Zweibrücken
Mit vielen Bildern: Rolltreppe, Hähnchen, Porno-Würfel: So war das Leben in der Kaufhalle
„Die Leute vermissen die Kaufhalle immer noch“, stellt Marliese Michel gut 22 Jahre nach Schließung des Warenhauses am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) fest. „Sogar in Straßburg, auf dem Weihnachtsmarkt, hat mich mal eine frühere Kundin aus Frankreich erkannt und darauf angesprochen“, erzählt die Zweibrückerin, die von 1980 bis 1996 in der Kaufhalle ihren Platz an der Kasse der Abteilung Damenkonfektion hatte. Mit ehemaligen Kolleginnen trifft sie sich regelmäßig zum Stammtisch der früheren Kaufhallenmitarbeiter.
„Den hatten wir gleich nach der Schließung Anfang 2004 gegründet, damit der Kontakt nicht abreißt“, sagt Hilde Wilms bei Kaffee und Kuchen. Und schwelgt in Erinnerungen. „Mich hatten sie in der Kaufhalle in alle möglichen Abteilungen gesteckt. Bei ,Hüte, Schirme und Schals’ hab’ ich angefangen, dann war ich ein paar Jahre im Büro und später noch in der Lebensmittelabteilung mit dem frischen Obst.“ Den Stammtisch an jedem ersten Donnerstag im Monat im Café am Schloss möchte sie auf keinen Fall missen. „In den ersten Jahren waren wir noch ein gutes Dutzend Leute; mittlerweile sind wir meistens zu sechst oder zu siebt. Wir sind wie eine Familie. Wir erzählen uns, was es in der Stadt Neues gibt, was wir derzeit so treiben. Sogar heute noch fällt uns immer wieder eine neue alte Anekdote aus der Kaufhallenzeit ein.“
Mit einem Glas Sekt ins Wochenende
Darunter sind „Geschichten, die der Chef damals nicht wissen durfte“, verrät Brigitte Schwarz. „Wir haben ja montags bis samstags die ganze Woche durchgeschafft. Am Samstagmittag, kurz vor Feierabend, haben wir’s uns dann ein bisschen schön gemacht und als Kolleginnen unauffällig ein Fläschchen Sekt aus der Lebensmittelabteilung getrunken. Der war natürlich bezahlt.“
Allerdings nicht mit Bargeld, wie Trude Hettrich in der Stammtischrunde ergänzt. „Das Personal dufte kein eigenes Geld im Kaufhaus dabeihaben. Weil wir ja auch an den Kassen zu tun hatten.“ Stattdessen hätten die Mitarbeiter im Büro Bons kaufen können, die zum vergünstigten Erwerb von Waren aus dem Sortiment berechtigten. „Die hießen Kaufmarken. Aber irgendwann wurden sie abgeschafft“, erinnert sich Hettrich, die einst wie Brigitte Schwarz in der Kosmetikabteilung, aber auch im Kassenbereich, beim Schmuck und bei den Schreibwaren tätig war.
Neues Kaufhaus am alten Standort
„Unsere Filiale war im Oktober 1966 eröffnet worden“, weiß Hilde Wilms. „Das war die Kaufhalle Nummer 57 in Deutschland. Und im Januar 2004 war sie eine der letzten, die zugemacht wurden.“ Ende 2000 habe das Personal erfahren, dass der Standort vor dem baldigen Aus stehe. „Der Betriebsrat in Köln hat sich aber stark engagiert und für die Belegschaft noch eine Menge rausgeholt“, erinnert sich Brigitte Schwarz. Ein Großteil der betroffenen Kollegen sei bereits Mitte 50 gewesen und kaum noch in andere Jobs vermittelbar. „Zwar hat damals das Outlet neu aufgemacht. Aber die suchten Leute, die jung waren und möglichst auch noch Französisch und Englisch konnten.“
Brigitte Schwarz findet es schön, dass an ihrem einstigen Arbeitsplatz demnächst mit Woolworth wieder ein Kaufhaus eröffnet wird. „Aber schon gibt’s wieder Leute, die sich beschweren, das wär’ nur so ein Kruusch-Laden. Aber das hatte es am Anfang von der Kaufhalle auch geheißen. Und dann haben die Leute sie geliebt.“
Grillhähnchen rotieren im Glaskasten
So wie die Buben, die sich nach Schulschluss einen Spaß daraus machten, die Rolltreppe rauf und runter zu fahren. „Wir hatten die allererste Rolltreppe in Zweibrücken“, berichtet Hilde Wilms von Kunden, die ins Stolpern kamen, weil sie erst lernen mussten, wie man so eine Anlage benutzt.
„Über unser Leben in der Kaufhalle könnten wir ein Buch schreiben“, sagt Marliese Michel, dass dem Stammtisch-Kränzchen die Erinnerungen wohl niemals ausgehen. Etwa an den Mann, der in der Elektroabteilung nach einem „Porno-Würfel“ fragte. „Er meinte ein Radio mit eingebautem Lautsprecher – einen Phono-Würfel“, lacht Michel. Und erzählt von dem älteren Herrn, der einst Tag für Tag eines der Grillhähnchen kaufte, die sich im Glaskasten neben dem Eingang am Spieß drehten. „Einmal, in der Weihnachtszeit, gab’s eine Bombendrohung und alle mussten aus dem Haus. Seit diesem Tag war der Mann nicht mehr gekommen.“
Weihnachtsmarkt und Fasnacht
Gern denken die Freundinnen an die Plaudereien am Glühweinstand zurück, mit dem sich die Kaufhalle jedes Jahr am Zweibrücker Weihnachtsmarkt beteiligte. „Da hat jeder mitgeholfen“, erzählt Hilde Wilms und erinnert die Kaffeerunde an die Fasnachtsfeiern in der Warenhauskantine: „Da waren wir alle verboozt, und Bowle hat’s auch gegeben.“
