Handball
Nationalspielerin Berger aus Zweibrücken zieht ihr Fazit der Weltmeisterschaft
„Ich freue mich jetzt richtig auf Weihnachten. Mal nicht über Handball nachdenken müssen“, sagt Amelie Berger. Weihnachten, das ist Familienzeit in Zweibrücken für die Nationalspielerin. Dass der Handball da kein Gesprächsthema sein wird, glaubt natürlich niemand. Dafür ist die Familie, zu der auch Cousin Tom Grieser, der in der Dritten Liga beim SV 64 Zweibrücken spielt, viel zu handballverrückt. Wenn gemeinsam bei Oma und Opa gefeiert wird, können sie also über Handball reden, müssen sie aber nicht.
Top-Spiel gleich am 2. Januar
„Wir haben über Weihnachten mal richtig frei“, freut sich die Rechtsaußen, dass in der Frauen-Bundesliga nicht, wie in den vergangenen Jahren üblich, bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag wieder gespielt wird, sondern erst am 29. Dezember. Der Ausklang im alten und der Auftakt im neuen Jahr wird für Bergers Team Borussia Dortmund aber nicht einfach: Am Mittwoch, 29. Dezember, beim Achten HSG Blomberg-Lippe (19.30 Uhr, live auf Eurosport), und sonntags, am 2. Januar, folgt dann schon das Top-Spiel der beiden aktuell noch verlustpunktfreien Top-Teams der Liga. Die Borussia gastiert bei der SG BBM Bietigheim, Bergers vormaligem Club. „Der Jahresauftakt hat es in sich“, bestätigt Berger.
Am Mittwoch vor Weihnachten absolviert sie in Dortmund die letzte Trainingseinheit, am Donnerstag geht es Richtung Heimat. Mit dabei ist natürlich ihr Australien Sheperd Balu. Der wurde in Karlsruhe bestens versorgt, während Berger und ihre Fans WM-Zeit in Spanien verbrachten. Jetzt sind Frauchen Amelie und Hund Balu wieder vereint, „und so schnell müssen wir uns auch erst mal nicht wieder trennen“, freut sie sich.
Dortmund ist Zuhause, Zweibrücken Heimat
„Zweibrücken ist Heimat, Dortmund mein Zuhause“, sagt sie. „Nach vier Wochen, in denen ich nicht zu Hause war, war es schön, wieder hierherzukommen“, sagt sie. Bis Mittwoch vor einer Woche weilte sie noch in Spanien, bei der Weltmeisterschaft der Frauen. Im Viertelfinale war nach der 21:26-Niederlage gegen Gastgeber Spanien Endstation gewesen.
„Klar, wir wären gerne noch ein paar Tage länger in Spanien geblieben“, sagt die 22-Jährige. Das hätte bedeutet, dass Deutschland den Sprung unter die Top Vier geschafft hätte. Dafür reichte es nicht. „Noch nicht“, unterstreicht Berger und macht deutlich, dass sie davon überzeugt ist, dass viel Potenzial im Team steckt, das spätestens bis zur Heim-Weltmeisterschaft 2025 auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit sein soll. „Aber so lange soll es nicht dauern. Bei Olympia 2024 in Paris dabei zu sein, wäre schön“, nennt Berger Ziele, die sich das Team gesetzt hat.
Berger ist sehr selbstkritisch
Mit einem lachenden und weinenden Auge lasse sich die WM in Spanien aus deutscher Sicht analysieren, bestätigt sie. Wobei sie die positive Entwicklung, die das Team genommen hat, höher bewertet. Mit fünf Siegen war das deutsche Team in die WM gestartet. Dem 31:21-Auftakterfolg gegen Tschechien folgten in der Vorrunde ein 36:22 gegen die Slowakei und ein 25:24-Erfolg gegen Ungarn. „In der Hauptrunde hat sich dann richtiges WM-Feeling eingestellt“, erzählt Berger. Die Vorrunde war quasi eine reine Europameisterschaft gewesen. Aber auch die Aufgaben gegen Kongo (29:18) und Süd-Korea (37:28) wurden gemeistert. Dann kam die Partie gegen Dänemark (16:32), in der deutlich wurde, dass der Schritt in die Weltklasse noch nicht gemacht ist. Eine erste Schnellanalyse des Turnierverlaufs „gab es schon“, sagt Berger. Für sie ist ganz entscheidend, „dass uns noch das fehlt, was ich mal als Coolness beschreiben würde“.
Mit ihrer eigenen Leistung geht sie sehr selbstkritisch um. „Das war sicher nicht die Trefferquote, die für mich normal ist“, meint sie. 48 Prozent ihrer Würfe verwertete sie in Spanien. In der Bundesliga liegt sie derzeit bei über 60 Prozent. Zwölf ihrer 25 Würfe landeten im gegnerischen Tor. Von den 13 Würfen, die sie vergab, „mache ich im Training wahrscheinlich fast alle im Schlaf rein“, ergänzt sie. Das sei die angesprochene Coolness, die noch fehle.
Entspannte WM-Momente
„Aber da kommen wir hin“, ist sie überzeugt. Die Basis und der Weg stimmen. Es liege nicht daran, „dass wir es nicht können. Wir haben ja gezeigt, was wir können“. Im Viertelfinale gegen Spanien „wäre sicher mehr drin gewesen“, bestätigt sie. Die Partie zu spielen, habe trotz allem Spaß gemacht. 2600 Zuschauer waren dabei, „und davon fast alle gegen uns“, sagt Berger lachend. Diese Unterstützung, auf die Deutschland 2025 hofft, habe Spanien zusätzlich beflügelt.
„Die Mannschaft passt gut zusammen“, weiß sie, dass es wichtig ist, dass sich alle wohl fühlen. Dass es im Team stimmt, habe man gesehen. Dazu habe auch die WM-Atmosphäre im sonnigen Spanien beigetragen. Mal rauskommen, mal draußen sitzen und einen Kaffee trinken zu können, „das war schon schön“, erzählt sie von intensiver WM-Stimmung mit entspannenden Momenten.
Wobei Corona im Turnierverlauf etwas an Bedeutung gewann. „Wir haben an Spieltagen auch regelmäßig getestet“, erzählt Berger. Beim gesamten Turnier galt, wie in der Bundesliga: 2G. Nur Geimpfte und Genesene durften teilnehmen. „Die Tests haben das Sicherheitsgefühl noch etwas erhöht.“