Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel Medaille für LAZ-Stabhochspringerin Tamineh Steinmeyer nur eine Frage der Zeit?

Bei den deutschen Meisterschaften in Schlagdistanz zur nationalen Spitze: Tamineh Steinmeyer vom LAZ.
Bei den deutschen Meisterschaften in Schlagdistanz zur nationalen Spitze: Tamineh Steinmeyer vom LAZ.

Die Stabhochspringer des LAZ Zweibrücken verpassen bei den deutschen Hallenmeisterschaften die Medaillen. Das könnte sich bald ändern.

In diesem Moment weiß Tamineh Steinmeyer, dass sie ins Risiko gehen muss. „Wir sind bei deutschen Meisterschaften und da zählen halt einfach die Medaillen“, sagt die Stabhochspringerin des LAZ Zweibrücken. Sie hält kurz Rücksprache mit Trainer Andrei Tivontchik, dann geht die 20-Jährige zu den Kampfrichtern: Ihre zwei verbleibenden Versuche über 4,30 Meter lässt sie aus, mit den übrigen drei Sportlerinnen geht sie direkt die nächste Höhe von 4,40 Metern an. Steinmeyer weiß aber auch, dass sie noch nie so hoch gesprungen ist. In der Vorwoche schraubte sie ihre persönliche Bestleistung auf 4,35 Meter. (Den Liveblog zur Hallen-DM zum Nachlesen finden Sie hier)

Missglückte Premiere längst abgehakt

2025 feierte die Sportstudentin ihre Premiere bei den deutschen Hallenmeisterschaften, und es ging darum, die Stimmung bei nationalen Titelkämpfen aufzusaugen. Dennoch kehrte Steinmeyer etwas enttäuscht in die Pfalz zurück, dreimal scheiterte sie bei der Anfangshöhe von 3,90 Metern. Ein Jahr später tritt sie in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle selbstbewusst auf: „Ich war die Zweitjüngste von allen und die Jüngste im Top-Bereich“, sagt Steinmeyer und sieht sich in Schlagdistanz zur nationalen Spitze. Bei den deutschen Meisterschaften im vergangenen Sommer in Dresden wurde sie Vierte.

Jene 3,90 Meter lässt sie diesmal direkt aus, die folgenden Höhen sind für sie kein Problem. Bei 4,20 Meter muss sie jedoch in den dritten Versuch. „Da spürt man schon ein bisschen Druck, aber inzwischen gehe ich da komplett durch“, sagt Steinmeyer. In der Halle ist es laut, viele Wettkämpfe laufen parallel, die Sprints über 200 Meter gehen über die Bühne, die Weitspringerinnen um Weltklasse-Athletin Malaika Mihambo wärmen sich auf. Steinmeyer blendet das alles aus und überquert die Latte. „Ich habe mich auf das konzentriert, was ich kann“, sagt sie, „es ist nicht so, dass ich in solchen Augenblicken total hibbelig werde.“

Im Sommer soll es höher gehen

Die ausverkaufte Halle erleben tags zuvor auch die beiden anderen LAZ-Stabhochspringer. „Das war natürlich etwas Besonderes“, sagt Jakob Legner und Lars Urich ergänzt: „Es ist schön, diese Erfahrung nun zu haben.“ Beide sind zum ersten Mal bei der „Deutschen“ der Erwachsenen am Start – und beide sind mit ihrer Premiere nicht zu 100 Prozent zufrieden. Zwar schafft Legner die 5,05 Meter im ersten Versuch, doch die Anfangshöhe liegt nur einen Zentimeter unter seiner persönlichen Bestleistung. Bei 5,20 Metern reißt der 21-Jährige die Latte dreimal. „Ich weiß, dass ich es drauf habe“, sagt Legner, „und es hätte keine bessere Gelegenheit gegeben.“ Er wird auf Platz neun des Klassements geführt. „Im Sommer soll es schon höher gehen“, sagt Legner.

Auch für Urich, mit Jahrgang 2006 jüngster Teilnehmer im Feld, wird es an diesem Nachmittag nichts mit einem persönlichen Rekord, der weiter bei 5,35 Metern liegt. „Es war durchwachsen“, sagt er, „ich hatte ein paar Fehlversuche, die ein bisschen unnötig waren.“ Die 5,30 Meter schafft er im Zweiten, bei 5,40 Metern ist jedoch Schluss.

Optimismus nach Platz vier

„Die Höhe war da, aber die Tiefe nicht, weil ich ein bisschen gezögert habe“, befindet Urich, „das ärgert mich.“ Am Ende steht Rang sechs für ihn. Bo Kanda Lita Baehre ist der einzige an diesem Nachmittag, der 5,60 Meter überspringt und den Titel holt. Das macht deutlich, wo der deutsche Stabhochsprung derzeit steht – und was für die LAZ-Sportler möglich sein kann. Zum Vergleich: Der Hallenweltrekord des Schweden Armand Duplantis liegt derzeit bei 6,27 Meter, im Freien bei 6,30 Metern. „Beim letzten Sprung hatte ich meinen härtesten Start, den ich bisher gesprungen bin“, sagt Urich, „das werte ich als Erfolg. Auch weil mein Trainer Andrei Tivontchik es mir zutraut.“

Den härtesten Stab, den sie bislang gesprungen ist, benutzt auch Tamineh Steinmeyer, um es über die 4,40 Meter zu schaffen. Beide Versuche misslingen, wieder wird sie Vierte. Ein wenig Enttäuschung bleibt, aber eine DM-Medaille dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein. „Das denke ich auch“, sagt sie nur und grinst.

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