken gekommen. Es könnte sich etwas tun.

Aus dem Industriekomplex in Niederauerbach, der einst die Schuhfabrik Dorndorf beherbergt hatte, waren zum Jahreswechsel 2022/23 die letzten Mieter ausgezogen. Früher, Anfang der 1960er Jahre, hatten gut 3000 Mitarbeiter vor allem in Niederauerbach, aber auch in Frankfurt und München zusammen knapp 13.000 Paar Schuhe am Tag produziert. 1970 fusionierte Dorndorf mit der Rodalber Servas-Gruppe zur Schuh-Union AG. Und diese wiederum ist seit 2002 eine Tochter des Rieker-Konzerns im schweizerischen Thayngen.

Zuständig für die Zweibrücker Immobilie ist heute eine andere Tochterfirma. Die Rieker Immobilien GmbH & Co. KG, ansässig im schwäbischen Rieker-Gründungsort Tuttlingen, ist Hausherrin der Liegenschaft an der Pirmasenser Straße mit ihren 20.000 Quadratmetern Nutzfläche. 2005 versuchte das Unternehmen, die einstige Schuhfabrik als Gewerbepark zu vermarkten. In der Folge siedelten sich hier einige Mieter aus den Sparten Handel, Dienstleistung und Gastronomie an – in den besten Zeiten bis zu 45 Betriebe mit zusammen knapp 300 Mitarbeitern. Ende 2022 war damit Schluss; den letzten verbliebenen Mietern wurde gekündigt, seither ist das Areal an der Pirmasenser Straße verwaist. Was mit der Fläche geschehen sollte, blieb jahrelang unklar. Im Frühjahr 2023 sagte ein Rieker-Sprecher auf Anfrage, es gebe „keine Pläne“. Auch ein Jahr später konnte der Sprecher dazu keine Angaben machen.

Rieker-Vertreter kommt ins Rathaus

Am 26. Februar, im Verlauf der RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion der Kandidaten für die Zweibrücker Oberbürgermeisterwahl, deutete Amtsinhaber Marold Wosnitza (SPD) an, dass neuerdings Bewegung in die Causa Dorndorf gekommen sei. All die Jahre, so Wosnitza, habe Rieker die Niederauerbacher Immobilie „nicht so vermarkten“ wollen, „wie wir das gerne gehabt hätten“. Doch jetzt zeige der Hausherr Bereitschaft, das Areal zusammen mit der Stadt zu vermarkten. Der Oberbürgermeister (OB) räumte ein, dass das Anwesen inzwischen zwar eine „Bauruine“ sei, aber dennoch über „großes Potenzial“ verfüge.

Das waren noch Zeiten: Dorndorf warb mit dem Slogan „Mode, mit der Sie gehen können“.
Das waren noch Zeiten: Dorndorf warb mit dem Slogan »Mode, mit der Sie gehen können«.

„Auch zu uns hatte Rieker jahrelang gesagt, es gebe für Dorndorf keine Pläne“, sagt Marold Wosnitza jetzt auf RHEINPFALZ-Anfrage. „Aber vor knapp vier Wochen ist ein Rieker-Vertreter bei mir im Büro vorstellig geworden. Er sagte, die Immobilienbesitzer seien jetzt an dem Punkt, an dem sie das gesamte Gelände zur Entwicklung freigeben möchten. Inklusive der Nebengebäude wie der früheren Discothek Y und dem Garagengrundstück gegenüber, neben dem Gasthaus Sutter.“

Ein Sanierungsgebiet für Niederauerbach?

Die Rieker Immobilien GmbH & Co. KG habe die Stadt Zweibrücken dazu „eingeladen, gemeinsam an Plänen für eine Entwicklung des Standorts zu arbeiten“, so Wosnitza. „Dabei soll alles möglich sein – von Sanierung und Umbau bis hin zu Abriss und darauf folgendem Komplett-Neubau. Aus Rieker-Sicht ist das alles denkbar.“ Wie der OB erläutert, hat die Stadtverwaltung mit Rieker vereinbart, zunächst die Wahlen am Sonntag abzuwarten. Anschließend werde man gemeinsam Ideen für ein Sanierungskonzept ausarbeiten und sich damit zwecks Fördermitteln an die neue Landesregierung wenden. Marold Wosnitza kann sich vorstellen, „dass wir eventuell einen Ideenwettbewerb ausloben“. Dessen Ergebnisse könnten in die Ausweisung eines Sanierungsgebiets für das Niederauerbacher Dorndorf-Quartier münden.

Dabei gibt auch heute schon Ideen für eine künftige Nutzung der Liegenschaft. So hatte die Beigeordnete Christina Rauch, die CDU-Bewerberin bei der OB-Wahl am Sonntag, im RHEINPFALZ-Kandidatenporträt sowie während der Podiumsdiskussion die Einrichtung eines Handwerkerparks angeregt – eines Start-up-Parks für junge Firmengründer. Und der Leistungskurs Erdkunde des diesjährigen Abiturjahrgangs am Helmholtz-Gymnasium dachte neulich laut über einen Umbau der Liegenschaft zur neonleuchtenden Club- und Gastronomie-Location für junge Leute nach.

Gewaltiger Investitionsbedarf

„Wenn dieses Gebäude in einer Großstadt wie Frankfurt oder München stehen würde, könnte man darin eine ganze Lebenswelt unterbringen“, sinniert Marold Wosnitza. „Mit Loftwohnungen, Clubs und Lokalen. Aber wenn das wirklich jemand hier umsetzen wollte, wäre das mit gewaltigen Investitionen verbunden. Dann müsste er hinterher Mieten verlangen, wie sie in Zweibrücken wohl keiner bezahlen würde.“

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